Getreu nach dem Motto: "Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet eben zum Berg gehen", wurde die Idee zum Theaterstammtisch der Neuen Bühne Senftenberg geboren. "Wir sind das Theater der Region", stellt Mitinitiator und Moderator der Veranstaltungsreihe, Hans-Peter Rößiger, klar. "Wir möchten mit den Theaterfreunden ins Gespräch kommen und Möglichkeiten aufzeigen, um ein noch breiteres Publikum für die Neue Bühne zu erschließen." Dazu werden sich in loser Folge Schauspieler, Dramaturgen oder wie im Falle der Stammtischpremiere, der Intendant der Neuen Bühne, Manuel Soubeyrand, mit interessanten Geschichten präsentieren.

48 Fragen rund um die Person des Intendanten Manuel Soubeyrand hatte sich Hans-Peter Rößiger für die Stammtischtalk-Premiere vor gut 30 Gästen ausgedacht. Von der beruflichen Gemeinsamkeit von Gregor Gysi und Soubeyrand bis hin zu seinem Horror vor leeren Theatersälen gab der Intendant dann auch Einblicke in sein Leben und seinen Beruf. Eine Anekdote mit Pfiff erzählte er aus seiner Vor-Senftenberger-Zeit in Esslingen: Von einem Journalisten gefragt, was er Nachhaltiges an der Württembergischen Landesbühne hinterlassen habe, gab Soubeyrand die Antwort, dass es 36 Schwangerschaften in seiner Amtszeit am Theater gab. Natürlich spielte er damit auf das gute Klima im Ensemble an, und das nicht ohne Stolz.

Dass Manuel Soubeyrand auch in Senftenberg mit seinem Ensemble und den Inszenierungen sehr gute Besucherzahlen erreicht, spricht für die Neue Bühne, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass immer wieder die Finanzen und politischen Entscheidungen das Senftenberger Theater belasten. Themen wie die Kreisgebietsreform und die finanzielle Absicherung nur für ein Jahr beeinflussen die künstlerischen Seele des Hauses. Immer wieder wird der Begriff eines Landestheaters hörbar. Eine mögliche Lösung sei ein Zweckverband, in dem sich die Städte in Südbrandenburg zusammenschließen, um das Theater zu fördern, sagt Soubeyrand.

Der Intendant sieht viele Lösungsansätze, aber er möchte auch das Theater zu den Menschen bringen: "Wir spielen überall, ob Luckau, Elsterwerda oder Schwarzheide, wir könnten auch sofort im Wandelhof spielen." Das Problem stelle sich meistens in den Spielstätten dar, die nach der Wende umgebaut oder dem Verfall preisgegeben wurden. "Wir haben viele Stücke extra auf der Studiobühne inszeniert, um uns eine Mobilität zu erhalten", so der Intendant.

Für Schwarzheides Bürgermeister Christoph Schmidt, der spontan ans Mikrofon gebeten wurde, gibt es zum Thema Neue Bühne keine zwei Meinungen: "Wir können uns das leisten in Südbrandenburg. Wir sind hier zwischen Dresden und Berlin wirtschaftlich sehr stark, da sollte es kein Zögern beim Fortbestand eines so renommierten Theaters geben."

Einhellige Meinung zur Wertigkeit der Neuen Bühne herrscht bei den Talkgästen: "Vielleicht klappt es ja mit einer Vorstellung in Schwarzheide", freut sich Elke Socher. "Kunst, Kultur und Bildung kann man mit Geld nicht aufwiegen", sagt Ursula Schlensog. Nicole Wolski aus Senftenberg hat ihre beiden Kinder im Jugendtheaterklub der Neuen Bühne angemeldet: "Das Senftenberger Theater ist ein Leuchtturm der Region. Eine langfristige finanzielle Sicherheit für das Theater sollte Priorität haben."

Die Planung der Stammtischpremiere fand schon im vergangenen Jahr statt, als Hans-Peter Rößiger die Idee im Seniorenbeirat der Stadt Schwarzheide vorstellte: "Wir sind über Ute Kolanowski mit Hans-Peter Rößiger in Kontakt gekommen und waren von der Idee sofort begeistert", beschreibt die Vorsitzende des Seniorenbeirates Renate Reetz den Werdegang. Die Lokation war mit dem Wandelhof auch schnell gefunden: "Ich war sofort begeistert, als Hans-Peter Rößiger mir die Idee nahe brachte", erinnert sich Wandelhof-Chefin Anastasia Arlonitis-Popp. "Unser Tanzcafé, wo sonst der Discofox regiert, ist ideal für solche Veranstaltungen." Eine weitere Idee zur Zusammenarbeit des Schwarzheider Wandelhofes mit der Neuen Bühne nimmt bei Anastasia Arlonitis-Popp schon klare Konturen an: "Wir planen ein Musicalevent mit anschließendem Tanz. Vielleicht auch schon in diesem Jahr", verrät sie ihre Pläne.

Zum Thema:
Mit ihren Kinder- und Jugendstücken ist die Neue Bühne permanent an den Schulen zu Gast. Im Landkreis gibt es Kooperationsverträge mit Schulen zum Beispiel aus Senftenberg, Großräschen, Altdöbern und Calau. In Lübbenau zeigt die Neue Bühne in der Bunten Bühne "Shakespeares sämtliche Werke" am 15. März. Das gleiche Stück wird am 17. März bei Züblin in Hosena aufgeführt. Auch mit dem Stammtisch reist das Theater weiter im Kreis herum. Geplant ist eine zweite Auflage am 18. März um 19 Uhr im Mehrgenerationenhaus in Lauchhammer.