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| 17:27 Uhr

Neue Frühlingsausstellung in Senftenberg
Allerlei rund um das (Oster)Ei

 Margarete Klatt (vorn) und Heidemarie Kuhnke sammeln seit fast 30 Jahren Ostereier und zeigen ihre Sammlung aus mehr als 700 Exemplaren jetzt im Senftenberger Schloss. Die Wachsbossiertechnik mit farbigem Wachs auf Natureiern (Foto) gehört zu den jüngeren Techniken in der Lausitz.
Margarete Klatt (vorn) und Heidemarie Kuhnke sammeln seit fast 30 Jahren Ostereier und zeigen ihre Sammlung aus mehr als 700 Exemplaren jetzt im Senftenberger Schloss. Die Wachsbossiertechnik mit farbigem Wachs auf Natureiern (Foto) gehört zu den jüngeren Techniken in der Lausitz. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Senftenberg. In der neuen Frühlingsausstellung in Schloss und Festung Senftenberg zeigen zwei Frauen aus Saalhausen, wie vielfältig die Kunst des Ostereier-Verzierens ist - und wie international. Von Catrin Würz

Wolfszähne und Sonnenrad, Bienenwabe und Krähenfuß, Punkte und Dreiecke . . . Was den meisten wie eine merkwürdig zusammengewürfelte Begriffesammlung erscheint, ist für Heidemarie Kuhnke und Margarete Klatt aber das Grundrüstzeug für eine außergewöhnliche Leidenschaft. Mit heißem Bienenwachs und Federkiel aufgebracht, machen eben jene Wolfszähne und Sonnenräder aus einem blanken Vogelei ein kleines Kunstwerk – und ein Symbol für Hoffnung, Fruchtbarkeit, Wachstum und einen aufkeimenden Neuanfang, den Frühling. Denn Heidemarie Kuhnke und Margarete Klatt sind Ostereiermalerinnen aus der Lausitz. Und nicht nur das: Seit fast 30 Jahren sammeln die beiden Frauen aus Saalhausen verzierte Eier aus der Region und aus der ganzen Welt. Mehrere Hundert Stück haben sie seitdem zusammengetragen. „Jedes ist ein Unikat und trägt eine eigene Handschrift“, bestätigt Heidemarie Kuhnke. Die einstige Kindergärtnerin sammelt vor allem Ostereier, die in Familien und von Frauen aus der Region rund um Großräschen gefertigt wurden. „Da gibt es richtige Familienmuster“, verrät die heute 72-Jährige.

Mehr als 700 Exemplare zeigen die beiden Frauen aus Saalhausen ab diesem Wochenende im Rahmen der Frühlings-Sonderausstellung im Museum Schloss und Festung Senftenberg. Der Besucher bekommt Einblick in eine faszinierende Vielfalt der Kunst des Eierverzierens und in ganz unterschiedliche Techniken. Ob nun die typische Wachsbatik- oder Wachsbossiertechnik, Kratzen oder Ätzen, Intarsienkleben, Scherenschnitte, Glasmalerei oder kunstvoll ausgefräste Eier – die Sammlung im Schloss zeigt, dass überall auf der Welt das Ei als ein Symbol für etwas Gutes und Schönes verehrt wird.

Margarete Klatt erinnert sich, wie sie selbst „auf das Ei gekommen“ ist. Die heute 62-jährige Lehrerin im Vorruhestand hat vor vielen Jahren ein sorbisches Osterei von einer Schülerin geschenkt bekommen. „Ich habe mir das angesehen und war begeistert. Diese Symmetrie und die Regelmäßigkeit der wiederkehrenden Elemente - das hat mich als Mathelehrerin sofort fasziniert“, erzählt sie. Dass beim Eier­bemalen nicht nur die Kreativität zählt, sondern vor allem bestimmte Regeln der Symmetrie und der akkuraten Gleichmäßigkeit eingehalten werden müssen, hat der Saalhausenerin gut gefallen. Seit Anfang der 1990er-Jahre bemalt sie nicht nur selbst Ostereier, sondern bringt von Reisen in die Ferne auch stets besondere Exemplare mit nach Hause. Mit Tiermotiven verzierte Steineier aus Afrika, Metalleier aus Asien, Hinterglasmalerei aus Japan, mit Tinte bemalte Eier aus der Slowakei oder mit floralen Motiven gefärbte Eier aus der Schweiz zählen zur Sammlung der beiden Frauen. „Auch, weil Familienmitglieder und Freunde uns von überall auf der Welt solche Exemplare mitbringen“, freut sich Heidemarie Kuhnke.

Die Ostereiersammlung ist aber nur einer von insgesamt drei Teilen, die die neue Frühlings-Sonderausstellung im Museum Schloss und Festung Senftenberg ausmachen. Besonders stolz ist das Museumsteam auf eine Sammlung historischer Fotoaufnahmen des Cottbuser Fotografen Richard Klau. Dieser hatte einst um 1900 die Vielfalt der Lausitzer wendisch/sorbischen Trachten in seinen Aufnahmen dokumentiert. Das Museum hat 50 der außergewöhnlichsten Fotos in Großformat reproduzieren lassen und zeigt sie in Ergänzung zur Ostereier-Ausstellung.

Komplettiert wird die Sonderschau im Museum von den farbenfrohen Arbeiten der Malerin Sigrid Herrmann aus Schipkau. Sie entdeckte 2013 nach einer schweren Krankheit die Acrylmalerei für sich. Ein großer Teil ihrer Arbeiten, die stilistisch der Naiven Malerei zuzuordnen sind, schmückt die Wände der Sonderausstellung im Schloss.