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| 16:08 Uhr

LR vor Ort
Ortrander trommeln für ihr Bürgerbad

Die Gesamtanlage mit Freibad und Campingplatz ist mehr als fünf Hektar groß.
Die Gesamtanlage mit Freibad und Campingplatz ist mehr als fünf Hektar groß. FOTO: Mirko Sattler
Ortrand. Sommer 2019: Nico Gebel, Ortrands Bürgermeister und Chef der neuen Wassersportgemeinschaft, springt ins Becken. Das Freibad ist wieder eröffnet. Illusion oder Wirklichkeit? Die Macher sind sicher: Es klappt. Von Jan Augustin

Wie wichtig ein geöffnetes und funktionierendes Freibad ist, macht die Kita-Erzieherin Katrin Bär deutlich. Seit Jahren organisiert sie die Feriengestaltung für Hortkinder und die große Gruppe vom Kindergarten „Regenbogen“. Auf dem Programm stehen stets die beliebten Besuche des Ortrander Freibades. „Ein ganz wichtiger Effekt ist: Die Kinder haben Schwimmen gelernt“, betont die Pädagogin. Seit drei Jahren fallen diese Fahrten jedoch flach. Die Betriebskosten sind zu hoch. Die Anlage schließt damals. Der organisierte Bade­spaß ist seitdem sporadisch verlegt. Nach Großthiemig. Doch der Ausflug in die Nachbargemeinde ist aufwendig. Ein Bus muss für einen bestimmten Tag bestellt werden - der auch dann fährt, wenn das Wetter nicht badetauglich ist, sagt Katrin Bär während der Diskussionsrunde „LR vor Ort“ am Montagabend im historischen Ortrander Ratssaal. Seitdem die Badeanstalt geschlossen ist, fällt ihr auf, „dass viele Kinder gar nicht mehr oder schlechter schwimmen können“.

Das Alarmsignal sendet sie in Richtung Podium. Dort sitzen Nico Gebel – Ortrands Bürgermeister und Chef der neu gegründeten Wassersportgemeinschaft 1925 – sein Stellvertreter Jens Muschter, Campingplatz-Eigentümer Karlheinz Phillip und RUNDSCHAU-Reporterin Andrea Budich, die die ungezwungene Runde moderiert. Ob denn der Bürgermeister in anderthalb Jahren als Erster ins Becken springt und damit das Bad wieder eröffnet, fragt sie. „Ich arbeite an meiner Sommerfigur 2019“, antwortet er. Was Nico Gebel witzig über die Lippen kommt, hat einen handfesten Hintergrund mit einem ambitionierten Ziel. Das betont auch Jens Muschter: „Schön, dass es die Wünsche gibt, aber es geht nur mit Euch“, sagt er den Gästen und spricht damit alle Ortrander an. Den beiden Vereinsvorsitzenden schwebt für den Betrieb eine Art Bürgerbad vor. In den alten Bundesländern gebe es erfolgreiche Vorbilder. Vereinsmitglieder übernehmen nach diesem Modell ehrenamtlich die Betreuung des Bades und senken so die Betriebskosten immens. Bisher gibt es rund 30 Mitglieder in dem neuen Ortrander Verein. Das reicht aber nicht. Muschter und Gebel werben darum eindringlich um Mitgliedschaften und legen, wo es geht, Aufnahmeanträge aus. „Wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, wird das eine Erfolgsstory werden“, sagt Jens Muschter.

Das hofft auch der leidenschaftliche Triathlet Klaus Hauptvogel. Fast täglich hatte der Ortrander seine Bahnen im Becken gezogen, als das Bad noch geöffnet war. „Jetzt muss ich bis nach Senftenberg“, ärgert er sich. Er glaubt, dass das fehlende Marketing ein Grund für die Schließung gewesen ist. Das Bad sei nur mittelmäßig ausgelastet gewesen. „Vormittags war ich allein im Becken“, erinnert er sich. Das müsse sich ändern. „Wir müssen versuchen, das Schwimmbad kinderfreundlicher zu machen“, sagt Klaus Hauptvogel.

Aber die Zeit drängt. Sobald die Wassersportgemeinschaft im Vereinsregister eingetragen ist, was in den nächsten Tagen passieren soll, müssen Fördermittel beantragt werden. In der Zwischenzeit wollen sich die Initiatoren auf eine Variante einigen. Favorit, das lassen Muschter und Gebel durchklingen, ist ein Naturbad. Der Umbauaufwand hierfür sei zwar groß, dafür senke diese Variante langfristig die Unterhaltungskosten. Bereits gesichert ist ein Startbudget über 150 000 Euro. Die Stadtverordneten haben dafür in der Vorwoche grünes Licht gegeben. Auch der Amtsausschuss habe den Willen bekundet, dem Projekt mit 50 000 Euro auf die Beine zu helfen. „Ich hoffe, dass die Kollegen zu ihrem Wort stehen“, sagt Nico Gebel, der fest an das Gelingen des ehrgeizigen Projektes glaubt.

Auch für die beiden Eigentümer der über fünf Hektar großen Anlage ist eine schnelle Eröffnung „enorm wichtig. Fakt ist, dass das Bad fehlt“, sagt Karlheinz Phillip, der mit seiner Frau Silke viel Herzblut in die Renovierung steckt. Es gibt zwei sehr gut nachgefragte Ferienwohnungen und sieben Gästezimmer im Haupthaus. „Sobald wir mit dem Putzlappen rausgehen, kommen die Leute rein“, beschreibt Karlheinz Phillip. Pfingsten sei so gut wie ausgebucht. Beliebt sei auch das Campingangebot. Offiziell gebe es 100 Wohnmobil- und 40 Zeltstellplätze.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Jens Muschter (r.), Campingplatz-Eigentümer Karlheinz Phillip (M.) und der Vereinsvorsitzende Nico Gebel (nicht auf dem Bild) standen am Montagabend Rede und Antwort. Moderiert wurde die lockere Runde im Ortrander Ratssaal von RUNDSCHAU-Reporterin Andrea Budich.
Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Jens Muschter (r.), Campingplatz-Eigentümer Karlheinz Phillip (M.) und der Vereinsvorsitzende Nico Gebel (nicht auf dem Bild) standen am Montagabend Rede und Antwort. Moderiert wurde die lockere Runde im Ortrander Ratssaal von RUNDSCHAU-Reporterin Andrea Budich. FOTO: Jan Augustin / LR