Nur etwa die Hälfte aller Plätze für Asylbewerber sind derzeit belegt. Darüber informierte Landrat Siegurd Heinze (parteilos) kürzlich. Seit Anfang April habe der OSL-Kreis mehrmals freie Plätze beim Land Brandenburg gemeldet. Von 154 gemeldeten Plätzen konnten nur 35 belegt werden. "Wir haben also dort deutliche Kapazitäten zur Verfügung", sagte Heinze. Insgesamt verfüge der Landkreis mittlerweile über 1641 Plätze. Davon besetzt seien derzeit 595. Hinzukommen die in Einzelwohnungen lebenden Flüchtlinge, sodass momentan 808 Asylbewerber untergebracht sind. Damit gibt es im Kreis etwa 800 freie Plätze.

Im OSL-Kreis leben derzeit 3528 Ausländer. Bei insgesamt 113 000 Einwohnern sind das also etwa drei Prozent und deutlich mehr als in der Vergangenheit. Im Vergleich zu anderen Regionen oder Städten sei das noch nicht überproportional viel, sagt Siegurd Heinze.

Brandenburg hat im ersten Halbjahr insgesamt 6841 Asylsuchende registriert und aufgenommen. Das waren 1027 Flüchtlinge mehr als im ersten Halbjahr 2015, aber 15 469 weniger als im zweiten Halbjahr 2015. Das teilte der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker, gestern in Potsdam mit. Ging die Asylbewerberzahl in den ersten drei Monaten noch erheblich zurück, so stagnierte sie im zweiten Quartal bei etwa 500. Gestoppt worden sei der Rückgang der Zahl der Asylsuchenden durch eine verstärkte Zuwanderung von Menschen aus der Russischen Föderation. Die weitaus überwiegende Zahl dieser Asylsuchenden stammt nach eigenen Angaben aus Tschetschenien. "Diese Flüchtlinge aus dem Nordkaukasus stellen derzeit auch die größte Bevölkerungsgruppe in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Brandenburg", erklärte Decker. So stammten am 30. Juni 978 der insgesamt 1644 Asylsuchenden in der Erstaufnahmeeinrichtung aus der Russischen Föderation, darunter mehr als 900 aus Tschetschenien. Am selben Tag befanden sich lediglich 180 Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan in der Erstaufnahmeeinrichtung.

Über das erste Halbjahr betrachtet, stellen Asylsuchende aus der Russischen Föderation die zweitstärkste Zuwanderergruppe dar. Allein 1592 Registrierungen in der Erstaufnahme entfielen auf diesen Staat (2015: 1761). Aus Syrien stammten 2873 der registrierten Flüchtlinge (2015: 13 688) und aus Afghanistan 1523 (2015: 4572). Allein im Juni kamen 289 der registrierten Asylsuchenden aus der Russischen Föderation, insgesamt wurden im Juni 546 Flüchtlinge per bundesweitem Verteilsystem Easy in Brandenburg registriert. Die Zahl der registrierten Asylsuchenden aus den Balkanstaaten sank hingegen im ersten Halbjahr auf höchstens zweistellige Werte (Serbien: 97, 2015: 999), Albanien: 93, 2015: 2.216), Mazedonien: 30, 2015: 257).