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Panik unangebracht, Lage ernst

Mit dem warnend „erhobenen Zeigefinger“ ist Schluss. Haben die Kontrolleure vom kreislichen Veterinäramt im Herbst noch Gnade vor Recht ergehen lassen bei Verstößen gegen die Stallpflicht, geben sie nun keine Haaresbreite mehr nach. „Jedem Geflügelhalter muss klar sein, nachdem die Vogelgrippe auf dem deutschen Festland angekommen ist, haben wir eine völlig veränderte Situation“ , betont Amtstierarzt Jörg Wachtel. „Panik ist unangebracht, aber die Lage ist ernst.“ Von Kathleen Weser

Der Notfallplan gegen die Tierseuche steht. Am Dienstag hat der Landkreis Oberspreewald-Lausitz den Auftrag zum Kauf der blut- und viren-dichten Schutzkleidung für den Einsatzfall ausgelöst, bestätigt der Kreis-Veterinär. Zu den hundert stets vorrätigen Overalls nebst Zubehör wurden weitere 1000 bestellt. Die Mitarbeiter der Behörde, der Ordnungsämter und der betroffenen Betriebe müssen bei Eintreten der Vogelgrippe in Nutztierbeständen zuerst ran, um das Ausbreiten der Seuche einzudämmen. Sperrobjekt Nr. 1 ist der Stall, der nach Töten des Federviehs komplett gereinigt und desinfiziert werden muss. Im Umkreis von drei Kilometern wäre ein Sperrgebiet aufzumachen. „Es muss verhindert werden, dass Schadnager wie Ratten oder Mäuse und Marder die Viren weiter verbreiten“ , erklärt Jörg Wachtel diese Schutzmaßnahme. Das Beobachtungsgebiet erfasst sogar einen Radius von zehn Kilometern um den lokalen Seuchenherd. „Das ist nach dem Stand der Technik und dem Wissen das Machbare“ , schätzt der Veterinär-Mediziner ein.
In der Sensibilität der Bürger gegenüber der Vogelgrippe sieht Jörg Wachtel ein Phänomen. Die Möglichkeit, sich ernsthaften Gefahren für die Gesundheit auszusetzen, ist beispielsweise im Straßenverkehr um ein Vielfaches höher - sich anzustecken, tendiert dagegen gegen Null. Ruhe bewahren - dieser Vorsatz sollte überlegtes Handeln steuern. „Wenn überhaupt, dann haben wir es mit einer Tierseuche zu tun“ , betont der Amtstierarzt. Sorge macht ihm, dass die (privaten) Geflügelhalter die Meldepflicht nicht ernst genug nehmen. „Wir müssen bis zum letzten Huhn wissen, wo es lebt“ , betont Jörg Wachtel. Im Ernstfall ist in einem Sperrbezirk nichts schlimmer als ein unkontrollierbarer zweiter Seuchenherd. Laut Viehhalteverordnung muss Geflügel beim Veterinäramt angemeldet sein. „In unsicheren Zeiten wie diesen kann ich nur noch einmal nachdrücklich darum bitten, das zu tun“ , wendet sich Wachtel an die Haushalte. Säumige, die erwischt werden, müssen mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen.
Jörg Wachtel ermuntert die Bürger sehr wohl zur erhöhten Aufmerksamkeit, was tote Wildvögel betrifft. Täglich werden einige im Amt abgegeben. Sie werden unverzüglich zur Untersuchung eingeschickt. „Bisher waren alle ohne Befund“ , erklärt er. „Mit einem toten Spatz hat man nicht gleich die Pest vor der Haustür“ , betont der Tierarzt. Ernährungsmangel und die strengen Fröste sorgen im Winter und Frühjahr stets für eine stärkere natürliche Auslese. Die Wahrnehmung davon ist mit der Vogelgrippe im Hinterkopf derzeit vielfach keine realistische mehr. Die Alarmglocken sollten schrillen, wenn ein Massensterben - vor allem bei Wassergeflügel, das hohe Viruslasten in sich tragen kann - festzustellen ist. Die Ordnungsämter, die kreisliche Behörde oder die Polizei sind zu rufen, wenn man das Tier nicht selbst zur Kontrolle tragen möchte. Jörg Wachtel weist allerdings mit Nachdruck darauf hin, tote Vögel nicht ohne Schutz anzufassen.