ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:44 Uhr

Nicht schon wieder Italien!

Die Nachrichten gehen durch und durch: Schon wieder ein Erdbeben in Italien. Und wieder sind Menschenleben zu beklagen.

Seit Sommer vergangenen Jahres kommen immer neue Katastrophenmeldungen, die mit Namen von Urlaubsorten verbunden sind. Wer dort die südländische Kultur und Küche genossen hat, kann das gegenwärtige Leid nicht nur als Nachricht betrachten.

Die Erinnerung an glückliche Urlaubstage wirft die Frage auf: Wie stellen wir uns zu dem Leid, das dort geschehen ist? Aber nur wenige Gedankengänge später wird die Frage globaler, denn von Leid werden Menschen in allen Regionen der Welt getroffen. Warum all das Leid? Wo Konflikte und Terror toben, kann man politische Ursachen ausmachen. Aber wo die Erde bebt?

Aus der Perspektive des christlichen Glaubens antworten vor allem zwei Motive auf die Frage nach dem Leid. Allerdings sagen sie weniger über die Ursache, denn diese kann sehr vielschichtig sein. Vielmehr geht es darum, wozu uns Leid bewegt. Zum einen ist jedes Leid, das Menschen widerfährt, ein Appell zur Anteilnahme. Es soll uns dazu bringen, den Betroffenen beizustehen. Das legt schon einer der großen Propheten der Bibel seinen Zuhörern ans Herz, als er Jahrhunderte vor Christus sagt: "Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!" (Jesaja 58,7) Warum Leid? Weil wir uns da als wahrhaft human erweisen.

Zum anderen ist jede Katastrophe, die von Naturgewalten verursacht wird, eine Frage nach dem Platz, den wir in der Welt einnehmen. Als Menschen sind wir mit Vernunft und Entdeckergeist begabt, um die Schätze und Kräfte der Natur zu unseren Gunsten zu nutzen. Die biblische Schöpfungserzählung kann sogar sagen: "Macht euch die Erde untertan." Aber damit sind wir nicht die grenzenlosen Herren über die Erde. Vielmehr lehrt uns jede Erfahrung, die wir mit den Kräften der Natur machen, demütig zu sein; das heißt, diese Kräfte zu achten und nicht leichtfertig herauszufordern. In einer Kundgebung der evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 2008 heißt es: "Ich bin nicht Herr und Herrin der Welt, auch nicht in meinem Haus, meinem Garten, meiner Familie oder Kommune. Die Frage nach den Grenzen meiner Möglichkeiten begleitet mich täglich als eine Frage des Schöpfers an mich: Was erlaubst du dir? Es gibt gesetzte Grenzen, die ich zwar erforschen und erkennen kann, die ich aber nicht verändern darf. Zu lange sind wir alle den Prinzipien der Machbarkeit und der Verwertbarkeit gefolgt. Jetzt bin ich mit all den anderen herausgefordert, mir Grenzen zu setzen; das Lassen zu lernen." Warum Leid? Weil wir da herausgefordert sind, die uns umgebende und tragende Natur in ihrer Größe zu respektieren.

*Religionslehrer am Friedrich-Engels-Gymnasium Senftenberg