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| 20:23 Uhr

Kontrollen im Oberspreewald-Lausitzkreis
Dürreschäden an Alleen zeigen sich erst im Frühjahr

Die Allee entlang der Kreisstraße von Proschim nach Lieske ist ziemlich lückenhaft geworden. Aktuell stehen dort nur noch 83 Bäume, vor allem Roteichen. Nachpflanzungen gibt es dort bislang nicht.
Die Allee entlang der Kreisstraße von Proschim nach Lieske ist ziemlich lückenhaft geworden. Aktuell stehen dort nur noch 83 Bäume, vor allem Roteichen. Nachpflanzungen gibt es dort bislang nicht. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg. Den Gehölzen entlang der Straßen im Landkreis Obersppreewald-Lausitz geht es durchwachsen. Der fehlende Regen ist an den Bäumen nicht spurlos vorübergegangen. Von Torsten Richter-Zippack

Mit bangem Blick sehen die Mitarbeiter des Landesbetriebes Straßenwesen dem Frühjahr 2019 entgegen. Denn erst dann wird sich zeigen, welche Schäden das Dürrejahr 2018 an den Alleebäumen entlang der Bundes- und Landesstraßen angerichtet hat. Bis Anfang Dezember haben in der Region noch 300 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter gefehlt, etwa die Hälfte des Jahresmittels, wie der Lindenauer Hobbymeteorologe Rudolf Kupfer mitteilt.

Klar, dass dieses Defizit auch an den Alleebäumen nicht spurlos vorübergegangen ist. „Vielerorts haben die Gehölze, insbesondere Eichen, mit vermehrten Astabbrüchen auf die Trockenheit reagiert“, sagt Dr. Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb Straßenwesen. Andere Arten hatten an einigen Ästen die Versorgung ihrer Blätter eingestellt, sodass sich das Laub frühzeitig verfärbte. „Ob diese Äste ausreichend Knospen für die nächste Vegetationsperiode gebildet haben, können wir erst im Frühjahr feststellen“, erklärt Mitschka.

Mehr noch: „Wie aus früheren Trockenperioden bekannt ist, können auch Bäume, die bislang keine größeren Schäden gezeigt haben, Spätfolgen der Dürre aufweisen“, ergänzt die Behördensprecherin. Somit lasse sich die ganze Auswirkung der Trockenheit auf die Straßenbäume aktuell noch nicht im ganzen Ausmaß abschätzen.

Jetzt im Winter finden entlang der Alleen wieder die regulären Pflegearbeiten statt. Die Gründe: Die Gehölze haben ihren Betrieb weitgehend eingestellt. Zudem gibt es keine brütenden Vögel. Und durch das fehlende Laub können Schadstellen besser erkannt werden. Die Kontrollen erfolgen im Rahmen von Baumschauen durch die Straßenmeistereien mit Beteiligung der Naturschutzbehörden. Anschließend folgen entsprechende Pflegemaßnahmen beziehungsweise Fällungen.

Im OSL-Kreis, wie auch in ganz Brandenburg, sind die Alleen entlang von Bundes- und Landesstraßen überaltert, heißt es aus dem Landesbetrieb Straßenwesen. Bevor ein alter Baum gefällt wird, erfolgt die Ausschöpfung eines reichhaltigen Maßnahmenkatalogs. Dabei geht es unter anderem um das Herausschneiden von Trockenästen, Rückschnitt von gefährlichen Ästen aus den Kronen sowie Verkleinerungen der Baumkronen zur Sicherstellung der Standfestigkeit. Letztendlich besitze die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit eine höhere Priorität als der kränkelnde beziehungsweise schwächelnde Baum.

Im Landkreis OSL gibt es mit Stand 2014 an Bundes- und Landesstraßen insgesamt gut 45 Kilometer Alleen. Damit bildet der Kreis mit Ausnahme der vier kreisfreien Städte das Schlusslicht in Brandenburg. Spitzenreiter ist Märkisch-Oderland mit 254 Kilometern. Im gesamten Bundesland gibt es an Bundes- und Landesstraßen 2050 Kilometer Alleen. Die nächste Erhebung über die Länge der baumbestandenen Straßen erfolgt im Jahr 2019.

Ziel des Landesbetriebes Straßenwesen ist es, jährlich 30 Kilometer Alleen in ganz Brandenburg neu zu pflanzen. Das kann laut Cornelia Mitschka nicht immer erreicht werden. Eine Ursache bilden die zu geringen Abstände noch vorhandener Altbäume zu den Fahrbahnen. In die entstandenen Lücken dürfen auf gleicher Linie dann keine Nachfolger in den Boden gebracht werden.

Im jetzt zu Ende gehenden Jahr wurde im OSL-Kreis vonseiten des Landesbetriebes keine straßenbegleitende Baumreihe neu gepflanzt, ebenso im Jahr 2017. Für das Jahr 2019 soll eine Allee zwischen Lindchen und der Landesstraße 53 (Richtung Großräschen/Altdöbern) geplant werden. Die Anzahl der Bäume hänge aber davon ab, wie erfolgreich die Verhandlungen mit Pächtern und Eigentümern der an die Straße angrenzenden Flächen sind.

Der Landkreis OSL ist für die Alleen entlang seiner Kreisstraßen zuständig. Neupflanzungen sollen nach Angaben von Sprecherin Marlen Weser erst im kommenden Herbst erfolgen. Über den jetzigen Winter finden lediglich Totholzentnahmen und Fällarbeiten über das gesamte Kreisgebiet verteilt statt. Im Gegensatz zum Land zeichnet der Kreis zum Zustand seiner Straßenbäume ein optimistischeres Bild: „Der Zustand der Alleen ist allgemein gut. Es gibt keine auffälligen Abschnitte, an denen häufige Fällungen notwendig sind“, erklärt Marlen Weser. Während der 2018er-Dürre wurden die neu angepflanzten Gehölze öfter als sonst durch Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei gewässert.

Entlang der Kreisstraßen gibt es insgesamt 70 Kilometer Alleen und Baumreihen. Häufigste Arten sind Eiche und Linde. Der Bestand ist im Vergleich zu früheren Jahren in etwa gleich geblieben.