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| 16:15 Uhr

Schwarzheide
Neuer Plan für den Wasserturm

Mit seinen 36 Metern zählt der Schwarzheider Wasserturm zu den höchsten Bauwerken in der Chemiestadt. Die durch französische Kriegsgefangene errichteten Außenmauern sind allerdings nur von innen zu sehen.
Mit seinen 36 Metern zählt der Schwarzheider Wasserturm zu den höchsten Bauwerken in der Chemiestadt. Die durch französische Kriegsgefangene errichteten Außenmauern sind allerdings nur von innen zu sehen. FOTO: Richter-Zippack
Schwarzheide. Der Schwarzheider Wahrzeichen steht jetzt unter Denkmalschutz. Bündnisse fürs Leben sollen hier geschlossen werden. Fernsicht bleibt ein Traum, eine Aussichtsplattform ist unrealistisch. Von Torsten Richter-Zippack

Heiraten im Wasserturm – gibt es so etwas in der Lausitz überhaupt? Gibt es, und zwar im Wasserturm Neu-Geisendorf in Neupetershain. Und mittelfristig wohl auch in Schwarzheide. Denn der große Raum im Turminneren könnte, so stellt es sich zumindest Bürgermeister Christoph Schmidt vor, als Hochzeitssaal fungieren. „Dort lockt eine theaterähnliche Kulisse sowie ein Blick über Schwarzheide“, preist das Stadtoberhaupt seine Idee an. Bislang kann in der Stadt lediglich im Bürgerhaus sowie im Achat-Hotel geheiratet werden.

Bis zum ersten Ja-Wort im 36 Meter hohen Wahrzeichen der Stadt ist es allerdings noch eine weite Strecke. „Wir benötigen einen zweiten Fluchtweg sowie einen behindertengerechten Zugang, ebenso Sanitäranlagen“, dämpft Christoph Schmidt allzu schnelle Erwartungen. Immerhin ist eine seiner weiteren Visionen erst vor Kurzem in Erfüllung gegangen. „Unser Wasserturm steht unter Denkmalschutz“, frohlockt der 42-Jährige. Das bestätigt das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum: „Ja, wir haben den Schwarzheider Wasserturm bereits seit Längerem im Blick“, sagt Dr. Matthias Baxmann vom Referat Technische Denkmale. Kein Wunder, kennt sich der Experte doch in der Region besonders aus. Baxmann war bei der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land als Sprecher der Arbeitsgruppe Industriekultur tätig. Neben dem Wasserturm standen da insbesondere die Werkssiedlungen im Fokus. Direkt unterhalb des Schwarzheider Wahrzeichens erstreckt sich die Wasserturmsiedlung, die insgesamt 445 Wohnungen umfasst.

Erste Planungen für den namensgebenden Turm gehen bereits auf das Jahr 1939 zurück. Gebaut wurde dann 1943/1944 durch französische Kriegsgefangene. Die bisherige Wasserversorgung seitens des Werkes in Dolsthaida (heute Lauchhammer-Süd) reichte wegen der stark wachsenden Industriegemeinde Schwarzheide aufgrund des Aufbaus des Brabag-Werkes bald nicht mehr aus. So wurde der Turm errichtet, der die Wasserknappheit beendete.

Ursprünglich planten die Architekten, das Bauwerk in ein neues Rathaus zu integrieren. Letzteres wurde wegen des Zweiten Weltkrieges nicht mehr verwirklicht. „Es war damals nicht unüblich, Wassertürme in Rathäuser einfließen zu lassen“, hat Matthias Baxmann recherchiert. Ein vollendetes Beispiel sei das Ensemble in Neuenhagen bei Berlin. Dessen wuchtiger Turm überragt sein Schwarzheider Pendant um fast sechs Meter.

Die Unterdenkmalstellung des Wasserturms im Herzen der Chemiestadt führe keineswegs dazu, dass das Bauwerk nicht mehr genutzt werden könne, stellt Baxmann klar. „Denkmalschutz ist keine Käseglocke. Der Turm eignet sich für die Nachnutzung im Erdgeschoss und in der großen Halle.“ Allerdings dürfen weder der Charakter des Gebäudes noch sein äußeres Erscheinungsbild verloren gehen. So müssten beispielsweise der noch vorhandene Wasserbehälter sowie das Uhrwerk erhalten bleiben. Eine Nutzung des Turms als Aussichtsplattform sei daher nicht möglich.

Alle Änderungswünsche seien mit dem Denkmalschutz abzusprechen, sagt Matthias Baxmann. „Wir sagen, was geht, und was eben nicht.“ Bürgermeister Christoph Schmidt kann sich gut den Bau eines Funktionsgebäudes gleich neben dem Turm vorstellen. In dieses könnten unter anderem die Sanitäranlagen integriert werden.

Ein Nahziel hat Christoph Schmidt bereits vor Augen: „Wir wollen unseren Wasserturm zum Denkmalstag im nächsten Jahr erstmals für die Bevölkerung öffnen“, stellt er in Aussicht. Für diesen Herbst sei die Zeit zu kurz. Und auf den geplanten Tag der offenen Tür setzt das Stadtoberhaupt große Hoffnungen: „Das könnte vielleicht das Initial für meine Vision werden“, erklärt er.