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| 14:11 Uhr

Energiewende in OSL
Ökostromanteil im Kreis steigt auf Rekordhoch

EnviaM-Sprecher Stefan Buscher (l.) hat die gesamte Energiewende-Tour durch den Landkreis organisiert und begleitet. In Woschkow spricht er mit dem Leiter Anlagenservice Wind von Envia, Uwe Knorr. Das Unternehmen will hier drei vorhandene Windräder durch zwei neue ersetzen und so die Leistung von 8,5 auf 10,9 Megawatt steigern.
EnviaM-Sprecher Stefan Buscher (l.) hat die gesamte Energiewende-Tour durch den Landkreis organisiert und begleitet. In Woschkow spricht er mit dem Leiter Anlagenservice Wind von Envia, Uwe Knorr. Das Unternehmen will hier drei vorhandene Windräder durch zwei neue ersetzen und so die Leistung von 8,5 auf 10,9 Megawatt steigern. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Die Windenergie mit 200 Anlagen ist Spitze. Von Jan Augustin

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung steigt seit Jahren an – auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis: 199 Windkraftanlagen stehen hier, 1303 Solaranlagen werden betrieben. Die installierte Leistung aus Windkraft liegt aktuell bei über 473 Megawatt, bei der Solarenergie sind es rund 360. Das ist ein historischer Höchststand.

In Deutschland ist von Januar bis Juni so viel Ökostrom produziert worden, wie noch nie in der ersten Jahreshälfte. Insgesamt 105,5 Milliarden Kilowattstunden Strom kamen nach Angaben der Bundesnetzagentur aus Wind, Sonne, Biomasse, Wasserkraft und kleineren Quellen wie Erdwärme. Erstmals sind damit in den ersten sechs Monaten eines Jahres mehr als 100 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom erzeugt worden.

Die Energiewende wirkt sich auf Privathaushalte, Unternehmen und Kommunen aus. Die RUNDSCHAU und der Energieversorger EnviaM mit Pressesprecher Stefan Buscher und Fuhrpark-Mitarbeiterin Julia Schübbe sind im Süden des Landkreises auf Energiewende-Tour gegangen und haben Unternehmen der Branche besucht. Mit einem 170 PS starken Elektroauto, ein BMW i 3, führte die unterhaltsame Reise zum Elektroinstallations-Betrieb von Roland Mittag in Großkmehlen, in die Ortrander Amtsverwaltung, zu den Stadtwerken nach Senftenberg, in den Windpark Woschkow, in einen Solarpark nach Lauchhammer und in die Gemeinde Frauendorf. Die Stationen sind in den untenstehenden Artikeln erläutert. Das Fazit: Die ehemals von Braunkohle-Tagebauen geprägte Region hat sich längst zu einem Gebiet entwickelt, in dem hektargroße Windparks und riesige Solarfelder zum alltäglichen Anblick gehören.

Woschkower Windkraft auf Wachstumskurs

Aus drei mach zwei: Bei Woschkow sollen jetzt drei vorhandene Windräder durch zwei neue ersetzt und so die Leistung von 8,5 auf 10,9 Megawatt gesteigert werden, erklärt der Leiter Anlagenservice Wind von Envia, Uwe Knorr. Beim Repowering werden Windenergieanlagen der ersten Generationen durch moderne Turbinen ersetzt. Die Anlagen sind deutlich größer und können so die besseren Windverhältnisse ausnutzen, erklärt Uwe Knorr und überrascht die Teilnehmer der Energiewendetour bei dem Zwischenhalt auf grüner Wiese mit einer Tankaktion für den BMW i3 direkt aus der Windkraftanlage. Fuhrpark-Mitarbeiterin Julia Schübbe steuert das Auto direkt vor die mehr als 100 Meter hohe „Ladesäule“. Kollege Uwe Knorr holt ein Stromkabel aus dem Turm und steckt es ins Auto. Immerhin verbucht der Akku nach der knappen Stunde Aufenthalt rund 20 Prozent mehr Energie.

Die EnviaM-Gruppe will den Ausbau der Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien weiter vorantreiben, erläutert Unternehmenssprecher Stefan Buscher, der die gesamte Energiewende-Tour durch den Landkreis organisiert und begleitet. Aus den rund 60 Standorten in Ostdeutschland seien im vergangenen Jahr 300 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt worden. Das entspreche dem Jahresverbrauch von rund 150 000 Haushalten, erklärt er. Das Projekt in Woschkow ist eines von vielen. Aktuell befinde es sich im Genehmigungsverfahren.

