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| 18:30 Uhr

Aus dem Gericht
Pannen verzögern Prügel-Prozess

Das Landgericht in Cottbus will am 13. Februar das Urteil verkünden.
Das Landgericht in Cottbus will am 13. Februar das Urteil verkünden. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus/Senftenberg. Am Landgericht Cottbus ist am Dienstag das Urteil gegen ein Trio aus Lauchhammer erwartet worden. Es soll sein Opfer eingesperrt und verprügelt haben. Doch die Verhandlung stockt. Von Jan Augustin

Ein mit dem Handy des Opfers aufgezeichnetes Video von dem Tatabend sollte mehr Klarheit in den Fall bringen. Doch der Film bleibt verschwunden. Die Speicherkarte sei als Asservat in einen Briefumschlag der Akte beigelegt worden, erklärt ein Polizeibeamter aus Senftenberg als Zeuge vor Gericht. Wie und warum das Beweismaterial abhanden kam, ist weiter unklar. „Es ist für mich unerklärbar, dass die SD-Karte nicht mehr auffindbar ist“, sagt der Polizist. Während der Ermittlung habe er sich die kurze Sequenz angeschaut. Auf dem Video sei der Geschädigte in der Tatwohnung zu sehen: sitzend, die Hände vor den Bauch haltend und „wie er gewinselt hat“. Als Zeuge hatte dieser vor einer Woche noch gesagt, er besitze ein Kopie. Am Dienstag wollte er sie dem Gericht zeigen. Doch er bringt sie nicht mit. Er habe keine. Warum, sagt er nicht.

Der Prozess und damit eine schnelle Urteilsverkündung verzögern sich nun noch wegen einer zweiten Panne. Für die Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe fehlt noch eine Akte aus einem früheren Urteil gegen eine der Angeklagten. Diesmal nimmt die 2. große Strafkammer um den Vorsitzenden Richter André Simon den Fehler auf ihre Kappe und entschuldigt sich dafür. Plädoyers und Urteil in dem Fall aus dem Senftenberger Drogenmilieu sind nun für den 13. Februar angekündigt.

Die drei aus Lauchhammer stammenden Angeklagten, zwei Frauen im Alter von 25 und 37 Jahren sowie ein 40-jähriger Mann, sollen ihr Opfer vor gut einem Jahr in einer Senftenberger Wohnung über zwei bis drei Stunden festgehalten und verpügelt haben. So stark, dass der 28-Jährige mehrfach bewusstlos wurde und notoperiert werden musste. Die gerissene Milz wurde ihm entfernt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten zudem vor, ihr Opfer erpresst zu haben. Sie sollen die Herausgabe von Geld und Drogen verlangt haben, woraufhin der Geschädigte ihnen 400 Euro übergeben haben soll. Der Geschädigte soll um einen Rettungswagen gebeten haben, was ihm verwehrt worden sein soll. Erst zwei bis drei Stunden nach Ende der Misshandlungen soll er die Wohnung verlassen haben können.

Während die drei vorbestraften Angeklagten zugeben, dass die Situation eskaliert ist und sie den Mann mehrfach geschlagen haben, streiten sie eine Erpressung vehement ab. Für die Höhe des Strafmaßes ist das entscheidend. Ohne den Tatbestand der räuberischen Erpressung wird sich eine Strafe um Jahre verkürzen. Verurteilt werden würde das Trio dann wegen schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Die Verhandlung dahingehend scheint am Dienstag schon auf der Zielgeraden angekommen. Auch das mögliche Motiv für die brutale Tat wird immer klarer. Neben Drogenkonsum spielte auch häusliche Gewalt eine Rolle. Der Geschädigte, der ein Verhältnis mit den beiden angeklagten Frauen hatte, räumte bereits ein, dass es zu Auseinandersetzungen gekommen ist - dass er sie aber nie „verkloppt“ habe.

Die beiden Frauen erklären allerdings das Gegenteil. Etwa jeden zweiten Tag soll es Gewalt gegeben haben, sagt die ältere der angeklagten Frauen, eine 37-jährige Mutter von vier Kindern. „Sie hat keine Anzeige gestellt, weil sie Angst hatte, dass ihr das Jugendamt die Kinder wegnimmt“, erklärt ihre Anwältin Ute Mittermaier. Auch vor dem Tatabend soll es zu Gewalt gekommen sein. „Ich wollte mich von ihm trennen. Die ganze Nacht hat er mich geschlagen. Ich hatte Angst vor ihm“, sagte die Angeklagte bei der Verhandlung vor einer Woche.