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| 01:02 Uhr

Nicht alle Winter-Latschen passen

Senftenberg.. Der Winter naht. Überfrierende Nässe und Blitzeis gehören zu den gefährlichsten Feinden der Auto-Lenker. Denn trotz widriger Fahrbahnverhältnisse müssen sich die Räder drehen auf den Straßen. Bei jedem Wetter. Archivfoto: Steffen Rasche

Während die mobilen Bürger hinterm Steuer den ersten kräftigen Wintereinbruch gewöhnlich gut überstehen, steigt das Unfallrisiko mit Fortschreiten der kalten Jahreszeit und länger anhaltender Witterung - belegt die Polizei-Statistik.
Jedes Unfallprotokoll trifft klare Aussagen zu den Fahrbahn- und Sichtverhältnissen. Bis auf plötzlich gefrierende Nässe hat der Autolenker seine und die Sicherheit seiner Fahrgäste selbst im Bein - nämlich durch den mehr oder weniger starken Druck aufs Gaspedal. Als alleinige Unfallursache kommt Glätte so gut wie nie ins Protokoll. Nur plötzliches Blitzeis lässt die physikalischen Gesetze fast unkontrollierbar durch den Fahrer über das Auto siegen. Da verzeichnet die Polizei allerdings kaum Unfälle mit Personenschaden.
Meist sind Kollisionen zu registrieren, weil das Tempo den Fahrbahnverhältnissen nicht ausreichend angepasst wird, belegt die Statistik. „Wir stellen auch immer wieder fest, dass sich die Fahrer bei Wetter, das auf den Straßen zu gefährlichen Situationen führen kann, zu stark aufs ESP (Elektronisches Stabiltätsprogramm) verlassen. Sich durch die Technik in Sicherheit zu wiegen, kann tödlich enden. Die Systeme sind eine Erleichterung für die Fahrzeugführer, dürfen aber nicht überbewertet werden“ , mahnt Polizeihauptkommissar Siegmar Günther.
Das gilt auch für Winterreifen. Dass die durchaus nützlich sein können, musste (mehr als) eine Fahrerin im vergangenen Winter schmerzlich feststellen, als sie beim Anfahren auf dem schneebedeckten Parkplatz vor einem Einkaufszentrum mit einem auf der benachbarten Stellfläche befindlichen Auto kollidierte. Die Räder drehten durch, das Heck brach aus und wurde gegen das geparkte Auto gedrückt. Teure Beulen waren die Folge. „Es ist zwar keine Pflicht, die Winterbereifung zu fahren. Im Schadensfall fragen die Versicherungen aber sehr oft nach“ , erklärt Siegmar Günther. Dem Auto das rechte „Schuhwerk“ für die kalten Tage anzulegen, gehört aber bei den meisten Viel-Fahrern dazu. Allerdings gehen sie dabei bei Weitem nicht immer korrekt vor. Dem Sparzwang folgend greifen die Bürger im nächsten Baumarkt zum Sonderangebot und kaufen die billigsten Reifen. Die müssen aber nicht zwingend zum eigenen Fahrzeug passen. Bei Kontrollen werden durch die Polizei immer wieder Ver stöße festgestellt, die in Geldbußen münden. Ordnungswidrig (und gefährlich) ist, Diagonal- und Radialreifen am Fahrzeug zu mischen. Auch die Geschwindigkeitssymbole werden immer wieder ignoriert. Grundsätzlich müssen Winterreifen das zulässige Höchsttempo des Fahrzeuges auf die Straße bringen können. Auch wenn sie mehr Tempo machen können, als das Auto schafft, ist das in Ordnung. Wer an der Bereifung spart und Reifen kauft, die für eine geringere Höchstgeschwindigkeit als der Pkw zugelassen sind, darf das Maximaltempo nicht überschreiten und muss eine „Erinnerungs-Plakette“ mit dem Wert, den die Winterreifen bringen, im Fahrer-Sichtbereich anbringen. (KaWe)

Hintergrund Winterbereifung
  Winterbereifung an Autos wird für die kalte Jahreszeit grundsätzlich empfohlen, Pflicht ist sie nicht.
Das Verwenden von Reifen, deren Geschwindigkeitssymbol unter dem im Fahrzeugschein eingetragenen Höchsttempo liegt, führt automatisch zum Erlöschen der Betriebserlaubnis.
Trotzdem aufgezogen werden dürfen „die Winter-Latschen“ , die weniger Tempo machen können als in der Zulassung des Pkw vermerkt, wenn im Sichtfeld des Fahrers eine Plakette mit der zulässigen Maximal-Geschwindigkeit des verwendeten Reifens angebracht ist und diese nicht überschritten wird.
Gesetzliche Grundlage für die Bereifung ist Paragraf 36 der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVzO).