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Nachteil wegen voller Auftragsbücher
Brückenbau in der Warteschleife

Die Elster-Brücke in Senftenberg wird gesperrt. Sie ist in der Winterzeit nicht sicher. Der Ersatz-Neubau steht in der Warteschleife.
Die Elster-Brücke in Senftenberg wird gesperrt. Sie ist in der Winterzeit nicht sicher. Der Ersatz-Neubau steht in der Warteschleife. FOTO: Steffen Rasche / Rasche Steffen
Senftenberg. Bauwerk in Senftenberg über die Schwarze Elster muss mit November-Start gesperrt werden. Von Kathleen Weser

Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind proppevoll. Lausitzer Neubau-Projekte für Straßen und Brücken platzen. Auch in Senftenberg rückt ein Ersatz-Neubau für eine Radfahrer-Brücke über die Schwarze Elster in die Warteschleife. Das Bauwerk, über das der Heimatfluss zwischen dem Wohngebiet an der Steigerstraße und dem Senftenberger See gern überquert wird, wird mit November-Start gesperrt. Bis März ist die Brücke auch für Fußgänger nicht mehr nutzbar. „Durch den schlechten bautechnischen Zustand der Brückenlager und der Kraft übertragenden Bauteile ist bei Temperaturen unter dem Nullpunkt ein Materialversagen nicht auszuschließen. Damit ist die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet. Im Ernstfall könnte sogar das Mittelteil des Brückenüberbaus plötzlich in die Schwarze Elster stürzen“, zitiert Stadt-Sprecher Andreas Groebe das Gutachten. Die Brücke ist in der kalten Jahreszeit nicht sicher.

In den Amtsstuben des Rathauses sind deshalb alle Hebel in Bewegung gesetzt worden, um den Ersatz-Neubau auf den Weg zu bringen. Das Geld steht ebenso wie die erforderlichen Pläne bereit. Dennoch landet das akkurat vorbereitete Bauvorhaben in der Warteschleife. Denn die Ausschreibung der Bauleistung musste aufgehoben werden. Die Angebote liegen mehr als 50 Prozent über den von den Experten berechneten Baukosten. Dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit im Umgang mit Steuermitteln folgend ist die Art von Baustopp vor dem Baustart in diesem Jahr nun zum zweiten Mal erfolgt. Das bestätigt Roberto Müller, der als Sachbearbeiter im Vergabemanagement tätig ist. Kollege Christopher Felsch erläutert, dass hier alle Angebote auf den Prüfstand kommen, die zehn Prozent höher als die Kostenschätzung oder das des nächsten Mitbewerbers liegen. Nur plausible Gründe wie nachvollziehbare Preissteigerungen für Materialien und Leistungen am Markt sowie unabweisbare Reparaturen rechtfertigen größere Mehrausgaben. Da fünf weitere Brücken im Stadtgebiet sicher über die Elster führen, muss der Ersatz-Neubau an der Steigerstraße nun warten. Anfang des neuen Jahres wird das Vorhaben neu ausgeschrieben. Im September 2018 ist im Erfolgsfall frühestens mit dem Baustart, im Mai 2019 mit der Fertigstellung zu rechnen.

Im Landesbetrieb Straßenwesen, der deutlich größere Bauvolumen zu stemmen hat, ist die Bremse derzeit schärfer angezogen. Die Angebote für Bauleistungen sind um die Zeit wegen der vollen Auftragsbücher generell preisintensiver. Derzeit müssen Herbst-Ausschreibungen im Straßenbau aufgehoben werden. Das bestätigt Andreas Geißler, der als Regionalbereichsleiter für Betriebsdienste für die Lausitz zuständig ist. Verantwortlich für 350 Leute und die Reparaturleistungen kennt er das Geschäft.

Wirtschaftliche Angebote erhalte die öffentliche Hand um die Zeit nur schwer. Die einzig sichere Bank für ein reibungsloses Eröffnen der geplanten Großbaustellen ist das sofort verfügbare Budget zum Jahresbeginn. Die öffentlichen Haushalte werden aber leider oft erst später beschlossen. Gelder, die im Laufe des Jahres - auch von den Politikern dann noch gönnerhaft verteilt werden - können kaum noch wirtschaftlich an den Markt gebracht werden. Das anhaltende Zinstief ist auch für viele Privatleute ein guter Grund, in Haus und Hof zu investieren. Die Preise für reine Leistungen am Bau und für Elektroarbeiten klettern derzeit stark - für die Kommunen mit größeren Aufträgen in nicht mehr leistbare Höhen.

Im Straßenbau schlagen auch normale, marktabhängige Preissteigerungen ins Kontor, klärt Andreas Geißler weiter auf. Bitumen, der oft gefordert ist für flotte Fahrbahnen, wird aus Erdöl hergestellt. Der mittlere aktuelle Marktpreis für die jeweiligen Leistungen sei entscheidend. Liegen die Angebote der Firmen mehr als 20 Prozent über den planerisch ermittelten Kosten, schrillen im Landesbetrieb am Rechner die Alarmglocken. In diesem Herbst sind doppelt teuere Offerten von Baudienstleistern eingetroffen - und für verschiebbare Bauvorhaben dankend abgelehnt worden. Das Beseitigen von Bruchholz an Verkehrsadern nach dem jüngsten Sturm indes muss sofort erfolgen, damit die Straßen sicher bleiben. Ebenso wie Bauleistungen nach Havariefällen werden die Aufträge derzeit sehr teuer ausgelöst.

Auch Bauvorschriften und Fahrpläne erschweren den Straßenausbau: Geringe Fahrbahnbreiten erfordern zum Schutz der Arbeiter immer häufiger Vollsperrungen. Den Verkehr noch halbseitig an der Baustelle vorbeiführen zu dürfen, wird seltener gewährt. Die Landkreise bestehen zudem darauf, dass wegen des Schülerverkehrs und des Verzichts auf Umleitungen für Busse des öffentlichen Nahverkehrs wegen der Fahrplansicherheit die Bauarbeiten geballt in die Ferienzeiten gelegt werden. In der zweiten Jahreshälfte aber reißt sich kein Baubetrieb mehr wirklich um Aufträge aus öffentlicher Hand. Eine Folge daraus sind die aktuellen Kosten-Explosionen.