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| 11:21 Uhr

NGG-Gewerkschaft: Gastgewerbe hat ein Image-Problem
13-Stunden-Schichten im Spreewald und Seenland bald normal?

   Der Rostige Nagel am Sornoer Kanal erfreut sich bei den Seenland-Touristen größter Beliebtheit. das Gastrogewerbe in der Region kämpft jedoch zunehmend mit Arbeitskräftemangel - auch wegen schlechter Bedingungen.
Der Rostige Nagel am Sornoer Kanal erfreut sich bei den Seenland-Touristen größter Beliebtheit. das Gastrogewerbe in der Region kämpft jedoch zunehmend mit Arbeitskräftemangel - auch wegen schlechter Bedingungen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Lausitz. Die Tourismusbranche meldet Rekordergebnisse für Brandenburg. Auf die Kehrseite des Booms macht die Gewerkschaft NGG aufmerksam. Vor allem die Arbeitszeiten werden kritisiert. Von Sybille von Danckelman

„Es fehlen hier zunehmend Fachkräfte“. Aber nicht, weil sie nicht da sind, sondern „auch, weil die Branche ein waschechtes Image-Problem hat“, sagt Sebastian Riesner, der Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg.

Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz beschäftigt das Gastgewerbe nach Angaben der Arbeitsagentur rund 2000 Menschen, 2300 im Landkreis Spree-Neiße, 1300 im Elbe-Elster-Land. Und die haben immer extremere Arbeitszeiten.

Zwar gehöre das Arbeiten am Abend oder am Sonntag für Hotelfachleute und Kellner fest zum Job. „Aber in den vergangenen Jahren sind die Schichten deutlich länger und die Erholungszeiten kürzer geworden. Das macht nicht jeder ewig mit“, so Riesner.

 Sebastian Riesner, Geschäftsführer NGG-Region Berlin Brandenburg: Hoteliers und Gastronomen sollten die Branche durch gute Ausbildungsqualität und Bezahlung nach Tarif attraktiver machen.
Sebastian Riesner, Geschäftsführer NGG-Region Berlin Brandenburg: Hoteliers und Gastronomen sollten die Branche durch gute Ausbildungsqualität und Bezahlung nach Tarif attraktiver machen. FOTO: NGG Berlin Brandenburg

NGG kritisiert 13-Stunden-Arbeitstage im Gastgewerbe

Er kritisiert insbesondere die Forderungen von Unternehmern, das Arbeitszeitgesetz zu lockern. „Geht es nach dem Dehoga-Bundesverband, dann sollen 13-Stunden-Arbeitstage bald zum Normalfall werden. Aber hier steht die Gesundheit der Beschäftigten auf dem Spiel. Nicht umsonst gibt es gesetzliche Grenzen“, so Riesner. Das Arbeitszeitgesetz schreibt eine Regelarbeitszeit von acht Stunden täglich vor. In Ausnahmefällen kann sie auf zehn Stunden ausgedehnt werden.

Nach einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin steigt das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde exponentiell an. Und wer oft im Schichtdienst arbeitet, der hat ein erhöhtes Risiko, am Herzen oder an Diabetes zu erkranken.

NGG: Arbeitsbelastung im Gastgewerbe hat zugenommen

„Die guten Übernachtungszahlen und steigende Umsätze zeigen, wie groß der Einsatz der Beschäftigten in der Gastronomie und Hotellerie ist“, sagt Riesner. Im Kreis Oberspreewald-Lausitz arbeiteten gerade gelernte Fachkräfte „längst am Limit“. Die dürfe man nicht mit „Horror-Arbeitszeiten“ verprellen. Schon jetzt falle es der Branche schwer genug, Schulabgänger für eine Ausbildung zu gewinnen.

Die NGG warnt davor, das Gastgewerbe zum „Vorreiter für ausufernde Arbeitszeiten“ zu machen. Bei einer aktuellen Branchenumfrage der Gewerkschaft gaben 81 Prozent der Befragten an, ihre Arbeitsbelastung habe in den letzten Jahren zugenommen. Fast jeder Zweite muss demnach in der Freizeit für den Betrieb einspringen.

Arbeit auf Abruf im Gastgewerbe

Hinzu komme die Arbeit auf Abruf, von der im Gastgewerbe jeder Vierte betroffen ist. „Wenn der Chef per WhatsApp in letzter Sekunde die Dienste verteilt, dann können Beschäftigte ihren Alltag kaum planen“, kritisiert Riesner. Da müsse sich niemand über den Trend, in den Einzelhandel abzuwandern, wundern. Der zahle auch deutlich besser.

Und statt längere Arbeitszeiten zu fordern, sollten Hoteliers und Gastronomen die Branche attraktiver machen: „Das fängt bei einer guten Ausbildungsqualität an und reicht bis zur Bezahlung nach Tarifvertrag. Und wenn das Personal Spaß an der Arbeit hat, dann kommen die Gäste auch gern wieder.“