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| 01:10 Uhr

Orgel erklingt wieder

Lauchhammer-Ost.. Nach dem letzten Gottesdienst 1996 in der Friedensgedächtniskirche verstummte die Jehmlich-Orgel. Das 1917 geweihte Gemäuer wurde unter der Leitung der Wequa GmbH als neuer Eigentümerin zu einem weltlichen Kultur- und Tagungszentrum umgebaut. Von Manfred Feller

Die altersschwache und um 1920 eingebaute Orgel blieb zwar erhalten, war aber nicht mehr bespielbar. Inzwischen ist sie teilrestauriert worden und wird am Abend des 22. Januar während eines Konzertes wieder erklingen. Dafür hat Dieter Voigt, Chef der seit 1905 bestehenden Orgelbau A. Voigt GmbH aus Bad Liebenwerda, mit seinen Mitarbeitern und weiteren Helfern gesorgt. Voigt wird die zwei Manuale und das Pedalwerk selbst bedienen. Er gehört zu den ganz wenigen der Branche, die das Orgelbauhandwerk meisterlich beherrschen und gleichzig Diplom-Kirchenmusiker sind.
Binnen acht Wochen wurde die Königin der Instrumente aus dem Hause der Dresdner Hoforgelbauer Gebrüder Jehmlich teilrestauriert. „Wir haben alle technischen Dinge wie die Steuerung zerlegt und repariert“ , erläutert der Meister. Die 866 Pfeifen waren von einer „fetten Rußschicht“ überzogen. „Typisch für eine ehemalige Kohlegegend“ , wie Voigt bemerkt. Die Pfeifen wurden ausgebaut und gereinigt. Auch der im Zuge des Kirchenumbaus entfernte Winderzeuger erhielt wieder seinen Platz. Dieter Voigt schätzt, dass jetzt etwa 65 Prozent der Orgel restauriert sind. Einiges sei noch zu tun, wie das Auswechseln der harten und brüchigen Ledermembranen. Im jetzigen Zustand würde sich aber bereits eine Vielfalt an Kompositionen spielen lassen. Wie damals üblich, komme das Klangbild romantisch daher, nehme aber die Moderne auf.
Eine wieder entdeckte Notiz besagt, dass die Orgel zuletzt am 22. Mai 1973 von einem Fachmann gereinigt und gestimmt worden ist.
„Die Teilrestauration wurde nur mit Spendengeldern bezahlt“ , freut sich Wequa-Geschäftsführer Prof. Horst Seidel. Kaum einer hätte gedacht, dass so etwas heute und zumal in Lauchhammer noch möglich sei. Namhafte große und kleine Firmen aus der Stadt und der Umgebung sowie Privatpersonen haben die notwendigen rund 8000 Euro aufgebracht. Allein die Gratulanten zum 60. Geburtstag des stellvertretenden Landrates Walter Kroker hatten 1775 Euro beigesteuert. Kroker hatte darum gebeten, von Geschenken abzusehen und stattdessen für die Orgel zu spenden. Prof. Seidel hofft, dass die Jehmlich-Orgel durch weitere Spenden auch „den letzten Schliff“ erhalten kann.
Das Instrument soll so oft wie möglich erklingen. Der Wequa schwebt deshalb vor, jährlich mehrere Konzerte anzubieten. Auch jugendliche Musikbegeisterte sollen die Möglichkeit erhalten, darauf zu spielen, ob aus eigenem Interesse oder über eine Musikschule. Eine prima Idee.