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| 12:46 Uhr

Frei oder nicht frei?
Nicht jeder genießt den Brückentag

 Die Glastür des Senftenberger Rathauses bleibt am Brückentag, dem 31. Mai, geschlossen.
Die Glastür des Senftenberger Rathauses bleibt am Brückentag, dem 31. Mai, geschlossen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Region. Während die meisten Behörden am Freitag nach Himmelfahrt geschlossen bleiben, wird in vielen Betrieben normal gearbeitet. In manchen Unternehmen ist sogar „Großkampftag“ angesagt. Von Torsten Richter-Zippack und Catrin Würz

Fallen Feiertage auf Dienstag oder Donnerstag, stehen Brückentage an. Entweder montags oder freitags vor beziehungsweise nach den Feiertagen sorgen diese für ein langes Wochenende. Besonders in den Behörden ruht an solchen Tagen die Arbeit. So auch am heutigen Freitag. Beispielsweise im Weißwasseraner Rathaus: „Auf Vorschlag des Personalrates wurde für die Stadtverwaltung für den 31. Mai Betriebsruhe vereinbart“, erklärt Sprecherin Sylvana Hallwas. Diesmal gibt es sogar einen speziellen Grund: „Durch die langen Einsätze am vergangenen Wahlsonntag kann das verlängerte Wochenende eine willkommene Möglichkeit sein, um sich zu entspannen“, sagt Hallwas weiter. Direkte Einspareffekte in der Verwaltung gebe es dadurch zwar nicht. Dennoch könnten die Mitarbeiter Überstunden abbummeln. In diversen städtischen Einrichtungen werde am Brückentag dennoch regulär gearbeitet. Dazu gehören in Weißwasser die Kindereinrichtungen sowie die Schwimmhalle.

Auch im Senftenberger Rathaus bleiben die Türen am Brückentag geschlossen. Mehr noch: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass gerade an Brückentagen das Dienstleistungsangebot der Stadt von den Bürgern sehr wenig in Anspruch genommen wird“, sagt Sprecherin Anja Schmiedgen.

Auf die gleiche Erfahrung verweist der Landkreis Oberspreewald-Lausitz. „Die generelle Nachfrage im Bürgerservice ist als sehr gering einzuschätzen“, erklärt Referent Stephan Hornak. Dennoch bleibe die OSL-Kreisverwaltung nicht an allen Brückentagen geschlossen. So werde beispielsweise am Freitag, 1. November, trotz des vorangegangenen Reformationstages geöffnet.

 Die Seebrücke im Senftenberger Stadthafen ist jederzeit, also auch an Brückentagen, für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die Seebrücke im Senftenberger Stadthafen ist jederzeit, also auch an Brückentagen, für die Öffentlichkeit zugänglich. FOTO: Torsten Richter-Zippack / Torsten RIchter-Zippack

Das Görlitzer Landratsamt bleibt an Brückentagen hingegen generell zu. Anlass bilde eine entsprechende Vereinbarung zwischen der Dienststelle und der Personalvertretung, informiert Sprecherin Franziska Glaubitz. Die Mitarbeiter bauen dann Überstunden ab und beantragen Urlaub. Letztendlich kontaktieren weniger Bürger die Behörde an Brückentagen als an normalen Wochentagen. Darüber hinaus verfügt das Landratsamt bislang über keinen zentralen Bürgerservice, der die Dienstleistungen aller Ämter abbildet.

Anders sieht es dagegen im Landratsamt Bautzen aus. „Der 31. Mai ist bei uns ein ganz normaler Arbeitstag. Regulär sind am Freitag das Bürgeramt sowie die Fahrerlaubnisbehörde und Zulassungsstelle bis 13 Uhr geöffnet“, sagt Sprecherin Sabine Rötschke. „Es geht uns dabei um den Servicecharakter der Behörde. Wir gehen davon aus, dass gerade ein solcher Brückentag genutzt wird, um verschiedene Dinge, eben auch bei der Behörde, zu erledigen.“

Auch das Rathaus in Bad Muskau hat am 31. Mai geöffnet. Die Bereiche mit Publikumsverkehr, etwa das Einwohnermeldeamt und das Standesamt, sind besetzt, erklärt Rathausmitarbeiter Dirk Eidtner. „Gerade an diesen Tagen werden Dienstleistungen von Bürgern nachgefragt, die sonst keine Möglichkeit haben, ins Rathaus zu kommen“, begründet Eidtner. Dennoch hätten auch viele Mitarbeiter am Brückentag regulär frei.

