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| 19:47 Uhr

Barrierefreiheit jetzt Chefsache
Ortrand ist für Behinderte ein heikles Pflaster

Die Pflegeheimangestellten Kathrin Dittmann und Astrid Pohling machen mit Annerose Maier (im Rollstuhl) und Christa Skadock einen Ausflug über den Kirchplatz.
Die Pflegeheimangestellten Kathrin Dittmann und Astrid Pohling machen mit Annerose Maier (im Rollstuhl) und Christa Skadock einen Ausflug über den Kirchplatz. FOTO: Mirko Sattler
Ortrand. Die Pulsnitzstadt ist für behinderte Menschen in der historischen Innenstadt ein schweres Pflaster. Das soll geändert werden.

Wer als Rollstuhlfahrer in die Ortrander St. Barbarakirche will, hat schlechte Karten. Zwar besitzt die Kirchgasse als kürzeste Verbindung vom Marktplatz zum Gotteshaus inmitten ihres Pflasters ein glattes Granitband, doch direkt zum Kircheneingang geht es nur über die dortigen Katzenköpfe. „Das ist ein ganz schwieriges Stück für alle Gehbehinderten“, sagt die Ortrander Bürgerin Christine Schneider. Und sie hat auch gleich ein weiteres Beispiel parat: „Wenn eine Braut mit Pumps in die Kirche gehen sollte, wäre das für sie lebensgefährlich.“

Zweites Beispiel: Bürgermeister Niko Gebel (CDU) berichtet von einem Rollstuhlfahrer, der kürzlich im Ortrander Rathaus die Treppe hinauf getragen werden musste. Der Grund: Es gibt hier keinen Aufzug.  „Das war richtig peinlich“, kommentiert das Stadtoberhaupt diese Aktion.

Immerhin: Für die Pulsnitzstädter ist das Thema Barrierefreiheit jetzt Chefsache. Denn in Ortrand, so heißt es aus dem Rathaus, liege in dieser Beziehung noch einiges im Argen. Beispielsweise auf dem Kirchplatz. Das im Jahr 2006 sanierte Ensemble werde deswegen aber keineswegs wieder aufgerissen, stellt Amtsdirektor Kersten Sickert klar. Er sei froh, dass vor zwölf Jahren immerhin die Kirchgasse den granitenen Weg erhalten hatte. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten ist das Verständnis für die Barrierefreiheit erheblich angestiegen, erklärt Niko Gebel. Auch er spricht sich gegen einen Neubau des Kirchplatzes aus. Allerdings stellt der Kommunalpolitiker kleine Maßnahmen in Aussicht, um den Kircheingang möglichst unversehrt erreichbar zu machen. Wichtig sei das Ergebnis: „Nämlich dass alle Menschen ohne Probleme in die Kirche gelangen.“ Gebel sagt, dass er selbst regelmäßig den Gottesdienst in der St. Barbarakirche besucht.

Wie das möglicherweise bewerkstelligt werden könnte, soll eine neu zu gründende Arbeitsgruppe erarbeiten. Diese werde sich direkt um Vorschläge zur Barrierefreiheit in der Stadt Ortrand kümmern. Angeregt wird ein Stadtspaziergang mit Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. „Dann sehen wir direkt vor Ort, wo Abhilfe vonnöten ist“, erklärt der Bürgermeister. In der Arbeitsgruppe könnten sich interessierte Bürger der Stadt betätigen. Genauere Informationen, so kündigt Niko Gebel an, werde es im nächsten Amtsblatt geben. Die Leute wüssten doch am besten, ob sich vor ihrem Haus oder ihrem Geschäft eine unüberbrückbare Kante befinde. Barrierefreiheit sei enorm wichtig, es müsse selbst dann gehandelt werden, auch wenn es lediglich einen Betroffenen geben sollte.

Indes gibt es in Ortrand aber auch Beispiele für eine gelungene Barrierefreiheit. Bürgermeister Niko Gebel führt das Vereinshaus an, ebenso die Schule. Nicht zuletzt werde auch beim Ausbau von Straßen auf möglichst wenige Ecken und Kanten geachtet.