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| 01:42 Uhr

Nora Günther lebt mit ihren Romanhelden

Nachdem die Autorin Nora Günther ihren Roman „Sturm der Verdammnis“ in der Stadtbibliothek vorgestellt hatte, signierte sie Bücher für die zahlreichen Besucher. Foto: Petra Maser
Nachdem die Autorin Nora Günther ihren Roman „Sturm der Verdammnis“ in der Stadtbibliothek vorgestellt hatte, signierte sie Bücher für die zahlreichen Besucher. Foto: Petra Maser FOTO: Petra Maser
Lauchhammer. „Es macht mir großen Spaß, Intrigen zu spinnen“, sagt Nora Günther. Jemanden, der so etwas von sich behauptet, würden wir normalerweise nicht besonders schätzen. Eingewoben in ihre historischen und Kriminalromane haben besagte Intrigen allerdings höchsten Unterhaltungswert. Bei einer Lesung in der Stadtbibliothek Lauchhammer trat die in Bad Liebenwerda beheimatete Schriftstellerin den Beweis dazu an. Im Rahmen des Leseherbstes stellte die Autorin ihr Erstlingswerk „Sturm der Verdammnis“ vor. Von Petra Maser

Der historische Roman erzählt die Geschichte des Stadt- und Amtsrichters Paull Günther. In der Kulisse der Stadt Mühlberg malt die Erzählerin ein plastisches Bild der Geschehnisse zwischen Elbe und Elster um die Zeit des 30-jährigen Krieges.

„Die Geschichte hat mein Mann ausgegraben, und wir fanden, dass sie das Potenzial für einen Roman hat“, erzählt die Autorin. Gerd Günther ist Heimat- und Ahnenforscher und steht seiner Gattin nicht nur bei den Recherchen zur Seite, sondern unterstützt sie auch mit interessanten geschichtlichen Details bei ihren Lesungen. „Paull Günther ist mein Vorfahre in 14. Generation“, erfahren die Zuhörer von Gerd Günther. Bis zurück ins 15. Jahrhundert habe er die Geschichte seiner Familie zurückverfolgen können, sagt der Ahnenforscher. All diese Fakten und Zahlen hat die Autorin dann wie Puzzleteile zu einer schlüssigen und spannenden Geschichte zusammengesetzt.

„Sturm der Verdammnis“ beschreibt, wie Tausende Schweden plündernd und mordend durch das Elbe-Elster-Gebiet ziehen und plötzlich auch vor den Toren der Stadt Mühlberg stehen. Die Geschichte erzählt davon, wie der Romanheld Paull Günther nach Verbündeten unter den Ratsmitgliedern und Bürgern sucht. Grausame Szenen spielen sich ab, wie sie wohl in der Zeit des 17. Jahrhunderts üblich waren. Aber auch in den Alltag der Menschen erhält der Leser einen Einblick, zum Beispiel wenn die Autorin eine Hochzeit anno 1637 darstellt. „Natürlich ist in den Roman eine große Portion Fantasie eingeflossen“, gesteht die Buchautorin. Um den verschiedenen Personen einen Charakter zu geben, habe sie sich oft an ihren Positionen und Aufgaben festgehalten. „Ein Amtsrichter war bestimmt nicht besonders einfühlsam“, nennt sie ein Beispiel. Ein guter Ratgeber sei in solchen Dingen auch ihr Ehemann. „Der sagt mir dann auch manchmal: So fühlt ein Mann nicht“, erzählt die dreifache Mutter.

Dennoch entbehre der Roman keineswegs seiner historischen Grundlage. „Etwa 75 Prozent der Fakten des Romans sind belegt“, betont Nora Günther. Nicht ganz einfach sei es, so weit zurückliegende Ereignisse zu rekonstruieren, erläutert die Schriftstellerin. In Kirchenbüchern, Erbkaufurkunden und verschiedenen Archivunterlagen habe sie viele Informationen gefunden, die dann die Basis für ihre Rahmenhandlung bildeten. „Leider sind im 30-jährigen Krieg rund 40 Prozent der Bevölkerung ums Leben gekommen“, sagt Gerd Günther. Auch viele schriftliche Unterlagen seien bei den verheerenden Schlachten und Bränden vernichtet worden, sodass es oft mühselig sei, Personen und Geschehnisse lückenlos zu erforschen.

Dabei sei Detailtreue ausgesprochen wichtig, sagt die Autorin. Viele ihrer Leser würden kleine Unstimmigkeiten sofort bemerken. Damit das nicht passiert, stellt sich die Autorin schon mal dem Selbstversuch. „Ich bin nachts durch Mühlberg gehumpelt, um herauszufinden, wie lange man für eine bestimmte Strecke braucht“. So sei über einen Zeitraum von fast fünf Jahren ihr erster Roman entstanden. „Wenn ich an einem Roman arbeite, tauche ich tief in die entsprechende Zeit ein“, sagt Nora Günther. Ihr Gefühl, ihre Wortwahl, einfach alles in ihr lebe dann mit ihren Romanhelden. „Manchmal fließen sogar Tränen, obwohl ich die Szene selbst geschrieben habe.“ Dann sei sie aber doch froh, in der heutigen Zeit zu leben.

Zwei Jahre nach dem Erscheinen ihres Mühlberg-Romans denkt die freiberufliche Autorin über die Fortsetzung der Erlebnisse des Stadt- und Amtsrichters Paull Günther nach. „Die Mühlberger drängen mich, die Geschichte weiter zu verfolgen“, sagt sie nicht ohne Freude über das große Interesse an ihrer Arbeit.