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Niemtsch: Rohrwerke-Kunststoff im Untergrund

Niemtsch.. Schachtmeister Steffen Pietsch behält das Geschehen genau im Blick. Foto: Steffen Rasche

Millimeterweise hüpft der rote Zielpunkt des Lasers auf der Schachteinfassung auf und ab, bevor das 0,4-prozentige Gefälle der neuen 700-Meter-Abwasserleitung im Untergrund der Niemtscher Ortsdurchfahrt richtig eingestellt ist. Etwa 25 Meter pro Tag hat die Tiefbaukolonne von Eurovia Kolkwitz so vom Ortseingang aus Senftenberg kommend seit letztem Dienstag zurückgelegt.
Verlegt werden Kunststoffrohre aus der Hightech-Produktionslinie der Fränkischen Rohrwerke in Schwarzheide. Sie erinnern an einen überdimensionalen Staubsaugerschlauch. Ein glattes Innenrohr von 200 Millimetern Durchmesser mit einer gewellten schwarzen Außenhaut. "Der Vorteil des Materials liegt in der hohen Festigkeit. Mit ihrem leichten Eigengewicht sind die Rohre absolut bruchfest", erklärt Rohrwerke-Produktmanager Steffen Mohr.
Ursprünglich sollten in Niemtsch herkömmliche Betongusskanäle im Untergrund verschwinden, so WAL-Gruppenleiter Jörg Windrich. "Aber es freut uns natürlich, dass auch regionale Hersteller zum Zuge kommen." So wolle der Verband künftig verstärkt darauf zurückgreifen, wenn sich Kunststoff als Leitungsmaterial der Zukunft bewährt. Der nächste Einsatz sei beim Kanalneubau in der Briesker Ringstraße vorgesehen.
Bei den Fränkischen liegt der Jahresumsatz in dieser Marktsparte - laut Produktmanager Mohr nur ein Nebenprodukt - bei etwa sechs Millionen Euro. Das Schwarzheider Know-how wolle der Verband auch in der Phase der Bauüberwachung nutzen, so Verbandsvorsteher Dr. Roland Socher.
Noch flutscht der Kanalbau im Niemtscher Erdreich ziemlich problemlos. Allerdings steht das Grundwasser nur noch einen Meter tief. Schachtmeister Pietsch sieht die Probleme deshalb kommen: "Mit dem Gefälle zur Pumpstation am Dorfanger wird sich unsere Tagesleistung relativieren. Zwanzig Zentimeter über Grundwasser müssen wir anfangen, den Baugrund trocken zu pumpen." Insgesamt 34 Grundstücke entlang der Ortsdurchfahrt erhalten im Zuge des Straßenausbaus derzeit einen zentralen Abwasseranschluss. Für die Autokarawane ist die Kreisstraße bereits seit Anfang Juli voll gesperrt. (os)