Wer derzeit am Ferdinandsteich auf der Brücke der Mückenberger Straße in Schwarzheide-West steht, hört nicht selten ungewöhnliche Geräusche. Diese sind für Normalbürger kaum verständlich. Sie gehen aber aufgrund ihrer Lautstärke tief ins Ohr. Beim genaueren Hinsehen erscheint auf der gegenüberliegenden Seite des früheren Tagebaus Ferdinand, Grube Ostfeld, ein Zeltlager. Auf einer größeren Freifläche wimmelt es vor hauptsächlich jungen Leuten, die zu den markanten Tönen verschiedene Bewegungen ausführen.

Alteingesessene Schwarzheider kennen dieses Spektakel bereits. Sie wissen, dass es sich um das 22. Sommerlager des örtlichen Budosportvereins handelt. In diesem Jahr haben sich auf der dortigen Waldwiese 64 Judoka, Karateka und Taekwondo-Kämpfer im Alter von sechs bis 50 Jahren versammelt, um ihrem Hobby nachzugehen.

Zu den Jüngsten gehört Dominic Joachim. Ganze acht Jahre zählt der Schwarzheider Knirps. Das erste Mal ist er beim viertägigen Sommerlager dabei. "Manchmal habe ich Heimweh. Aber viele Freude sind ja hier", gibt der Achtjährige, der anno 2012 mit dem Judo begonnen hatte, unumwunden zu. Nachts habe Dominic dagegen keine Angst. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Waldwiese ist von zwei Seiten vom finsteren Kiefernmischwald eingerahmt. Die anderen Bereiche nimmt der Ferdinandsteich ein. "Mich stört nur das Zirpen der Grillen. Das lässt mich nicht einschlafen", erzählt der Schwarzheider. Darüber hinaus hätten sich in seinem Zelt unerwünschte Mitbewohner eingefunden, die versuchen, ihm das Leben schwer zu machen. Doch dagegen hat Dominic ein handfestes Mittel parat: "Die Mücken und Ameisen schlage ich gleich tot." Eine Waldtoilette im klassischen Sinne steht den Kampfsportlern nicht zu Verfügung. Dafür zwei rosafarbene, aber gut im Wald getarnte Dixi-Klos. "Die hat uns Unternehmer Carsten Schmidt aus Lauchhammer hingestellt", erklärt Volker Kurze, Vorsitzender des Budosportvereins Schwarzheide. Strom gibt es indes nicht, Trinkwasser nur zum Durstlöschen und zum Zähneputzen. "Wir sind echte Naturburschen", begründet Kurze augenzwinkernd. An Lebensmitteln herrscht kein Mangel. Mal sponsert ein örtlicher Supermarkt etwas, mal besorgt jemand ein Bratschwein. Abfall bleibt keiner im Wald zurück. "Jeder nimmt seinen Müll wieder mit", erklärt Volker Kurze. Der örtliche Förster habe bereits vorbeigeschaut und konnte nichts beanstanden. Die Veranstaltung sei schließlich angemeldet.

Neben Schwarzheider Sportlern fallen auch weitergereiste Athleten ins Auge. Drei junge Burschen sind mit Rädern zum Sommercamp angereist. Allerdings nicht aus Lauchhammer oder Ruhland, sondern aus Berlin. Robin Kraft, Jonas Templina und Philipp Henning haben für die rund 150 Kilometer lange Strecke rund anderthalb Tage benötigt. "Wir können noch immer sitzen, stehen und trainieren", sagt Jonas Templina schmunzelnd. Die anderen beiden nicken zustimmend. Ohnehin bilden die Hauptstädter auf der Waldwiese am Ferdinandsteich mit über 20 Teilnehmern eine Macht. Dieses Phänomen geht auf des Ex-Schwarzheider Bertram Brader zurück, der seit Jahren in Berlin arbeitet und lebt. Das Gründungsmitglied des Schwarzheider Budosportvereins ist jetzt als Trainer beim VfL Tegel 1891 aktiv. Die größte Sparte des Vereins bildet Judo. Claudia Lebreton vom Abteilungsvorstand und Ur-Hauptstädterin gefällt es sichtlich in der Schwarzheider Natur. "Neben dem Sport kann man sich hier gut erholen. Und die Anreise ist nicht so weit."

Dann geht es wieder zum Training. Taekwondo steht auf dem Programm. Und auf der Brücke in der Mückenberger Straße stehen wieder zwei ältere Schwarzheider, die das lautstarke Treiben auf der Waldwiese interessiert mit verfolgen.