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Baustelle
Neues Trostpflaster auf der B 169

Die Ortsdurchfahrt in Schwarzheide-Ost ist bereits am Freitag wieder für den Verkehr freigegeben worden.
Die Ortsdurchfahrt in Schwarzheide-Ost ist bereits am Freitag wieder für den Verkehr freigegeben worden. FOTO: Jan Augustin
Allmosen/Schwarzheide-Ost. In Allmosen und Schwarzheide-Ost rollt der Verkehr wieder. Die Umleitungen sind aufgehoben. Für Anwohner bedeutet das Ende der Bauarbeiten Fluch und Segen zugleich. Jan Augustin / jag

Für Christina Günther waren die letzten zwei Monate ein Segen. Endlich mal wieder durchschlafen. Kein Laster, der des Nachts am Schlafzimmer der 65-Jährigen vorbeidonnert. Am Tage: nur ein paar brummende Baumaschinen. Damit ist jetzt Schluss. Im Laufe dieses Samstags, dem Vernehmen nach schon um 10 Uhr, soll die Allmosener Ortsdurchfahrt wieder für den Verkehr freigegeben werden. Angst habe die Ruheständlerin nicht vor dem Moment, sie lebt ja schon immer hier. "Man kann sich das jetzt aber auch anders vorstellen", sagt sie vor ihrem Hof direkt an der Bundesstraße. Die letzte ruhige Nacht haben die Allmosener am Freitagabend noch einmal mit einem kleinen Straßenfest eingeläutet. Klar sei es schön, dass die Straße wieder schick ist, findet Christina Günther: "Viele sagen aber: Das ist nur ein Trostpflaster." Eine Umgehungsstraße ist seit Jahrzehnten geplant und Gerichtsurteile, die Lärmklägern recht geben, werden nicht umgesetzt, sagt Christina Günther frustriert. Wenigstens aber soll der Transitverkehr dort bleiben, wo er hingehört: auf die Autobahn.

Vor allem internationale Speditionen scheren sich darum jedoch kaum, wenn sie vermeintlich schneller und günstiger woanders lang kommen. Selbst in den letzten zwei Monaten - oder vier, wie in Schwarzheide-Ost - ist das Durchfahrtsverbot von vielen Brummi-Fahrern immer wieder ignoriert worden. Schlupflöcher fanden sie auf Radwegen. Polizeikontrollen gab es nur sporadisch.

Das bestätigt Sören Ziegler. Der 43-Jährige ist der Star-Tankstellen-Pächter in Schwarzheide-Ost. Nur einmal sei er innerhalb von 16 Wochen überprüft worden, ob er wirklich Anlieger ist. Für den Unternehmer ist die Freigabe der Ortsdurchfahrt indes ein Segen. Während der Bauzeit machte er seine Tanke komplett dicht. Die Einnahmen: gleich null. Eine Entschädigung gab's nicht. Teilweise musste er sogar Personal entlassen, das er jetzt wieder einstellt. Den Ärger von lärmgeplagten Anwohnern könne er trotzdem nachvollziehen. "Aber die B 169 ist auch eine wirtschaftlich wichtige Achse der Lausitz", betont er. Den Transitverkehr, der ohne einen Halt an ihm vorbeirauscht, den brauche er auch nicht.

Zum Thema:
Nach zwei beziehungsweise vier Monaten sind die Bauarbeiten in Allmosen und Schwarzheide-Ost pünktlich abgeschlossenen. Laut Infrastruktur-Ministerium wurden insgesamt knapp zwei Millionen Euro investiert. Schwerpunkte waren die Fahrbahnerneuerung auf der Bundesstraße 169, neue Straßenentwässerungen, die Herstellung von Geh- und Radwegen sowie Markierungs- und Beschilderungsarbeiten.