Kroppen. Im Schraden sind die Osterhasen am Ostersonntag immer durch die Dörfer gezogen. "Ich habe daran schöne Kindheitserinnerungen", erzählt Beate Oßwald, die in Großthiemig aufgewachsen ist.

Als die Neue Bühne Senftenberg in Kroppen ein Gastspiel gab, hat Beate Oßwald die Maskenbildnerin nach der Vorstellung spontan nach einem Hasenkopf gefragt. Die älteste Oßwald-Tochter war zu der Zeit vier Jahre jung - und wurde von den Eltern, die aus dem Theaterfundus ausgestattet werden konnten, im Jahr 1988 erstmals zu Ostern vom Hasen persönlich überrascht. "Damals hatten wir uns im Dorf ein Fahrrad geborgt. Denn ein eigenes hätte das Kind ja sofort erkannt", bestätigt Bernd Oßwald. Die Tradition, am Ostersonntag auf Tour zu gehen, war geboren - und ließ das Paar mit den Jahren immer erfinderischer werden und auch organisatorisch zur Höchstform auflaufen.

Längst näht Beate Oßwald die Hasenkostüme von Kopf bis Fuß selbst - vier liegen im eigenen Fundus. Denn in Familie sind die Kroppener über die Jahre zu Ostern auch in der Spur. Tochter Susann (26), die zum Osterwochenende in die alte Heimat reist, freut sich schon auf die Tour am morgigen Sonntag. Nach zahlreichen Cabrios, der Diesel-Ameise von Nachbar Dietmar Sauer, Jeeps und dem alten Motorrad aus den 60er-Jahren in der eigenen Garage stellt Günter Bodack aus Ortrand für dieses Wochenende ein Einsitzer-Moped mit Anhänger zur Verfügung. Bernd Oßwald wird es steuern. Ehefrau Beate zieht allerdings den mit eigener Muskelkraft betriebenen Drahtesel vor - würde aber gern auch mal auf einer Vespa die Osterbotschaft überbringen.

"Eine Rikscha suchen wir schon lange", erzählt Bernd Oßwald. "Die wäre ideal. Aber wir hatten noch kein Glück, eine erschwingliche zu erwischen", sagt er. Im vergangenen Jahr waren Oßwalds mit der Pferdekutsche von Armin Dausel aus Arnsdorf unterwegs. Während der Fahrt ist dann noch die Deichsel gebrochen. "Aber größere Katastrophen haben wir noch nicht erlebt", bestätigt das Paar. Nur am Lausitzring hatten die Ordner einmal auf die Eintrittskarten bestehen wollen. "Wir haben dann doch eine Runde im Fahrerlager drehen können, ohne uns zu verausgaben", sagt Bernd Oßwald.

Leute haben überall Spaß an den großen Hasen. "Am schönsten ist es, wenn Autofahrer spontan anhalten, weil die Kinder uns entdeckt haben", sagt Beate Oßwald. Aber auch die Kroppener fragen vor den Feiertagen gern mal nach, ob die Hasenfamilie zu erwarten ist. Aus der Nummer kommen Oßwalds nun nicht mehr heraus - und das wollen sie auch nicht.