In der Wirtschaft gibt es ebenfalls unterschiedliche Bestimmungen zu den Werktagen, die sich zwischen einem Feiertag und dem Wochenende befinden. Beim Wärmetechnik-Hersteller Yados GmbH in Hoyerswerda wird der Brückentag nach Himmelfahrt in diesem Jahr zum ersten Mal so richtig zelebriert. Das Unternehmen mit Sitz im Gewerbegebiet Nardt hat an diesem Freitag erstmals überwiegend Betriebsruhe ausgerufen. „Nur eine Notbesetzung für den Kundendienst ist im Einsatz“, bestätigt Prokurist und Unternehmenssprecher Olaf Besser auf Nachfrage der RUNDSCHAU. Die meisten der insgesamt 220 Yados-Mitarbeiter hätten jedoch einen freien Tag. Die Entscheidung dafür sei betriebsintern gefallen, nachdem die vergangenen Monate wegen übergroßer Nachfrage und sehr guter Auftragslage „sehr arbeitsintensiv für alle unsere Mitarbeiter waren. Unsere Leute haben sich den Ruhetag und das lange Wochenende nach der monatelangen hohen Belastung verdient“, sagt Olaf Besser.

Betriebsruhe gibt es dieses Jahr erstmals auch in der Pewo Energietechnik GmbH in Bergen in der Elsterheide. Während sich also auch im Lausitzer Seenland zunehmend Wirtschaftsunternehmen für einen Brückentag nach Himmelfahrt entscheiden, ist für den Handel und die Dienstleistungsbranche an solchen Tagen gewöhnlich „Großkampftag“. Das bestätigt Sven Hannatzsch, Marktleiter des Kauflandes in Senftenberg. Das lange Wochenende, heimgekehrte Pendler, Ausflügler und Touristen: Darauf müsse sich ein Einkaufsmarkt einstellen. „Wir erwarten an den Tagen nach dem Feiertag überdurchschnittlichen Kundenansturm. Unsere Mitarbeiter können also keinen Brückentag genießen“, sagt der Kaufland-Marktleiter. „Viel eher wird hier jede Hand gebraucht.“

Egal, ob Feiertag, Brückentag oder Wochenende: „Die Versorgung der Patienten im Lausitzer Seenland-Klinikum im Hoyerswerda ist immer vollumfänglich gewährleistet“, stellt Sprecher Gernot Schweitzer klar. „Wir haben am Freitag keine Einschränkungen in der Patientenaufnahme. Alle Leistungen und Untersuchungen werden wie an einem normalen Freitag erbracht beziehungsweise durchgeführt.“ Dennoch nutzen viele Mitarbeiter den Brückentag gern für einen Kurzurlaub. „Das ordnet sich aber dem normalen Dienstplan unter“, sagt Schweitzer.

Ähnlich sieht es im Klinikum Niederlausitz in Senftenberg und Lauchhammer aus. Obwohl Brückentage für Urlaube beliebt sind, gebe es klare Vorgaben, um die Patientenversorgung gleichbleibend gut sicherzustellen, merkt Sprecherin Kristin Dolk an. Egal, ob Brückentag oder nicht: Die Versorgung und Betreuung der Patienten genieße immer oberste Priorität.

Im Übrigen müssen gerade zu und direkt nach Himmelfahrt mehr Patienten als sonst aufgenommen werden. Das betreffe in erster Linie die Notaufnahme, sagt Dolk. Die stationären Patientenaufnahmen befinden sich hingegen unter den Jahresdurchschnitt. „Dort geht es also tatsächlich etwas ruhiger zu“, kommentiert die Sprecherin.