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Engagiert in Oberspreewald-Lausitz
Ein kleines Rädchen im Ehrenamt-Getriebe

Schmidteinander – der Titel einer früheren TV-Comedy-Sendung passt sehr gut, um Simone Schmidt zu charakterisieren. Die Ehrenamtlerin aus Biehlen setzt sich für das dörfliche Miteinander ein und zählt zu den Mitgestaltern von Veranstaltungen wie das traditionelle Zampern, im Feuerwehrsport oder bei dem von ihr ins Leben gerufenen Krippenspiel.
Schmidteinander – der Titel einer früheren TV-Comedy-Sendung passt sehr gut, um Simone Schmidt zu charakterisieren. Die Ehrenamtlerin aus Biehlen setzt sich für das dörfliche Miteinander ein und zählt zu den Mitgestaltern von Veranstaltungen wie das traditionelle Zampern, im Feuerwehrsport oder bei dem von ihr ins Leben gerufenen Krippenspiel. FOTO: Uwe Hegewald
Biehlen. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Simone Schmidt aus Biehlen. Von Uwe Hegewald

„Da habt ihr euch aber die falsche Person ausgesucht. Was gibt es von mir schon Besonderes zu berichten?“, fragt Simone Schmidt. Dass die Heimatzeitung zwecks Ehrenamtsporträts bei ihr vorbeischaut, kann die Frau aus Biehlen (Amt Ruhland) nicht so recht nachvollziehen. „Ich bin nur ein kleines Rädchen im Getriebe. Andere im Ort engagieren sich genauso“, sagt sie und prophezeit einen „sehr dünnen Bericht“.

Okay. Dass die jährliche Christvesper ihrer Initiative entstammt, räumt die bekennende Christin ein. Vor rund zehn Jahren reifte die Idee, zu Heiligabend im Dorf ein Krippenspiel aufzuführen. „Wir hatten genügend Kinder im Ort und stießen bei Gastwirt Detlef Sommer sofort auf offene Ohren. Er stellt uns seither den Saal zur Verfügung“, erzählt Simone Schmidt.

Rund 100 Gäste strömen jährlich zum Krippenspiel, bei dem selbst Teenager Freude am Mitwirken finden und bei dem Theologiestudent Adrian Reinfeld, aus dem benachbarten Ruhland, für den feierlichen Rahmen des Gottesdienstes sorgt. Kontakte zur evangelischen Kirche in Ruhland kommen bei Simone Schmidt nicht von ungefähr. Sie ist Mitglied im Gemeindekirchenrat, übernimmt Küsterdienste und macht sich auf den Weg in die Kernstadt, wann immer ihre Hilfe dort benötigt wird. Am schnellsten gehe das per Fahrrad über die „Milchstraße“. Biehlener haben sich den Weg fiktiv vom Sternenhimmel gepflückt, der sogar bei Tageslicht zu sehen ist und befahren werden kann.

„Wir besitzen noch mehr Attraktionen, die es anderswo nicht gibt“, lässt Simone Schmidt anklingen. Den wöchentlichen Frauen-Stammtisch zählt sie auf und das ungewöhnliche Mai-Spektakel, das alle zwei Jahre veranstaltet wird. Dann ziehe Biehlen mit Lampions, Kind und Kegel zur Schwarzen Elster, um dort selbstgefertigte Schwimmbrettchen zu Wasser zu lassen. In biologisch abbaubaren Pappbechern werden Teelichter eingesetzt und auf Reisen geschickt. Ein Hauch von „Rhein in Flammen“ breitet sich aus, der selbst ältere Mitmenschen oder Personen mit Handicap an die Ufer oder auf die Elsterbrücke lockt.

Viele dörfliche Veranstaltungen werden beim Frauenstammtisch schon mal durchgeplaudert. Das Treffen gilt als Informationsplattform, um in Erfahrung zu bringen, was im Dorf passiert. Wo stellt sich Nachwuchs ein? Welche Heranwachsenden feiern Jugendweihe oder Konfirmation? Wer kann mit wem? Und stellen die daheim gebliebenen Kerle auch keine Dummheiten an? „Auf unsere Männer ist Verlass. Sie zählen zu unseren tapferen und zuverlässigen Säulen im Ort“, bricht Simone Schmidt eine Lanze für die Männerriege.

Ehemann Steffen ist Vorsitzender des tonangebenden Heimat- und Spritzenvereins Biehlen, der auch immer als Veranstalter in Erscheinung tritt. Das Zampern, der Faschingstanz oder das Maifeuer und das jährliche Maibaumaufstellen zählen zu den Traditionsveranstaltungen.

Der Maibaumkranz und eine rund 30 Meter lange Ranke werden auf dem Hof der Schmidts geflochten, inklusive geselligem Abschluss mit Grillen. „Man muss sich doch einbringen. Ohne das Zwischenmenschliche würden die Dörfer schnell ihren Charme verlieren“, begründet Simone Schmidt ihr ehrenamtliches Wirken.

Bemerkenswert: Außer Biehlen und Ruhland gibt es mit dem benachbarten Schwarzbach noch einen weiteren Ort, wo sie keine Unbekannte ist. Wenn etwa bei der Feuerwehrsport-Mannschaft Not am Mann oder besser gesagt an der Frau ist, springt Simone Schmidt als Joker ein. Aufgrund ihrer Sportlichkeit ist es oftmals der Platz am Strahlrohr, den sie anzunehmen hat. „Unsere Mädels müssen aber mit allen Positionen im Löschangriff nass vertraut sein“, so die Sportlerin und Trainerin. An der Seite von Maschinist Max Krebs (Löschangriff) schult sie auch die Biehlener Jungen AK 15-18 in der Disziplin Gruppenstafette.

Selbst nach Hohenbocka, wo sie aufgewachsen ist, sind Kontakte nie abgerissen. Wie zu Grit Kahle von der Musikschule Fröhlich, die mit ihren Zöglingen regelmäßig bei den Biehlener Parkfesten aufspielt. Beim Faschingstanz seien es die Schwarzbacher Tanzmädels unter Leitung von Maria Pfiszterer, die für Unterhaltung sorgen. „Wir greifen gerne auf externe Künstler aus der Nachbarschaft zurück und sind ständig auf der Suche nach neuen Programm-Ideen. Vielleicht gelingt es uns irgendwann doch einmal, ein Biehlener Männerballett auf die Bühne zu bringen“, beschwört Simone Schmidt eine Hoffnung.

Mitgestalter sind immer gerne gesehen, unabhängig davon, ob der Wohnsitz im Dorf liegt, sagt sie und geht mit bestem Beispiel voran. So ist sie noch immer aktives Mitglied im Kitaverein „Schlossgeister“ Schwarzbach, obwohl Sohn Luca (15) und Tochter Lilli (11) die Einrichtung längst verlassen haben.