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Neustart auf Campingplatz Ortrand

Silke und Karlheinz Philipp aus Großthiemig bringen den Campingplatz Ortrand wieder an den Markt. Das Freibad, der Streitpunkt in den zuvor mehrfach gescheiterten Verkaufsverhandlungen zuvor, soll von einem Verein gerettet werden.
Silke und Karlheinz Philipp aus Großthiemig bringen den Campingplatz Ortrand wieder an den Markt. Das Freibad, der Streitpunkt in den zuvor mehrfach gescheiterten Verkaufsverhandlungen zuvor, soll von einem Verein gerettet werden. FOTO: Steffen Rasche/str1
Ortrand. Die nunmehr dritte Badesaison auf dem Trockenen in Ortrand soll die letzte sein. Der Campingplatz und das Freibad sind an eine junge Familie aus Großthiemig verkauft. Kathleen Weser

Für zwölf Millionen D-Mark war die touristische Freizeitanlage Ende der 90er-Jahre mit Fördermitteln und Geldern der Arbeitsförderung errichtet worden. Der laufende Betrieb hat die Amtsgemeinden finanziell überfordert. Mit etwa 130 000 Euro haben sie den Wasserspaß zuletzt pro Jahr subventioniert - und dann pünktlich nach Auslaufen der Fördermittelbindungsfristen abwehrend die Hände gehoben. Die vereinte Badelust endete so im großen Frust.

Mehrmals ist der Verkauf dann an der von der Stadt Ortrand hartnäckig verfolgten Auflage geplatzt, dass der Erwerber den öffentlichen Badebetrieb aufrechterhalten muss. Dem hat die Bürgschaftsbank des Landes Brandenburg, die die neuen Erwerber jetzt begleitet, einen Riegel vorgeschoben. Das bestätigt Bürgermeister Niko Gebel (CDU). Der Geldgeber hat Klartext gesprochen: Öffentliche Infrastruktur, die mit größter Wahrscheinlichkeit defizitär ist und bleibt, ist privat nicht zu finanzieren. Ein Verein soll deshalb gegründet werden, der das Freibad ab nächstem Sommer betreiben soll. Das, so betont Gebel, sei ein Modell gegen das Freibädersterben, das bundesweit Schule mache.

Der Badespaß in Ortrand soll erneut subventioniert werden: zunächst jährlich mit 50 000 Euro aus der Kasse des Amtes und weiteren 150 000 Euro aus dem Stadthaushalt. Das sei beschlossene Sache.

Erwerber Karlheinz Philipp aus Großthiemig erfüllt sich, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Silvia, jetzt "den Lebenstraum vom eigenen Campingplatz". Seit der Kindheit ist der sportlich-aktive 36-Jährige, der in Dresden als touristischer Freizeitanbieter bereits unternehmerisch tätig ist, ein begeisterter Camper. In den Erlebnis-Campingplatz bei Ortrand steckt die Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern alle Kraft und viel Herzblut. Die sieben Gästezimmer und zwei Ferienwohnungen im Haupthaus werden derzeit renoviert und liebevoll neu eingerichtet. Die Tour Brandenburg, ein überregionaler Radwanderweg, führt direkt bis vor das Tor. Die ersten Pedalritter und die Camper, die dem Platz im Grünen mit der perfekten Autobahnanbindung und trotzdem beschaulicher Ruhe bis zuletzt eisern die Treue gehalten haben, kehren zurück. "Das ist ein schönes Gefühl und für uns ein guter Start", sagt Silke Philipp. Die Betriebswirtin, die als Expertin in einem Steuerbüro bislang auch Unternehmen begleitet hat, dämpft die Erwartungen. Kurzfristig soll der Ganzjahres-Campingplatz wieder voll in Betrieb genommen werden. Dann steht das Restaurant auf dem Plan. Zukunftsmusik ist ein Spielepark für Familien vom Kleinkind bis zur Oma, der auch unbedingt barrierefrei sein soll. Und das Unternehmerpaar will sich auch einbringen, um das Freibad wieder flott zu machen. Das freilich ist der große Brocken. "Aber wir schaffen das", wiederholt das Stadtoberhaupt "gern erneut gebetsmühlenartig". Niko Gebel räumt ein, dass er vor zwei Jahren - mit der Blockade des Verkaufes an neue Nutzer ohne Ambitionen, das Freibad wieder in Gang zu bringen - noch ohne Plan mit dem großen Mundwerk vorgeprescht war. "Ich habe also auch Glück gehabt, dass wir diese mutige Unternehmerfamilie gefunden haben", stellt er fest.

Zum Thema:
Der Campingplatz Ortrand mit etwa 100 Stellplätzen für Caravane und Platz für 40 Zelte ist vom Amt Ortrand mit dem Freibad und weiteren 4000 Quadratmetern Erweiterungsfläche an den Unternehmer Karlheinz Philipp aus Großthiemig verkauft worden. Die touristische Freizeitanlage soll zur Eingangspforte des Lausitzer Seenlandes und der sächsischen Landeshauptstadt Dresden mitten im Grünen werden. Das Amt Ortrand will, um das mit auf den Weg zu bringen, jetzt auch in den Tourismusverband Lausitzer Seenland eintreten.