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| 16:08 Uhr

Letzte Wanderung
Neujahrswanderer gehen letztmals über Grenzen

Eckhard Hoika erklärt die Wasserüberleitung vom Oberen Landgraben zum Sedlitzer und weiter zum Großräschener See.
Eckhard Hoika erklärt die Wasserüberleitung vom Oberen Landgraben zum Sedlitzer und weiter zum Großräschener See. FOTO: Torsten Richter-Zippack / LR
Partwitz/Lieske. 80 Naturfreunde erkunden am Sonntag mit Wirt Christoph Pech das Lausitzer Seenland.

Rund 80 Menschen haben sich am ersten Sonntag des neuen Jahres zur vorerst letzten Partwitzer Neujahrswanderung getroffen. Nach anderthalb Jahrzehnten gibt der Organisator und Wirt des Partwitzer Hofes, Christoph Pech, auf. „Aus Mangel an geeignetem Personal“, erklärt der aus Hosena stammende Gastronom. Für die Seenland-Touristen gebe es allerdings einen Lichtstreif am Horizont. „Klappt alles wie geplant, wird im März der Partwitzer Hof mit einem neuen Pächter wiedereröffnet“, kündigt Pech an.

Seine finale Neujahrswanderung führt von Partwitz hinüber nach Lieske, pro Strecke immerhin 6,6 Kilometer. Sowohl für den sächsischen als auch für den brandenburgischen Abschnitt hat Christoph Pech Wanderführer angeheuert. Zunächst erklärt Matthias Müller von der Gemeinde Elsterheide die Landschaft, anschließend der Altdöberner Touristiker Eckhard Hoika, der während der Saison mit seinen „Seeschlangen“ den Gästen die Landschaft im Wandel präsentiert. Direkt an der Landesgrenze übernimmt Hoika von seinem sächsischen Kollegen den Staffelstab. „Wir gehen jetzt über die Grenze. Folgen Sie mir einfach, das tut gar nicht weh“, lädt Eckhard Hoika augenzwinkernd ein. Und zeigt sogleich auf eine große Wiese, die sich zwischen dem Oberen Landgraben und dem Ufer des Partwitzer Sees erstreckt. „Hier findet im Frühsommer wieder ein großes Festival statt“, kündigt der Wanderführer an. Konkret handele es sich um das „Sealand Festival“, das vom 8. bis 10. Juni vorwiegend junge Leute in die Region locken soll.

Apropos Oberer Landgraben: Nach jahrelanger Trockenheit führt das künstliche Gewässer endlich Wasser. „Mindestens dreimal pro Woche strömen drei Kubikmeter Wasser hier durch“, erklärt Eckhard Hoika. Das Nass stamme aus der Spree, fließe über den Landgraben zum Sedlitzer See und werde dort in den benachbarten Großräschener See gepumpt. So steige dessen Wasserstand Woche für Woche um jeweils zehn Zentimeter an. „Dass es so schnell geht, darauf hätte ich keinen Pfennig gegeben“, kommentiert Hoika. Tatsächlich solle bereits in diesem Jahr der Großräschener Hafen eingeweiht werden.

Die Neujahrswanderer, die zunächst über den asphaltierten Radweg, später über einen sandigen Uferweg entlang des Partwitzer Sees stapfen, kommen aus dem Staunen gar nicht mehr hinaus. Nicht minder spannend präsentiert sich auch kurz vor Lieske der Panoramablick über den Sedlitzer See. Mit rund 1400 Hektar Fläche handelt es sich nicht nur um das größte Gewässer des Lausitzer Seenlandes, sondern sogar ganz Brandenburgs. Das Wasser im ehemaligen Tagebau Sedlitz, so erfahren die Naturfreunde, werde noch um gut sechs Meter ansteigen, bis der Flutungsendstand erreicht ist. Derzeit sei dies noch nicht möglich, da die Ufer saniert werden. Voran gehe es auch im künftigen Gewerbegebiet Sedlitzer Nordufer. Der Wald wurde Ende 2017 gerodet, jetzt könne die Erschließung beginnen. Unter anderem, so weiß Eckhard Hoika, wolle sich ein Unternehmen ansiedeln, das Rettungsboote baut.

In Lieske kehren die Wanderer im Schnippa-Hof ein. Titus Schnippa hatte das historische Anwesen anno 2012 erworben. Derzeit werde das Wohnhaus saniert. Mittelfristig solle ein kleiner Landwirtschaftsbetrieb entstehen. Zwölf Rinder habe er bereits, ebenfalls einen neuen Stall. Weitere Tiere kämen zukünftig hinzu. Zudem verrät Schnippa, dass er und seine Lebensgefährtin schon im Frühjahr Nachwuchs erwarten.

Darüber hinaus besichtigen die Wanderer die Liesker Fachwerkkirche und lauschen dem Orgelkonzert des Blunschen Organisten Sebastian Paulo. „Sobald es das Wetter zulässt, werden wir den Kirchturm streichen“, kündigt Dieter Wagner von der Kirchengemeinde an. Natürlich ganz in Schwarz, dann komme das Weiß zwischen den Fachwerkbalken des Kirchenschiffs noch schöner zur Geltung.

Die Wanderer sind vom Partwitzer Neujahrstouren-Finale jedenfalls begeistert. So wie Elke Schötz und Elfi Sobolewski aus Sabrodt und Bluno: „Wir haben diesmal sogar auf den Start beim Hoyerswerdaer Neujahrslauf verzichtet, um dabei sein zu dürfen“, sagt Schötz. „Das Tempo ist völlig in Ordnung, die Stimmung gut und die Strecke spannend.“ Nur das Wetter hätte besser sein können. Doch von plus drei Grad, leichtem Nieselregen und einem auffrischenden Ostwind lässt sich ohnehin keiner der 80 Neujahrswanderer abschrecken.