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| 19:15 Uhr

Heinze und Prietzel holen die meisten Prozente in Brandenburg
OSL-Wahlsieger an der Spitze im Land

Wahlsieger Siegurd Heinze wird am Montagmorgen mit viel Beifall von seinen Mitarbeitern in der Kreisverwaltung empfangen.
Wahlsieger Siegurd Heinze wird am Montagmorgen mit viel Beifall von seinen Mitarbeitern in der Kreisverwaltung empfangen. FOTO: Sarah Werner / LR
Senftenberg/Schipkau. Die großen Sieger des Superwahl-Sonntages kommen aus dem Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Landrat Siegurd Heinze und Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel holten die meisten Prozente im ganzen Land. Von Andrea Budich und Jan Augustin

Sie sind fast Nachbarn. Luftlinie trennen Landrat Siegurd Heinze (parteilos) aus Meuro und Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) aus Schipkau vielleicht fünf Kilometer. Jetzt haben beide ihre Wahlen gewonnen. Und wie. Nirgends in Brandenburg holten Kandidaten bei den insgesamt sechs Landrats- und vier Bürgermeisterwahlen so viele Prozente wie Prietzel (58,5) und Heinze (56,3).

In Feierlaune war der Landrat deshalb auch am Montagmorgen noch. Seine Mitarbeiter in der Kreisverwaltung haben ihn mit Luftschlangen und Luftballons empfangen. Die Freude beim klaren Wahlsieger scheint ungebrochen. Wichtig sei ihm weiterhin ein gutes Miteinander und „ein gemeinsames Anpacken von Problemen im Zusammenspiel mit allen Akteuren im Landkreis und darüber hinaus“, insbesondere mit Blick auf die Wahlen im kommenden Jahr, betont Siegurd Heinze. Er werde sich weiterhin engagieren und motiviert einbringen. „Öffentliche Verwaltung hat einen klaren Auftrag - im Sinne des Bürgers und des Gemeinwohls zu agieren“, sagt Heinze.

Den spannenden Wahlsonntag hatte der 56-Jährige im Altdöberner Schützenhaus mit Freunden und Unterstützern verbracht. Heinzes Stimmungswelt nach Auszählung aller 161 Stimmbezirke: zwischen Freude, Überraschung und Erleichterung. Dass er die Wahl im ersten Gang so deutlich für sich entscheiden konnte – das habe seine kühnsten Träume übertroffen. „Das muss ich erst einmal realisieren“, sagte ein euphorisch klingender Landrat. Grund zur Sorge war allerdings vorhanden: Bis 14 Uhr lag die Wahlbeteiligung in den sechs größten Wahlbezirken gerade einmal bei 6,3 Prozent. Das Quorum zu schaffen - also, dass die erreichte Stimmenzahl mindestens 15 Prozent aller Wähler ausmacht – war zu diesem Zeitpunkt arg in Gefahr. Am Ende reichte es dann doch. Heinze konnte fast 18 000 Wähler im Oberspreewald-Lausitz-Kreis überzeugen, und damit fast 3600 Stimmen mehr als nötig. Seine Herausforderer Sven Schröder (AfD) und Matthias Mnich (Linke) kamen auf 23,8 beziehungsweise 19,9 Prozent.

Dieses Ergebnis hat am Montagnachmittag auch der Kreiswahlausschuss bestätigt. Kreiswahlleiterin Petra Borchel ist zufrieden: „Es gibt nichts, was nicht gestimmt hätte.“ Die Wahl sei reibungslos verlaufen, was nur möglich sei durch den Einsatz von rund 1200 Wahlhelfern.

Unrasiert und ohne Schlips, aber pünktlich wie immer sitzt Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) am Montag um 7.15 Uhr in seinem Büro. Die Nacht war kurz. Denn bei seiner Wahlfeier im Askania-Sportlerheim in Schipkau war am Sonntagabend kurz nach 19 Uhr kein Halten mehr. Als mit Hörlitz das dritte von insgesamt acht Wahllokalen ausgezählt ist, war der Jubel in seiner Anhängerschaft nicht mehr zu bremsen.

Am Ende hat der Amtsinhaber in allen sechs Ortsteilen die Nase vorn. Am meisten Stimmen räumt er in den beiden Ortsteilen Annahütte und Hörlitz mit knapp 65 Prozent der Wählerstimmen ab. Seine Mitbewerber hat Prietzel damit klar abgeschüttelt und in die Grenzen verwiesen. Lediglich im Ortsteil Drochow wird es eng für Prietzel, wenngleich er AfD-Kandidat Ingo Hubatsch auf Abstand halten kann. Insgesamt kassiert er 45 Prozent mehr Wählerstimmen als der Zweitplatzierte Ingo Hubatsch.

Das Abräumer-Ergebnis macht Klaus Prietzel auch noch am Tag danach sprachlos vor Glück. Denn bei sechs Kandidaten hatte er mit einer Stichwahl spekuliert, die ihm die Schipkauer dank des klaren Votums nun erspart haben. Sein Handy steht seit dem Sieg nicht mehr still. Mehr als 100 Glückwunsch-Mails sind binnen weniger Stunden eingegangen. Nur von den fünf Gegenkandidaten hat sich bis Montagnachmittag kein einziger beim Wahlsieger gemeldet. Für Klaus Prietzel ist das nach einem Wahlkampf, der hart an der Grenze geführt wurde, kein gutes Zeichen von Anstand und Fairness.

Für die Schipkauer, die mit ihm auf Stabilität und Kontinuität gesetzt haben, stürzt er sich nahtlos wieder in den Bürgermeister-Alltag. Für die Wohnresidenz Schipkau mit altersgerechtem Wohnraum will er möglichst noch in diesem Jahr den ersten Spatenstich setzen. Der Straßenausbau in Hörlitz soll 2019 zu Ende gebracht werden, ebenso das Finale im Sanierungsgebiet der Annahütter Glaswerkssiedlung. „Mein Schreibtisch liegt voller Arbeit“, entschuldigt er sich beim ersten Pressetermin nach dem Wahlsieg. Dazu gehören auch ziemlich dicke Bretter, die noch zu bohren sind. Notwendige Schulerweiterungen in Annahütte und Schipkau gehören dazu. Ebenso neue Ideen für eine Zusammenarbeit mit den Klettwitzer Windmüllern. Denn der 80-Euro-Bürgerzuschuss wird in diesem Dezember letztmals ausgezahlt.

Auf dem Schreibtisch jede Menge Arbeit - Bürgermeister Klaus Prietzel kann nach dem Wahlsieg seine Projekte nahtlos fortsetzen.
Auf dem Schreibtisch jede Menge Arbeit - Bürgermeister Klaus Prietzel kann nach dem Wahlsieg seine Projekte nahtlos fortsetzen. FOTO: Martin Konzag / Konzag/Gemeinde Schipkau