Ortrander Amtsverwaltung testet schnelles Elektroauto

Ortrands Amtsdirektor Kersten Sickert und seine Mitarbeiter aus der Verwaltung haben 15 Tage lang ein 170 PS-starkes BMW-Elektroauto getestet. Sabine Meißner-Paulich aus dem Envia-Fuhrpark erklärt dem Amtsdirektor das Auto vor der ersten Fahrt.
Ortrands Amtsdirektor Kersten Sickert und seine Mitarbeiter aus der Verwaltung haben 15 Tage lang ein 170 PS-starkes BMW-Elektroauto getestet. Sabine Meißner-Paulich aus dem Envia-Fuhrpark erklärt dem Amtsdirektor das Auto vor der ersten Fahrt. FOTO: LR / Jan Augustin

EnviaM-Fuhrpark-Mitarbeiterin Julia Schübbe tritt bei Tempo 100 noch mal kurz aufs Gas, um den Laster vor ihr zu überholen. Die Beschleunigung des 170 PS-starken Fahrzeuges drückt die Körper der Insassen in die Sitze. Und schon ist sie vorbei. Den BMW i3 hat Julia Schübbe während der Energiewende-Tour sicher im Griff. Nächster Stopp: Marktplatz Ortrand. Dort wartet ein baugleiches Auto vor dem Rathaus. Um die Elektromobilität zu verbreiten, hat EnviaM ein Programm für Kommunen aufgelegt. „Anliegen ist es, Elektromobilität für Städte und Gemeinden erlebbar zu machen“, erläutert Unternehmenssprecher Stefan Buscher. Kommunen können damit ein E-Auto für 15 Tage auf Alltagstauglichkeit testen. Ortrand ist eine von 89 Kommunen, die seit dem Startschuss des Programms das Angebot genutzt haben. Auch Vetschau, Lauchhammer und Schipkau haben an der Aktion schon teilgenommen. „Die Nachfrage ist ungebremst“, bestätigt Kundenbetreuerin Simone Erb. Neben dem Amtsdirektor Kersten Sickert durften noch vier weitere Verwaltungsmitarbeiter das Fahrgefühl des fast geräuschlosen Wagens testen.

Großkmehlener Elektrofirma setzt mehr auf grünen Strom

Roland Mittag erinnert sich noch genau an sein erstes Photovoltaik-Projekt. Das war Ende der 1990er-Jahre. Auf einem Hausdach in Senftenberg installierte er damals eine 15 Kilowatt-Anlage. Heute sind die Dimensionen deutlich größer. „Das hat sich rasant entwickelt“, sagt der 60-Jährige. Auftraggeber sind nicht mehr nur Private, sondern vor allem Unternehmen und Kommunen.


Alte Zählerschränke aus Privathaushalten hebt sich Roland Mittag als Andenken gern auf. Ansonsten schaut der Chef des Großkmehlener Elektroinstallations-Betriebes eher in die Zukunft - und in der setzt der 60-Jährige mehr und mehr auf erneuerbare Energien.
Alte Zählerschränke aus Privathaushalten hebt sich Roland Mittag als Andenken gern auf. Ansonsten schaut der Chef des Großkmehlener Elektroinstallations-Betriebes eher in die Zukunft - und in der setzt der 60-Jährige mehr und mehr auf erneuerbare Energien. FOTO: LR / Jan Augustin

Als Ein-Mann-Firma hat sich Roland Mittag 1991 in Großkmehlen selbstständig gemacht. Heute beschäftigt er 45 Mitarbeiter. Auch wegen des aus der Energiewende gewachsenen Aufgabenspektrums. Beispiele sind der starke Anstieg der Anschlüsse von Photovoltaikanlagen an das Stromnetz, etwa bei den Agrargenossenschaften in Großthiemig und Hirschfeld oder auf dem Fluplatz in Schipkau. Viel Arbeit hat die Elektrofirma auch mit dem Aus- und Umbau von örtlichen Stromnetzen in Lauchhammer und Schipkau oder mit dem Bau von Photovoltaik-, Solarthermie-, und Wärmespeicheranlagen. Energiewende-Projekte wie diese machen mittlerweile 15 Prozent am Umsatz aus.

