Das Geschäftsjahr 2010/11 hat die Eisenhütte in Ortrand mit einem Jahresumsatz von mehr als 40 Millionen Euro abgeschlossen. Die Steigerung lag nach Angaben von Geschäftsführer Bernd H. Williams-Boock bei über zehn Prozent. „Die Chancen für ein Wachstum sind weiterhin gegeben“, blickt er „verhalten optimistisch“ auf das aktuelle Jahr. „Es kann hier und da holprig werden, aber 2012 wird durchaus Schönheit entwickeln“, ist der Manager zuversichtlich.

Die Verantwortung, die auf ihn und seine Führungsebene lastet, wiegt schwer. Sie haben alle Schwankungen auf den Rohstoff- und Absatzmärkten so auszugleichen, dass die heute rund 250 Beschäftigten (einschließlich Leiharbeiter) und 16 Auszubildenden möglichst wenig davon mitbekommen. Drei große Punkte sind es, mit denen sich die Führung permanent auseinandersetzen muss.

Energie. Als Unternehmen, das energieintensiv arbeitet, werden die Preise sehr genau beobachtet. „Sie haben sich merklich verteuert“, stellt der Geschäftsführer fest. Sorgen bereitet ihm die angekündigte Energiewende. Sie habe zwar im Kopf begonnen, es mangele jedoch an der technischen Umsetzung. „Es bedarf eines vernünftigen Masterplanes“, fordert Bernd H. Williams-Boock von Bund und Ländern. „Bisher habe ich noch keine neue Leitung gesehen“, bemängelt er den schleppenden Ausbau der technischen Infrastruktur für die wachsende Menge an grünem Strom.

Rohstoffe. Alle Unternehmen, die mit Rohstoffen der verschiedensten Art arbeiten, hätten sehr mit dem Preisen zu kämpfen. Besonders betroffen seien jene Unternehmen, die Metalle in Größenordnungen einkaufen müssen, wie die Eisenhütte.

Export. Die Exportquote der Eisenhütte liege bei über 70 Prozent. In dieser Größenordnung würden sich auch die Exporte der deutschen Wirtschaft in die EU bewegen, heißt es oft. Bernd H. Williams-Boock sieht die Abhängigkeit vom Dollarraum mindestens in gleicher Höhe. Ein schwankender Dollar habe denselben Unsicherheitseffekt auf die Wirtschaft wie schwankende Rohstoffpreise. Dies mache das Arbeiten nicht einfacher.

Der Geschäftsführer blickt trotz der allgemein weniger rosigen Konjunkturaussichten zuversichtlich auf dieses Jahr. Von dem aktuell niedrigen Dollarkurs profitiere die deutsche Exportwirtschaft.

An der Größe der Standbeine der Ortrander Eisenhütte habe sich kaum etwas verändert. Der Ofenguss mit 35 Prozent sowie die Produktion für den Automotivbereich mit 25 Prozent machen das Gros aus. Den Rest teilen sich die Zulieferteile für Haushaltsgeräte und für die Infrastruktur. Aufgrund der guten Zuwächse in der Automobilbranche seien die Lieferungen dorthin leicht gestiegen.

Jeder der genannten Bereiche erfordere im Unternehmen spezielle Anstrengungen hinsichtlich der Qualifizierung der Mitarbeiter und der Investitionen. Mensch und Technik seien so flexibel, dass auf Veränderungen schnell reagiert werden könne. Dies sei ein Verdienst der Stammbelegschaft, aber auch der Leiharbeiter, die „einen hohen Beitrag für die Flexibilität und damit den Erfolg“ in dem traditionsreichen Ortrander Unternehmen leisten.

Die Fluktuation bei der Stammbelegschaft gehe gegen null, so der Geschäftsführer. Die Eisenhütte hat auch einen Anteil daran, dass die Arbeitslosigkeit im äußersten Süden des Landkreises unter dem Durchschnitt der Geschäftsstelle Senftenberg der Agentur für Arbeit liegt. Bernd H. Williams-Boock schätzt, dass etwa 60 Prozent der Mitarbeiter so dicht am Betrieb wohnen, dass sie mit dem Fahrrad kommen können. Die übrigen Beschäftigten nehmen Wege von bis zu 50 Kilometern auf sich und kommen aus allen benachbarten Landkreisen in Brandenburg und Sachsen.

Die großen Investitionen vergangener Jahre in der Eisenhütte verdienen jetzt Geld. Seitdem wurde mehr Kraft in die Optimierung der Betriebsabläufe gesteckt und nur klein und gezielt investiert. Ein mittelfristiges Ziel mit Blick auf die Energieeffizienz sei es jedoch, den Schmelzbetrieb zu erweitern. Damit verbunden sei erneut eine Millionensumme.