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| 17:29 Uhr

Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Nicht nur im Ring ist seine Meinung gefragt

Zum Pratzentraining hat sich Thomas Koppatz (l.) die 14-jährige Nachwuchsboxerin Cindy Haupt (Lauchhammer) in die Ringmitte geholt. Das Pratzentraining nimmt beim Boxtraining eine wichtige Rolle ein. Für den Boxer ist es möglich, Schläge und Schlagkombinationen zu üben, ohne mit der Gegenreaktion eines Gegners konfrontiert zu werden.
Zum Pratzentraining hat sich Thomas Koppatz (l.) die 14-jährige Nachwuchsboxerin Cindy Haupt (Lauchhammer) in die Ringmitte geholt. Das Pratzentraining nimmt beim Boxtraining eine wichtige Rolle ein. Für den Boxer ist es möglich, Schläge und Schlagkombinationen zu üben, ohne mit der Gegenreaktion eines Gegners konfrontiert zu werden.
Schwarzheide. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Thomas Koppatz aus Schwarzheide. Von Uwe Hegewald

Wenn ein Sportler Woche für Woche zwischen seinem Wohn- und Arbeitsort Dresden und Schwarzheide pendelt, muss es dafür mindestens einen triftigen Grund geben. Bei Thomas „Ko“ Koppatz sind es gleich mehrere und ebenso nachvollziehbare. „Ich bin in Lauchhammer geboren und aufgewachsen, habe dort auch mit dem Boxen angefangen“, erzählt der 46-Jährige. 1982 war das und der mehrfache Box-Europameister und neunfache DDR-Meister im Superschwergewicht, Ulli Kaden, eines seiner Idole. „Als 14- bis 18-Jähriger konnte ich im Halbwelter- oder Weltergewicht ein paar Mal bei Bezirksmeisterschaften gewinnen, bin aber ziemlich früh in die Trainerlaufbahn gewechselt“, so der heutige „Cheftrainer“ und Vereinsvorsitzende des Boxclubs Schwarzheide. Schon im Jugendalter stand für den gelernten Elektromonteur und jetzigen Mikrotechnologen fest: „Ich werde einmal Box-Trainer.“

In erster Linie führt Thomas Koppatz das auf selbst gesammelte Erfahrungen mit Übungsleitern zurück. „Das waren alles bemerkenswerte und bestens geschulte Trainer, aber auch Pädagogen und Seelentröster, wenn es in Wettbewerben mal nicht wie gewünscht gelaufen ist“, resümiert er. Dass Nachwuchstrainer oftmals kleinere Vaterrollen ausfüllen, will der Wahl-Dresdener nicht abstreiten. Um sich Vertrauen zu erarbeiten und Zugang zu den Zöglingen zu gewinnen, ist das mitunter auch hilfreich.

Im Box-Club Schwarzheide wird das klassische, olympische Amateurboxen praktiziert, das zum Bedauern von Thomas Koppatz nur noch selten im Fernsehen gezeigt wird. Dabei stammen viele der späteren Profiboxer aus dem Amateurlager und waren Medaillengewinner Olympischer Spiele. Stellvertretend nennt er Henry Maske, der mit daran „Schuld“ war, dass sich 1994 der Amateurboxverein Schwarzheide gründete. „Maske ist nicht ohne Grund der Beiname Gentleman verliehen worden. Er war und ist gleichermaßen als Boxer und als Mensch eine Persönlichkeit zu der man aufschaut“, charakterisiert er den Ausnahmeboxer, der es zur Leitfigur des wiedervereinten Deutschlands gebracht hatte.

Als Henry Maske seine Boxhandschuhe an den Nagel hing, ebbte auch in Schwarzheide das Interesse am Boxsport ab. „Um das Jahr 2000 kam der Wettkampfbetrieb für fast zehn Jahre komplett zum Erliegen“, schildert Thomas Koppatz die „bedauerliche Entwicklung“. Von der Schwarzheider Box-Legende Käthe Krowiorz ist er 2009 schließlich dazu animiert worden, das Training wieder aufzunehmen. Ein Jahr später folgte die Übernahme des Vereinsvorsitzes und 2012 die Umbenennung zum Boxclub Schwarzheide. Sich der Herausforderung zu stellen und Verantwortung zu übernehmen, war an eine Zusage geknüpft: freies Entfalten und jegliches Gewähren von Räumen, um die angestrebte Reanimierung des lokalen Boxsports voranzubringen. „Herrn Koppatz ist es in kürzester Zeit gelungen, die Jugendarbeit im Verein wieder neu aufzubauen. Sein großes Engagement und seine deutschlandweiten Kontakte zu den unterschiedlichsten Boxvereinen ermöglichen eine hohe Wettkampfdichte“, hieß es in der Laudatio zum Tag des OSL-Ehrenamtes.

Und auch das zeichnet den Club aus: „Uns war es von Anfang an wichtig, parallel eine Breitensportgruppe fürs Fitnessboxen aufzubauen. In beiden Trainingsgruppen sind die Mitgliederzahlen stetig gestiegen“, teilt der Vereinsvorsitzende mit. Die größte Gruppe bildet jedoch mit 17 Boxsportlern die 2013 neu gegründete, dritte Trainingsgruppe für Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren. Doch was müssen Interessierte mitbringen, wenn sie sich im Boxsport ausprobieren und später behaupten wollen? Thomas Koppatz weiß die Antwort: „Lust an Sport, Bewegung und am Boxen. Selbstbewusstsein ist von Vorteil, wird aber von uns Trainern während der Ausbildung zusätzlich gestärkt, wie auch Durchhaltevermögen und Willenskraft.“

Dass sich das konsequente Training auszahlt, belegen die jüngsten Erfolge des Boxclub Schwarzheide. So kehrten die Boxerinnen und Boxer von den Brandenburgischen Landesmeisterschaften im Amateurboxen, im März dieses Jahres, mit sechs Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille zurück. „Darauf sind wir natürlich alle sehr stolz“, so der Vereinschef, der irgendwann auch mal einen Deutschen Meister stellen möchte. Seit er 2009 Regie im Club übernommen hat, gab es bei Deutschen Meisterschaften zweimal silbernes und viermal bronzenes Edelmetall. Im aktuellen Kader sieht Thomas Koppatz insbesondere bei Levi Witte großes Potential. Er boxte sich in Strausberg zum Landesmeistertitel und ist in seiner Altersklasse Schüler (10-12 Jahre) zudem als bester Boxer ausgezeichnet worden.