Von der EnviaM-Gruppe hat die Großkmehlener Firma im vergangenen Jahr 280 Aufträge im Wert von fast zwei Millionen Euro erhalten, erklärt EnviaM-Sprecher Stefan Buscher.

Senftenberger Stadtwerke bundesweit im Gespräch

Größte thermische Solaranlage in Betrieb gegangen – mit dieser Schlagzeile haben die Stadtwerke in Senftenberg nicht nur in der Branche bundesweit für Aufsehen gesorgt. Prinzip der Anlage: Die aus Sonneneinstrahlung gewonnene Wärme wird ins Fernwärmenetz eingespeist, das zuvor nur Erdgas- und Braunkohlewärme transportierte. Seit der Inbetriebnahme vor anderthalb Jahren gibt es eine Kombination. Der erzielte Ertrag hat die Erwartungen übertroffen. In den ersten zwölf Monaten sind 4,1 Gigawattstunden Wärme ins Netz eingespeist worden – das ist energieeffizient und ganz im Sinne von Klimaschutzzielen. Andere Stadtwerke und Fachverbände verfolgen die Entwicklung in Senftenberg ganz genau. Gäste aus der ganzen Bundesrepublik nehmen an Rundgängen und Fachveranstaltungen teil. „Das Interesse ist schon groß“, bestätigt Geschäftsführer Detlef Moschke. Der Austausch findet dabei im Rahmen eines Energieeffizienznetzwerkes statt, zu dem die Senftenberger gehören. „Zu den Aufgaben der Netzwerke gehören der Kompetenzausbau und der Best-Practice-Transfer sowie die Ableitung und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen“, erklärt EnviaM-Sprecher Stefan Buscher. Ziel sei es, gemeinsam die Energieeffizienz zu steigern und den Kohlendioxid-Ausstoß zu senken.

Detlef Moschke, Chef der Senftenberger Stadtwerke, ist stolz: Das kommunale Unternehmen ist erfolgreicher Teilnehmer der bundesweiten Initiative Energieeffizienz-Netzwerke.
Detlef Moschke, Chef der Senftenberger Stadtwerke, ist stolz: Das kommunale Unternehmen ist erfolgreicher Teilnehmer der bundesweiten Initiative Energieeffizienz-Netzwerke. FOTO: LR / Jan Augustin

In Frauendorf leuchten immer mehr LED-Lampen

In der Gemeinde Frauendorf gibt es immer mehr Straßenleuchten mit LED-Technik. Und die Umstellung soll jetzt weiter vorangetrieben werden. In diesem Jahr werden zwölf neue Laternen mithilfe des Förderprogramms „Energieeffiziente Kommune“ hinzukommen, bestätigt Bürgermeister Mirko Friedrich. Das Land Brandenburg übernimmt hier 75 Prozent der Kosten. „Wir versuchen jeden möglichen Topf, den es gibt, anzuzapfen“, sagt Mirko Friedrich. Erstes Projekt ist der vorgesehene Austausch von drei Straßenlampen in der Lindenauer Straße. „Hier liegen große Einsparpotenziale“, bestätigt EnviaM-Sprecher Stefan Buscher. Schon jetzt habe die Kommune den Stromverbrauch ihrer Liegenschaften um zehn Prozent senken können. Auch der Kohlendioxid-Ausstoß habe sich so um zehn Prozent verringert. 151 Straßenlaternen stehen in der Gemeinde. Sie verbauchen pro Jahr rund 49 300 Kilowattstunden Strom.

Wie Bund und Länder leisten auch die Kommunen ihren Beitrag zur Umsetzung der Energiewende. Die Gemeinde Frauendorf geht mit gutem Beispiel voran und rüstet ihre Straßenbeleuchtung auf energieeffiziente Beleuchtungssysteme um. Viel Verdienst daran hat Bürgermeister Mirko Friedrich.
Wie Bund und Länder leisten auch die Kommunen ihren Beitrag zur Umsetzung der Energiewende. Die Gemeinde Frauendorf geht mit gutem Beispiel voran und rüstet ihre Straßenbeleuchtung auf energieeffiziente Beleuchtungssysteme um. Viel Verdienst daran hat Bürgermeister Mirko Friedrich. FOTO: LR / Jan Augustin