ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:28 Uhr

Nach fünf Jahren ein Neustart
Ortrands Freibad öffnet wieder

Ab kommendem Mai soll das Ortrander Freibad wieder öffnen. Langfristig könnte es zum Naturbad umgestaltet werden.
Ab kommendem Mai soll das Ortrander Freibad wieder öffnen. Langfristig könnte es zum Naturbad umgestaltet werden. FOTO: Mirko Sattler
Ortrand. Am 1. Mai soll es soweit sein. Die Einrichtung wird perspektivisch zum Naturbad umgestaltet. Von Torsten Richter-Zippack

Paukenschlag in der Pulsnitzstadt: Pünktlich zum 1. Mai 2019 soll das Freibad nach dann fünfjähriger Schließzeit wieder seine Pforten öffnen. Das hat Bürgermeister Niko Gebel (CDU) während des Tages der Stadtgeschichte angekündigt. Allerdings müssen zuvor die Mitglieder der Wassersportgemeinschaft Niederlausitz, die das Bad bewirtschaftet, sowie die Stadtverordneten der Konzeption zustimmen. Beide Sitzungen finden noch vor Weihnachten statt. Darüber hinaus, so kündigt Gebel an, seien noch Abstimmungen mit diversen Behörden erforderlich. „Ich bin aber sehr optimistisch“, verkündet das Stadtoberhaupt.

Die technischen Voraussetzungen seien für eine Wiedereröffnung gegeben. In diesem Jahr hatten mehrere Arbeitseinsätze seitens des Vereins stattgefunden. Ein Pachtvertrag mit der Eigentümerfamilie Philipp befinde sich in Arbeit. Karlheinz Philipp hatte das Bad sowie den angrenzenden Campingplatz erst im Jahr 2017 von der Stadt erworben. Mit einem erneuten Eigentümerwechsel des Freibades habe der 36-Jährige kein größeres Problem: „Am wichtigsten ist doch die zeitnahe Wiedereröffnung der Einrichtung. Zudem bin ich auch Mitglied der Wassersportgemeinschaft. Und nicht zuletzt profitiert unser Campingplatz von einem offenen Schwimmbad.“ Ursprünglich wollte der Unternehmer, der aus der Nähe von Leipzig stammt und jetzt in Großthiemig lebt, neben dem Campingplatz auch das Freibad betreiben. „Allerdings bin ich den Angaben im Verkaufsexposé zufolge von einem besseren Zustand ausgegangen. Somit hätten die notwendigen Investitionskosten unsere finanziellen Möglichkeiten überstiegen“, erklärt Philipp.

Indes will die Wassersportgemeinschaft Niederlausitz das Freibad auf ehrenamtlicher Basis betreuen. Einnahmen sollen unter anderem durch Sponsoringwerbung, Veranstaltungen, Imbissverkäufe und Spenden erwirtschaftet werden. Allerdings müsse die Kommune auch Geld dazu steuern. Die Protagonisten rechnen mit rund 10 000 Besuchern pro Saison. Geöffnet soll das Bad täglich von 8 bis 20 Uhr sein. Der Eintritt wird mit drei Euro je Gast kalkuliert. Nach Angaben von Jens Muschter, Vorstand der Wassersportgemeinschaft, werden Rettungsschwimmer gesucht. „Wir würden Interessenten auch ausbilden“, sagt er. Wer Lust hat, sollte sich unter Telefon 0171 4788099 melden.

Perspektivisch gesehen könnte das Ortrander Freibad zum Naturbad umgestaltet werden, kündigt Bürgermeister Gebel an. Aus diesem Grund seien mehrere Ortrander in eine solche, bereits bestehende Anlage nach Borkheide bei Berlin gereist. Das dortige Schwimmbad musste bereits im Jahr 1997 wegen seines sanierungsbedürftigen Zustandes schließen. Durch das Engagement vieler Einwohner inklusive einer Vereinsgründung erfolgte die Wiedereröffnung als Waldbad sechs Jahre später. „Da könnten wir auch hin“, kommentiert Niko Gebel. Und weiter: „Wir hoffen auf eine Finanzierung durch das Land.“ Allerdings seien den Ortrandern bislang noch keine verbindlichen Fördermittel in Aussicht gestellt worden. Summen nennt Gebel nicht. Ebenso will sich der Bürgermeister noch nicht auf ein Jahr der Einweihung festlegen. Das Naturbad Ortrand sei zunächst eine Vision, die weiterent­wickelt werden müsse.

Währned des Tages der Stadtgeschichte gab es im Rathaus eine Ausstellung zur nunmehr 92-jährigen Historie des Ortrander Freibades.
Währned des Tages der Stadtgeschichte gab es im Rathaus eine Ausstellung zur nunmehr 92-jährigen Historie des Ortrander Freibades. FOTO: Richter-Zippack

Das bisherige Schwimmbad besaß in der Region einen guten Ruf. Längst nicht nur Ortrander, sondern auch Gäste aus dem Elbe-Elster-Land sowie aus Sachsen kamen deswegen in die Pulsnitzstadt. „Wir hatten selbst Radfahrer, die wegen unseres Bades extra aus Dresden anreisten, immerhin rund  40 Kilometer“, berichtet Niko Gebel.

Das Ortrander Freibad lädt bereits seit dem Jahr 1926 ein. Für zwölf Millionen D-Mark ist die Anlage inklusive des Campingplatzes Ende der 1990er-Jahre hergerichtet worden. Anno 2014 wurde das Ensemble geschlossen. Grund waren politische und wirtschaftliche Auseinandersetzungen. Im Sommer 2017 erwarb Unternehmer Karlheinz Philipp Bad und Campingplatz. Im Dezember 2017 erfolgte die Gründung der Wassersportgemeinschaft 1925, die sich am 31. Mai 2018 in Wassersportgemeinschaft Niederlausitz umbenannte. Im Februar 2018 hatte die Lausitzer Rundschau in ihrer Serie „LR vor Ort“ über die Idee einer Wiedereröffnung des Freibades ausführlich berichtet.