Von Andrea Budich

1,56 Meter. Für Christin Schaefer ist das keine nüchterne Größenangabe, sondern eine magische Zahl. Denn ihren 1,56 Metern Körpergröße hat sie zu verdanken, dass sie vor 16 Jahren im zweiten Anlauf in ihren Traumberuf reingerutscht ist.

Denn der Friseur stand eigentlich nicht ganz oben auf der Agenda der Zehntklässlerin Christin Schaefer. Als Enkeltochter eines Kriminalhauptkommissars aus Senftenberg war ihr Berufswunsch seit sie denken kann in Stein gemeißelt: Polizistin. Mit dem Opa durfte sie ab und an mit auf die Wache. „Das war meine Welt, das wollte ich unbedingt machen“, erinnert sich die 32-Jährige. Die Zensuren stimmten, die Leidenschaft sowieso, was fehlte, waren exakt vier Zentimeter Körpergröße. Denn 1,60 Meter waren damals noch für Polizeianwärterinnen Pflicht.

„Ich musste allen die Haare machen“

Aus der Bewerbungs-Not machte Christin Schaefer eine Tugend. Sie besinnt sich auf ihre zweite große Leidenschaft: ihr Händchen fürs Zurechtmachen, fürs Herausputzen. „Wenn wir fünf Freundinnen ausgehen wollten, musste ich allen die Haare machen“, erinnert sie sich. Bei Freundinnen, die besonders mutig waren, durfte sie damals sogar schon die Schere ansetzen.

Für die dreijährige Ausbildung an Kamm und Schere verlässt sie ihre Heimat Senftenberg und zieht nach der zehnten Klasse nach Berlin. Bei einem privaten Friseur aus Zehlendorf lässt sich Christin Schaefer einweisen in die Geheimnisse rund ums Waschen, Schneiden, Legen. Weil man Friseurstühle zum Glück hoch- und runterpumpen kann, waren die fehlenden Zentimeter Körpergröße für ihre Friseur-Karriere nie ein  Hindernis.

Nach der Lehre fest angestellt, wäscht sie in Zehlendorf vielen gut Betuchten den Kopf, auch Promis sind darunter. „Das Trinkgeld war in der Villengegend immer sehr gut“, denkt sie gern an ihre Berliner Jahre zurück.

Der Liebe wegen nach Senftenberg

Der Liebe und Schwangerschaft wegen kommt die Friseurin, die ein besonderes Händchen für Farben hat, dann vor zehn Jahren wieder zurück nach Senftenberg. Erst in den Figaro-Salon im Senftenberger Schlossparkcenter, später dann in den Ruhlander Salon „Haar Zauber“ am Markt, in dem sie inzwischen die Salonleitung übernommen hat.

Christin Schaefer hat einen hohen Anspruch an ihre Arbeit: Sie will, dass sich Kunde oder Kundin beim Blick in den Spiegel schön finden. „Vorher mache ich den Frisierumhang nicht ab“, sagt die 32-Jährige. Glücklicher als über jedes Trinkgeld ist sie darüber, wenn ihre Kundinnen sich frisch frisiert wohl fühlen und nicht daheim unter die Dusche steigen, um sich die Haare neu zu legen.

Ehrlichkeit bei ihrer Arbeit ist ihr heilig. „Blaue Haare mit roten Strähnen finde ich nicht toll. Und das sage ich meiner Kundin auch.“ Beruflich hat die junge Mutter ihren eigenen Typ gefunden. „Ich brauche etwas Kreatives, will mit Menschen zu tun haben. Genau das habe ich gefunden“, verrät sie, warum sie sich nicht verstellen muss, wenn sie bestens gelaunt smalltalkend schneidet, wäscht, färbt, föhnt und legt.

Die Zahl der Stammkunden wächst

Der große Kreis an Stammkunden, die immer zu Christin Schaefer wollen, wächst. Sie auch nach zehn Jahren so glücklich zu machen wie am ersten Tag, gehört zu ihrem Erfolgsrezept. Genauso wie ihr Lächeln und ihr fröhliches, unkompliziertes Wesen. Zuhören können und genau zu wissen, ob der Kunde lieber seine Ruhe haben will oder dankbar ist für ein Gespräch, diese Balance hat Christin Schaefer gefunden und wird dafür von ihren Kunden geliebt. „Sie strahlt, ihre gute Laune steckt an“, lobt Kundin Jennifer Pohland.

Was die Salonchefin neben Volumenwelle, Bob,  Flanell-Look, Gel und Haarwachs noch so drauf hat, weiß, wer sie schon einmal mit  Kindern erlebt hat, die überhaupt keine Lust haben aufs Pony schneiden. Dann greift Christin Schaefer tief in ihre Trickkiste, um die Mini-Kundschaft bei Laune zu halten. Mit einem Liedchen und auch gern mal mit einem Handstand. Ein Radschlag durch den Friseursalon – bei Christin Schaefer gehört das zum All-inclusive-Wohlfühlpaket dazu.

Statt mit Handschellen hat sie mit Schere und Kamm ihr Glück gefunden. Das Frisieren ist ihr Traumberuf. „Wenn er besser bezahlt wäre, würden die Bewerber Schlange stehen“, zeigt sie sich überzeugt.