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Neue Bühne bringt Spielfreude zurück

In "Dostoprimischatelnosti", dem 7. Glückauffest, hat Eva Kammigan 2010 sowohl die Olga in Tschechows "Drei Schwestern" gespielt, als auch im russischen Gegenwartsstück sehr eindrücklich "Die Kröte" (Foto), eine Frau, die von ihrem Mann schlecht behandelt und als Kröte beschimpft wird – und sich dann auch in eine solche verwandelt.
In "Dostoprimischatelnosti", dem 7. Glückauffest, hat Eva Kammigan 2010 sowohl die Olga in Tschechows "Drei Schwestern" gespielt, als auch im russischen Gegenwartsstück sehr eindrücklich "Die Kröte" (Foto), eine Frau, die von ihrem Mann schlecht behandelt und als Kröte beschimpft wird – und sich dann auch in eine solche verwandelt. FOTO: Neue Bühne/Rasche
Senftenberg. Kommen und Gehen – Schauspieler sind ein fahrendes Volk, das in seiner beruflichen Laufbahn meist unterschiedliche Stationen durchläuft. Mit dem jetzigen Ende der Spielzeit 2016/17 verlassen vier Schauspieler die Neue Bühne. hsd1

Auch Eva Kammigan.

Nach acht Jahren verlassen Sie jetzt die Neue Bühne. Wie fühlen Sie sich dabei?
Kammigan Ich dachte, dass mir der Abschied sehr schwer fallen würde. Aber nun gehe ich, erstaunlicherweise, mit leichtem Herzen.

Die Senftenberger haben Sie kennengelernt als Frau Louise Grabbe in "Grabbes Grab", als Erzählerin in "Die Hermannsschlacht", Karin in "Klar bin ich eine Ost-Frau", medea redux in "bash-stücke der letzten tage", Olga in "Die Drei Schwestern", Ljudmila in "Die Kröte", Erika in "Das Geld liegt auf der Bank", Glaube in "Jedermann", die Fee in "Dornröschen", Mrs. Pearce in "My fair Lady", Fräulein Rasch in "Wunschkonzert", Kriemhild in "Germania 3. Gespenster am toten Mann" und als ängstlichen Herrn "Sumsemann" in Peterchens Mondfahrt''. Es schätzt Sie, weil Sie stets Leib und Seele einsetzen, mit viel Sinnlichkeit und auch einer herzerfrischenden Selbstironie spielen. An welcher Ihrer Rollen hatten Sie besonderes Vergnügen? Was mochten Sie weniger?
Kammigan Zweifelsohne waren meine Rollen in "bash-stücke der letzten tage", "Die Kröte", "Die drei Schwestern", "Wunschkonzert" und "Germania" sehr wichtige Arbeiten für mich. Aber großes Vergnügen haben mir alle Rollen bereitet. Es gibt gewisse Abläufe am Theater - besonders, wenn es auf die Endproben zugeht - die ich stressig finde. Ich mochte zum Beispiel noch nie Ausstattungsproben.

Welchen Platz hat die Senftenberger Zeit in Ihrem Theaterleben? Sie kamen nicht frisch von der Schule, sondern bereits mit ersten Theatererfahrungen an die Neue Bühne.
Kammigan Das Senftenberger Theater hat mir die Spielfreude zurückgegeben. Witzigerweise dachte ich hier ein paar Mal, endlich kann ich wieder Sachen machen, die ich zuletzt auf der Schauspielschule gemacht habe. Und ich meine das sehr positiv. Das war eine wunderbare Erfahrung.

Sie haben nicht nur in Senftenberg gespielt, sondern auch hier gewohnt und sich eingebracht. Wie haben Sie das erlebt? Ist die Stadt für Sie auch Heimat geworden?
Kammigan Ja, natürlich ist die Stadt für mich auch Heimat geworden, ich hab hier geheiratet, und mein Kind ist hier zur Welt gekommen. Das verbindet. Und wenn ich mich am Anfang manchmal einsam gefühlt habe, bin ich zum See gegangen und hab' durchgeschnauft - da ist es nämlich genau wie dort, wo ich herkomme.

Als "wunderbare Theaterpersönlichkeit" hat Sie Manuel Soubeyrand zum Sommerfest verabschiede. Und ein bisschen hörte es sich an, als gingen Sie dem Senftenberger Theater doch nicht ganz verloren. Was haben Sie in nächster Zeit vor? Wann werden Sie wo zu sehen sein?

Wir haben noch keine konkrete Zusammenarbeit für die kommende Spielzeit geplant, aber wie mein Lieblingsphilosoph James Bond meinte: Sag niemals nie!

Was möchten Sie zum Abschied noch gern sagen?
Kammigan Das Theater ist der schönste Ort der Welt, und das liegt an den Leuten, die da zusammenkommen. Denn wie bei allen Orten kommt es darauf an, mit wem man da seine Zeit verbringt.

Mit Eva Kammigan

sprach Heidrun Seidel.

Im Jahr100spektakel 2014 hat Eva Kammigan in "Wunschkonzert" von Franz Xaver Kroetz ganz ohne Text den in ihrer Einsamkeit sprachlos gewordenen Menschen der Gegenwart, im Kontrast zu gut gelaunten Radiostimmen, auf ihre ganz persönliche und beeindruckende Art Ausdruck gegeben.
Im Jahr100spektakel 2014 hat Eva Kammigan in "Wunschkonzert" von Franz Xaver Kroetz ganz ohne Text den in ihrer Einsamkeit sprachlos gewordenen Menschen der Gegenwart, im Kontrast zu gut gelaunten Radiostimmen, auf ihre ganz persönliche und beeindruckende Art Ausdruck gegeben. FOTO: Neue Bühne/Rasche