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LR vor Ort
Neuer Verein will Badespaß ins Freibad zurückholen

Die beiden Freibad-Eigentümer Silke und Karlheinz Philipp (v.l.), der stellvertretende Vereinsvorsitzende Mike Bethke sowie Vereinschef Nico Gebel wollen mit der neu gegründeten „Wassersportgemeinschaft 1925“ in Ortrand ein Zentrum für Freizeit, Tourismus und Sport aufbauen.
Die beiden Freibad-Eigentümer Silke und Karlheinz Philipp (v.l.), der stellvertretende Vereinsvorsitzende Mike Bethke sowie Vereinschef Nico Gebel wollen mit der neu gegründeten „Wassersportgemeinschaft 1925“ in Ortrand ein Zentrum für Freizeit, Tourismus und Sport aufbauen. FOTO: Mirko Sattler
Ortrand. In der Pulsnitz-Stadt ist ein neuer Verein gegründet worden: Die Wassersportgemeinschaft 1925 will das Freibad in Ortrand wieder in Betrieb nehmen und hat ein großes Ziel vor Augen: In der Region soll ein Zentrum für Freizeit, Tourismus und Sport entstehen. Von Jan Augustin und Kathleen Weser

Wenn es nach Nico Gebel gegangen wäre, dann hätte das Freibad nie zugemacht werden dürfen. Doch als das CDU-Mitglied im Mai 2014 damals mit 27 Jahren zum jüngsten Brandenburger Bürgermeister in das Ortrander Rathaus gewählt wurde, da hat er die Schließung der Anlage als erstes trauriges Erbe übernommen. Für zwölf Millionen D-Mark war die touristische Anlage Ende der 1990er-Jahre mit Fördermitteln und mit Geldern der Arbeitsförderung errichtet worden. Der Betrieb aber hat die Amtsgemeinden finanziell überfordert. Zuletzt wurden jährlich etwa 130 000 Euro zugeschossen und dann pünktlich nach Auslaufen der Fördermittelbindungsfristen abwehrend die Hände gehoben. Mehrmals war der Verkauf an der von der Stadt Ortrand hartnäckig verfolgten Auflage geplatzt, dass der Erwerber den öffentlichen Badebetrieb aufrechterhalten muss.

Es keimt aber neuer und berechtigter Optimismus in der Stadt. Im Sommer vorigen Jahres sind der Campingplatz und das Freibad an Silke und Karlheinz Philipp verkauft worden. Das junge Unternehmerpaar aus Großthiemig kann nun seinen „Lebenstraum vom eigenen Campingplatz“ leben. Jetzt hat sich auch noch ein Verein gegründet –  die „Wassersportgemeinde 1925“. Vorsitzender ist, so wie vor knapp 100 Jahren, der Bürgermeister. Nico Gebel und die bisher rund 30 Mitglieder haben für das Freibad ein klares Ziel vor Augen: die Wiedereröffnung im Mai 2019. „Nur mit gebündelten Kräften von Bürgern, Investoren, Unternehmen und der Stadt kann dieses Projekt gelingen“, betont Gebel. Aktuell tüfteln die Vereinsmitglieder an möglichen Varianten und Technologien für das umbaubedürftige Bad. Im Gespräch sei eine Art Naturbad, diskutiert werden aber konventionelle Versionen. „Die Mitglieder suchen bundesweit nach Ideen“, sagt Nico Gebel. Ein großes Arbeitsfeld sei zudem die Suche nach den richtigen Fördermitteltöpfen. Als Investitionsminimum geht der Vereinschef von 200 000 Euro aus. Je nach Variante können die Kosten aber auch noch deutlich steigen.

Für die Gesamtanlage hat der Verein ein großes Ziel: „In der Region soll ein Zentrum für Freizeit, Tourismus und Sport entstehen“, erläutert Gebel. Das gesamte Projekt soll vor allem durch private Investoren, der Initiative von Bürgern, aber auch durch Begleitung der Stadt und einzelner Gemeinden realisiert werden. Stichwortartig nennt Gebel erste Ideen: Spiel- und Sportanlagen, Übernachtungsmöglichkeiten, Reitmöglichkeiten, Angelteich, Grillplätze, Kletterlandschaften, natürlich das Freibad und der Campingplatz und vieles mehr.

Die Philipps als neue Eigentümer haben schon viel Herzblut und Arbeitskraft in das Projekt gesteckt. Die sieben Gästezimmer und zwei Ferienwohnungen im Haupthaus werden derzeit renoviert und neu eingerichtet. Die Tour Brandenburg, ein überregionaler Radwanderweg, führt direkt bis vor das Tor. Die ersten Pedalritter und die Camper, die dem Platz im Grünen mit der perfekten Autobahnanbindung und trotzdem beschaulicher Ruhe bis zuletzt eisern die Treue gehalten haben, kehren zurück. „Das ist ein schönes Gefühl und für uns ein guter Start“, sagt Silke Philipp. Kurzfristig soll der Ganzjahres-Campingplatz wieder voll in Betrieb genommen werden. Dann steht das Restaurant auf dem Plan. Zukunftsmusik ist ein Spielepark für Familien vom Kleinkind bis zur Oma, der auch unbedingt barrierefrei sein soll.

Und das Unternehmerpaar will sich auch einbringen, um das Freibad wieder flottzumachen. Das freilich ist der große Brocken. „Jetzt boomt die Wirtschaft. Die Kassen sind voll, und wir kriegen das nicht hin? Wir schaffen das“, betont das Stadtoberhaupt.