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Neuer Job als Pflegekraft mit Herz

Carola Möller (54) aus Großräschen (v.) hat sich zur Pflegekraft qualifiziert und ihre Langzeitarbeitslosigkeit beendet. Pflegedienst-Inhaberin Simone Scholz (49) und Simone Blochwitz vom Jobcenter Oberspreewald-Lausitz (M.) freuen sich über den gemeinsamen Erfolg.
Carola Möller (54) aus Großräschen (v.) hat sich zur Pflegekraft qualifiziert und ihre Langzeitarbeitslosigkeit beendet. Pflegedienst-Inhaberin Simone Scholz (49) und Simone Blochwitz vom Jobcenter Oberspreewald-Lausitz (M.) freuen sich über den gemeinsamen Erfolg. FOTO: Steffen Rasche/str1
Allmosen. Der Pflegenotstand ist in der ambulanten Versorgung im Raum Senftenberg angekommen. Die ersten Dienstleister müssen betroffene Familien abweisen. Kathleen Weser

Bei steigendem Bedarf in Folge der stark alternden Bevölkerung mangelt es an Fachkräften. Die brandenburgischen Pflege-Unternehmen appellieren deshalb in einer Online-Petition an Krankenkassen und Politik, schneller zu agieren, um das krankende System gesund aufzustellen.

In Allmosen indes sorgt Simone Scholz (49), die Inhaberin des "Pflegedienst mit Herz", mit zehn engagierten Frauen dafür, dass die Patienten davon nichts spüren. Neu in der Truppe und der Pflege ist Carola Möller (54) aus Großrä schen. Nach vielen Jahren vergeblichen Suchens nach einer Chance auf dem Lausitzer Arbeitsmarkt hat die gelernte Textilfacharbeiterin den Einstieg als Pflegekraft gewagt und geschafft. Die Quereinsteigerin startet in den neuen Job.

Dafür hat Carola Möller, unterstützt vom Jobcenter Oberspreewald-Lausitz in Senftenberg, die Schulbank gedrückt. Simone Blochwitz (38), Arbeitsvermittlerin für besondere Aufgaben, und Anke Pätzold (52), die Beauftragte für Chancengleichheit in der Arbeitsbehörde, haben dabei auf ein Bundesprogramm im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit gesetzt. Der Pflegedienst in Allmosen, der irgendwann einmal Fachkräftebedarf angemeldet, aber keine geeigneten Jobsuchenden vermitteln bekommen hatte, hat das Projekt mit Carola Möller gewagt - und einen Volltreffer gelandet. Das betont die Inhaberin glücklich. Nach einem Probepraktikum ist Carola Möller in die praktische Schulung der bewährten Pflegekräfte des Unternehmens und die Qualifizierung zur Pflegehelferin beim Tüv in Finsterwalde eingetreten. Um die Quereinsteigerin für die Tätigkeiten an den Patienten zu befähigen, ist in den Fördertopf gegriffen worden. Und Carola Möller hat hart gearbeitet, den Anschluss gemeistert und ist jetzt mit Freude dabei.

"Die Arbeit ist körperlich und auch seelisch schwer. Aber von den Patienten kommt so viel zurück", sagt sie dankbar. Bis zu sieben Patienten betreut die Pflegekraft pro Schicht. Ausschließlich Menschen im ländlichen Raum um Großrä schen und Altdöbern versorgt sie. Bewusst: "Wir sind in dieser Region verwurzelt, kennen die Leute und sind auch bereit, unter einfachen Bedingungen unser Bestes zu geben", versichert Simone Scholz. Sie ist seit 1992 dabei und führt das Unternehmen "Pflege mit Herz" seit zwei Jahren. Die Freude über den Erfolg der Qualifizierung und die Motivation der neuen Mitarbeiterin ist ihr anzusehen. Carola Möller passt ins Team. "Und auch wir profitieren von ihrer frischen Ausbildung, wir bleiben mit auf dem neuesten Stand der Pflege", sagt Simone Scholz, die darauf größten Wert legt. Alle Mitarbeiter drücken regelmäßig die Schulbank. "Selbst wer gut angeleitet wird, muss immer neu lernen. Hintergrundwissen ist wichtig, man schaut mit anderen Augen auf die Arbeit mit den Menschen", betont sie.

Zum Thema:
Das Jobcenter Oberspreewald-Lausitz hat in dem nun endenden Bundesprogramm 88 Jobsuchende und Arbeitgeber zusammengeführt. Die Qualifizierung der Langzeitarbeitslosen wird gefördert mit bis zu 1500 Euro pro Person. Zudem sind über die Förderphasen auch Eingliederungszuschüsse möglich. In der Lausitz ruhen die Hoffnungen jetzt darauf, dass dieses oder ein ähnliches Programm von Bund und Land neu aufgelegt wird. 56,9 Prozent aller Arbeitslosen im Raum Senftenberg (2240 Menschen) sind langzeitarbeitslos.