Von Jan Augustin

Petrus sei Dank. Wenn auch nur als etwas größerer Rinnsal – am Donnerstag ist das Wasser in der Schwarzen Elster zwischen Hoyerswerda und Senftenberg wieder geflossen. Doch der Schein trügt. Die im Dürrejahr 2018 gegründete Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Extremsituation“ kommt nach ihrer jüngsten Zusammenkunft zu folgendem Fazit: „Die Lage in den beiden Flussgebieten Spree und Schwarze Elster ist nach wie vor ernst.“ Wie der Sprecher des Brandenburger Landesamtes für Umwelt (LfU), Thomas Frey, bestätigt, sind die Abflüsse in den Fließgewässern, die bereits seit Wochen im Niedrigwasserbereich liegen, wegen fehlender Niederschläge weiter zurückgegangen. Frey hat ein Beispiel parat: Am 15. Juli wurde in der Spree am Unterpegel Leibsch (Dahme-Spreewald) ein Abfluss von 0,6 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Der mittlere Abfluss für diesen Pegel liegt im Juli aber normalerweise bei 11,8 – „also fast 20-fach höher“.

Unverändert leide die Schwarze Elster unter der Trockenheit. Bis vor den teils starken, aber kurzen Regenfällen Anfang dieser Woche und am Mittwoch war diese oberhalb von Senftenberg über mehrere Kilometer komplett ausgetrocknet. Der Abfluss am Pegel Biehlen 1 unterhalb von Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) betrug am 15. Juli nur 0,324 m³/s und blieb damit deutlich unter dem langjährigen Mittel. Am Donnerstag waren es immerhin wieder 52.

Regen verhindert Notabfischen per Elektroschocker

„In aller letzte Sekunde“ hat der Regen auch ein Elektro-Notabfischen in der Schwarzen Elster verhindert. Das bestätigt der Geschäftsführer des Anglerverbandes „Elbflorenz“ Dresden, René Häse. Auf einem sieben Kilometer langen Stück zwischen Tätzschwitz (Landkreis Bautzen) und Hoyerswerda hätten ansonsten Tausende Fische gerettet werden müssen. Häse ist erleichtert, dass der Verband nun vorerst nicht eingreifen muss. Beim Elektrofischen werden die Fische mit einer Art Eltroschocker kurz betäubt, um sie so aus dem Wasser holen zu können und dann umzusetzen. Für die ohnehin geschwächten Tiere bedeute das enormen Stress. „Das ist die allerletzte Methode“, betont der Angel-Experte. Im vergangenen Jahr sei das am alten Fließ in Hoyerswerda aber notwendig gewesen.

Sachsen gibt elf Millionen Kubikmeter Wasser ab

Dass die Flüsse und Seen in der Lausitz noch Wasser führen, ist auch den Abgaben aus den Talsperren und Wasserspeichern zu verdanken. Die Dimensionen sind enorm. So wurden aus den sächsischen Talsperren Bautzen und Quitzdorf in diesem Jahr bereits circa elf Millionen Kubikmeter für Brandenburg und Berlin abgegeben, erläutert Thomas Frey vom Landesumweltamt. Die wichtigsten Wasserspeicher in Brandenburg sind für die Spree die Talsperre Spremberg und für die Schwarze Elster das Speicherbecken Niemtsch, also der Senftenberger See. In der ehemaligen Tagebau-Innenkippe war es aufgrund des Niedrigwassers im September vorigen Jahres zu einer Rutschung gekommen. Ein riesiges Stück der unsanierten und naturgeschützten Insel brach ins Wasser ab und führte dazu, dass See und Ufer bis März gesperrt wurden.

Wasser sparen als Gebot der Stunde

Wie ausgetrocknet weite Teile des Landes sind, zeigt auch die Auswertung der Abflussdaten der Regionen, in denen es zuletzt besonders stark geregnet hat: „In den Pegelverläufen der größeren Fließgewässer bildeten sich die Niederschläge kaum ab“, stellt Thomas Frey ernüchternd fest. „Wasser sparen, ist und bleibt das Gebot der Stunde“, betont der LfU-Sprecher. Jeder könne dazu seinen Beitrag leisten. Unter dieser Prämisse sollen auch die Talsperren und Speicher in Sachsen und Brandenburg weiterhin ressourcenschonend bewirtschaftet werden. Das Verbot der Entnahme von Wasser aus Flüssen und Seen mittels Pumpen bleibe bestehen.

Die Ad-hoc-AG „Extremsituation“ kommt das nächste Mal am 12. August in Cottbus zusammen. Vertreter aus allen betroffenen Ämtern, Behörden, Ministerien und Verwaltungen aus Brandenburg und Sachen sind zugegen.