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Straßenreinigung
Laub-Regel verärgert Ruhlander

Herbert Hildebrand (89) hat, so wie immer, das Laub vor seinem Grundstück in der Dresdner Straße in Ruhland zusammengeharkt und in Säcke gefüllt. Diese müssen nun noch zu einer Kompostieranlage gebracht werden. Mit der neuen Satzung ist er dafür verantwortlich. Bis voriges Jahr erledigten das die Bauhof-Mitarbeiter des Amtes.
Herbert Hildebrand (89) hat, so wie immer, das Laub vor seinem Grundstück in der Dresdner Straße in Ruhland zusammengeharkt und in Säcke gefüllt. Diese müssen nun noch zu einer Kompostieranlage gebracht werden. Mit der neuen Satzung ist er dafür verantwortlich. Bis voriges Jahr erledigten das die Bauhof-Mitarbeiter des Amtes. FOTO: Mirko Sattler
Ruhland. Eine neue Straßenreinigungssatzung sorgt für Unmut bei Bürgern. Anlieger müssen auf den Gehwegen vor ihren Grundstücken das Laub nun selbst entsorgen. Ansonsten droht Bußgeld. Von Jan Augustin und Mirko Sattler

Trotz Pflegestufe und stolzem Alter sind Edit und Herbert noch gut in Schuss. Jedes Jahr im Herbst, wenn die unzähligen Blätter von den Platanen vor ihrem Haus auf Gehweg und Straße schweben und dort liegen bleiben, greifen die beiden rüstigen Senioren zur Harke. Fein säuberlich fegen sie dann das Laub zusammen. Auch in diesem Jahr haben der 89-Jährige und die 92-Jährige dieses Ritual wiederholt. Mehr als zehn blaue Säcke sind zusammengekommen, die nun auf Abholung warten. Doch es kommt niemand. Auch die losen Haufen an der Dresdner Straße werden nicht wie sonst kostenlos von den Bauhof-Mitarbeitern abgesaugt.

Grund ist die neue Straßenreinigungssatzung im Amt Ruhland. Sie gilt seit diesem Sommer. Und sie besagt, dass Grundstückseigentümer nun selbst verantwortlich sind, das Laub zu entsorgen. Es kann entweder auf dem eigenen Grundstück kompostiert, auf der Grünabfalldeponie abgegeben oder mit beim Abfallentsorgungsverband erhältlichen Laubsäcken entsorgt werden. Gleiches gilt für Laub, das von Straßenbäumen auf private Grundstücke geweht wurde.

Herbert Hildebrand ärgert sich über die Laub-Regel. „Soll ich die Säcke mit dem Handwagen wegfahren?“, fragt er zynisch. Es habe keine Möglichkeit das Laub, von dem in diesem Jahr extrem viel gefallen sei, wegzuschaffen. „Hier werden wir von der Stadt bestraft. Scheinbar will sie Geld sparen“, vermutet er.

Und er hat recht damit. „Das waren erhebliche Aufwendungen, die der Bauhof erbringen musste“, erklärt Ruhlands Amtsdirektor Roland Adler. Pro Jahr verschlang die Entsorgung knapp 10 000 Euro an Technik- und Personalkosten. Vier Mitarbeiter seien über acht Wochen damit beschäftigt gewesen, das Laub zu entsorgen. Zwar nehmen die vier Deponien im Amt auch Gelder ein, erläutert Roland Adler. Doch decke diese Summe bei Weitem nicht die Ausgaben. Deshalb habe der Amtsausschuss die neue Satzung beschlossen.

Dass der Unmut der Hildebrands kein Einzelfall ist, belegen nicht nur mehrere Aussagen von Nachbarn, sondern auch einige „nicht gerade erfreuliche Anrufe“, die sich die Mitarbeiter beim Ordnungsamt anhören mussten, bestätigt der Amtschef.

Die Verwaltung hat darauf reagiert: Für die Entsorgung müssen die Anlieger kein, wie eigentlich vorgesehen, Entgelt zahlen. Auch werde nicht genauestens kontrolliert, ob sich wirklich nur die Blätter der Straßenbäume in den Säcken befinden. Wenn da noch etwas Laub aus dem eigenen Garten dazwischenliegt, sei das nicht schlimm.

Trotz dieser Zugeständnisse redet Roland Adler aber auch Klartext: „Das Laub wird von uns nicht abgeholt.“ Und wer es nicht wegbringt, der bekomme Post vom Ordnungsamt, muss mit einem Bußgeld rechnen und gegebenenfalls mit den entstandenen Kosten für die Entsorgung.

Herbert Hildebrand zeigt mit seiner rechten Gehilfe auf die von ihm gefüllten blauen Säcke. „Die Stadt ist für den Bürger da und nicht andersherum“, sagt er enttäuscht.