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Niedriglöhne vertreiben Fachkräfte im OSL-Kreis

Ärzte werden vor allem im Süden Brandenburgs gesucht
Ärzte werden vor allem im Süden Brandenburgs gesucht FOTO: dpa
Senftenberg. Die Unternehmen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis leiden unter einem akuten Fachkräftemangel. Das bestätigt die Analyse der Agentur für Arbeit in Cottbus für den Geschäftsbereich Südbrandenburg. Dabei wohnen hier genug gut ausgebildete Lausitzer in den gefragten Berufen, pendeln zur Arbeit aber trotzdem aus. Von Kathleen Weser und Manfred Feller

Die Fachkräfte-Not ist groß in den Unternehmen der Region. Das bestätigt eine Umfrage der Agentur für Arbeit. Demnach beklagen alle befragten Dienstleister im Gesundheits- und Sozialwesen in und um Senftenberg ein enormes Fachkräftedefizit. Ärzte und Altenpfleger werden im Regionalen Wachstumskern Westlausitz (RWK) händeringend gesucht. Dieses Gebiet umfasst die Städte Senftenberg, Großräschen, Lauchhammer, Schwarzheide und Finsterwalde sowie deren Umfeld.

Dabei leben die Fachkräfte hier. Allein 597 Kranken-, Alten- und Gesundheitspflegekräfte pendeln zur Arbeit aus. "Die gesuchten Fachkräfte arbeiten nur an einem falschen Ort", schlussfolgert Senftenbergs Wirtschaftsförderer Frank Neubert aus den Zahlen. Diese zeichnen grundsätzlich dasselbe Bild für in Informatik und Kommunikation tätige Unternehmen. Auch Betriebe des Bauwesens (71,4 Prozent der Befragten) beklagen den Fachkräftemangel.

Insgesamt arbeiten jüngsten Erhebungen zufolge mehr als 5000 Fachkräfte aller Branchen, die zwischen Ortrand und Lübbenau wohnen und am hiesigen Mark gesucht werden, auswärts.

Hauptgrund ist das niedrige Lohnniveau in der Lausitz. Das bestätigt Sven Mochmann, der Leiter der Geschäftsstelle Senftenberg der Arbeitsagentur Cottbus. Bei Lohnunterschieden von 30 und mehr Prozent zwischen Ost und West lohne es sich für die Behörde nicht, gezielte Rückkehreraktionen zu starten. Diese liefen ins Leere, zeigen Erfahrungen. Der Lohnabstand müsste um mehr als die Hälfte schrumpfen, um erfolgreich zu sein.

Bei einem Unternehmertreff zur Fachkräftesicherung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Senftenberg sagte Sven Mochmann am Donnerstag, dass die Agentur nur noch vermittle, wenn die Arbeitgeber mindestens eine ortsübliche Entlohnung böten. Tarifbindung sei hier selten. Erschreckend sei auch die Tatsache, dass etwa jeder dritte Jobcenter-Kunde ergänzende Hilfe erhalte, weil er vom Lohn seiner Arbeit nicht leben könne.

Zum Thema:
Schwer zu besetzende Arbeitsstellen in und um Senftenberg sind die von Ärzten. 88 Mediziner, die ihren Lebensmittelpunkt nach wie vor in der Region haben, pendeln allerdings trotzdem lieber zur Arbeit aus. Elektroinstallateure werden händeringend gesucht, 1232 ausgebildete Fachleute arbeiten auswärts. Ingenieure vieler Fachrichtungen sind begehrt, 1162 aus der Region verdienen ihr täglich Brot nicht hier. Für Erzieher und das Gastgewerbe trifft dies inzwischen auch zu.