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| 17:55 Uhr

Ausgliederungspläne für das Klinikum Niederlausitz
Nicht-Pflege soll von Bord gehen

Blick auf das Krankenhaus Senftenberg.
Blick auf das Krankenhaus Senftenberg. FOTO: dpa / Bernd Settnik
Senftenberg. Klinikum Niederlausitz will Nicht-Pflege-Bereiche ausgliedern. Tarifflucht wird von der Gewerkschaft heftig kritisiert. Strukturveränderungen waren Mittwoch Thema im Aufsichtsrat. Von Andrea Budich

Es gibt ein Thema, das  derzeit über die Klinikflure in Senftenberg  und Lauchhammer wabert und  für  viel Gesprächsstoff  beim Klinikpersonal, aber auch bei den Patienten  sorgt.   Physiotherapeuten,  Radiologieassistenten, Ergotherapeuten, das Küchenpersonal,  Reinigungskräfte und Haustechniker sollen  künftig nicht mehr zur   gemeinsamen Klinik-Mannschaft  gehören und  von Bord gehen. Das bringt nach den Streiks vor der  Tarifeinigung im Sommer erneut Unruhe und schlechte Stimmung in die Krankenhäuser.

Die  geplanten Strukturveränderungen sorgen für  Zündstoff, seit  die Klinikleitung  auf zwei  Mitarbeiterversammlungen Anfang Oktober angekündigt hat, dem Aufsichtsrat die Ausgliederung  von Nicht-Pflege-Bereichen auf eine Tochtergesellschaft vorzuschlagen. Geschäftsführer Hendrik Karpinski bestätigt  diese Überlegungen, pocht aber darauf, dass  zu keinem Zeitpunkt  erklärt wurde, dass  alle Nicht-Pflege-Bereiche ausgegliedert werden. Richtig sei vielmehr, dass  derzeit  alle Bereiche außer die der Ärzte und des Pflegepersonals geprüft werden. „Alles kommt auf den Prüfstand“, betont Karpinski. Die Ergebnisse sind  gestern dem Aufsichtsrat vorgestellt worden. Eine Entscheidung erwartet Karpinski  in diesem Jahr nicht mehr.  Der Aufsichtsrat  kann ohnehin nur eine Empfehlung geben. Das Machtwort spricht dann die Gesellschafterversammlung.

Die Ausgliederungspläne werden von der Gewerkschaft verdi als „eine Spaltung der Klinikbelegschaft“ kritisiert. „Mit den Ausgliederungen soll eine Tarifflucht stattfinden“, vermutet Gewerkschaftssekretär Ralf Franke.

Die Klinikleitung indes verweist auf wirtschaftliche Zwänge, die sich aus den neuen Rahmenbedingungen wie dem Pflegestärkungsgesetz ergeben. „Wir tun das, was  andere Häuser in der Region schon vor vielen Jahren gemacht haben“, sagt Hendrik Karpinski auch mit Blick auf das Carl-Thiem-Klinikum. Bisher sei es  gelungen, die komplette Mannschaft  an Bord  zu halten. „Jetzt haben wir aber keine Wahl mehr“, erklärt er. Von den gut 1000 Klinik-Beschäftigten gehören 300 zum Pflegebereich. Mit dem Rückenwind der Politik werden die Entgelte für diese Pflegefachkräfte in den kommenden Jahren kräftig ansteigen. „Dann  die 700  Beschäftigten aus der Nicht-Pflege gleichberechtigt mitzuziehen, übersteigt die Kraft des Klinikums. Das würde uns umbringen“, so die Erklärung des Geschäftsführers.

Für Landrat Siegurd Heinze (parteilos) sind  die Ergebnisse  der Beratungen im Aufsichtsrat  als Empfehlung für die Gesellschafterversammlung  vorerst  abzuwarten, heißt es in einer Pressemitteilung. Trotz der  „gegebenenfalls unvermeidbaren Strukturveränderungen im Klinikum“ stehen für den Landrat der Erhalt des Klinikums  und damit das Wohl der Patienten an vorderster Stelle. Das Klinikum Niederlausitz ist eine 100-prozentige Tochter des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Die Ausgliederungspläne dürften damit auch demnächst Thema im Kreistag sein.