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Notorischer Schwarzfahrer bleibt im Knast

Senftenberg. Wer immer wieder beim Fahren eines Autos ohne Führerschein erwischt wird, der hat keine Gnade verdient. Und so verurteilt das Amtsgericht Senftenberg einen notorischen Schwarzfahrer zu einer Haftstrafe ohne Bewährung. Manfred Feller

Toni K. wird in Handschellen in den Verhandlungssaal am Amtsgericht Senftenberg vorgeführt. Der 26-Jährige sitzt eine Haftstrafe ab.

Erneut muss er sich für das Führen eines Kraftfahrzeuges ohne Fahrerlaubnis verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 13. August 2015 ohne vorhandene Papiere am Steuer eines Autos gesessen zu haben. Von der Polizei erwischt wurde er gegen 23.15 Uhr auf der Bundesstraße 169 zwischen Sedlitz und Senftenberg.

Der junge Mann versucht erst gar nicht, sich herauszureden. Mit seinem Kumpel, dem der Wagen gehört, war er in Cottbus. Der Freund konnte nicht fahren, weil er getrunken hatte. Also nahm Toni K. dessen Platz auf dem Fahrersitz ein. "Ich kann Auto fahren", behauptet er selbstsicher. Die Fahrschule hatte er mal angefangen, aber nicht beendet "Sie haben mehr Fahrpraxis als wir", kann sich Strafrichterin Annett Winkler die Bemerkung beim Blick in das mit 14 Einträgen gut gefüllte Straftatenregister nicht verkneifen.

"Wie viel Zeit wollen Sie noch in der JVA verbringen?", fragt sie. "Am besten gar keine mehr. Es ist beschissen", antwortet der Angeklagte. Mit vier bis sechs Mann in einer Zelle, das sei wahrlich nicht schön. Er wollte ja den Führerschein machen. Doch immer wieder sei eine Sperre dazwischengekommen, weil er Termine hatte und deswegen fahren musste, biegt er sich seine Lebenswelt zurecht. "Die aktuelle Anklage müsste die letzte sein", zeichnet er ein schwaches Licht am Ende des Tunnels. Nach der Haft wolle er arbeiten, schiebt er die bei Angeklagten typische Besserungsabsicht hinterher. Der Ledige hat einen niederen Schulabschluss, keinen Beruf erlernt und lediglich mal in der Produktion gearbeitet.

In seinem Plädoyer nennt ihn der Staatsanwalt einen zweimaligen Bewährungsversager, dem er keine gute Sozialprognose bescheinigt. Er sei binnen kurzer Zeit rückfällig geworden. Sechs Monate Haft ohne Bewährung seien angemessen. Zudem sollte Toni K. drei Jahre keine Fahrerlaubnis machen dürfen. Er sei zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet.

"Es ist das letzte offene Verfahren. Er hat aus seinen Fehlern gelernt", plädiert Anwalt Alexander Schmidt für eine mildere Strafe. Drei Monate Haft ohne Bewährung würden ausreichen. Eine erneute Sperrfrist wäre die Saat für weitere Straftaten. "Ich will mein Leben ändern", ringt Toni K. vor dem Urteil um Milde.

Diese gibt es nicht. Das Gericht verurteilt ihn zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe. Bewährung gibt es angesichts der vorsätzlich begangenen Straftaten nicht. Aber auch keine zusätzliche Fahrerlaubnissperre, weil die aktuelle noch bis Mai 2018 gilt.