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| 19:34 Uhr

Senftenberg
Nestor des Laufsports ist wieder am Start

In fast fünf Jahrzehnten als Sportler hat Karl-Heinz Noack Unmengen an Pokalen, Urkunden und Medaillen erhalten. Dies ist nur ein Ausschnitt.
In fast fünf Jahrzehnten als Sportler hat Karl-Heinz Noack Unmengen an Pokalen, Urkunden und Medaillen erhalten. Dies ist nur ein Ausschnitt. FOTO: LR / Catrin Würz
Senftenberg. Beim 41. Lauf um den Senftenberger See wird am Sonnabend eine Schallmauer durchbrochen. Zum ersten Mal muss die Altersklasse M 90 für über Neunzigjährige aufgerufen werden. Der wahrscheinlich einzige Sportler in dieser Wertung ist in Großkoschen ein alter Bekannter. Von Catrin Würz

Karl-Heinz Noack gilt als Nestor des Laufsports in der Lausitz. Als treuer Teilnehmer an vielen Traditions-Laufveranstaltungen ist der Senior weithin bekannt. Anfang Mai feierte der Hoyerswerdaer seinen 90. Geburtstag - für ihn längst kein Grund, beim Laufen jetzt kürzer zu treten. Denn natürlich hat sich Karl-Heinz Noack längst für die nächsten großen Laufveranstaltungen in der Region eingeschrieben. Und am kommenden Sonnabend, 16. Juni, ist er selbstverständlich auch wieder beim 41. Lauf um den Senftenberger See mit dabei. „Da hab’ ich mich allerdings diesmal nur für die fünf Kilometer angemeldet. Denn ich konnte nach einem Infekt nicht so viel trainieren“, sagt er schmunzelnd. Immerhin: Bis vor drei Jahren ist der Ausdauersportler noch die 17,7 Kilometer lange Runde um den ganzen Senftenberger See mitgelaufen.

Beim Lauf- und Skiclub Großkoschen, der mit dem Lauf um den Senftenberger See die dienstälteste Laufveranstaltung im Land Brandenburg ausrichtet, ist man schon ein bisschen aufgeregt. Denn für Karl-Heinz Noack wird nun zum ersten Mal die Altersklasse M 90 aufgemacht. „Wir hatten noch nie einen Sportler in dieser Altersklasse dabei“, sagt Mario Vales, Hauptverantwortlicher für die Organisation. Zwar könne man beobachten, dass die Teilnehmer in den oberen Altersklassen in den vergangenen Jahren stetig immer zahlreicher geworden sind. „Mit über 70, 75 oder auch 80 Jahren gehen inzwischen fast immer mehrere Teilnehmer an den Start. Sie sind seit Jahrzehnten in der Laufszene aktiv“, berichtet Vales. „Und sie sind dann auch immer noch ehrgeizig“, ergänzt er.

Und das ist ohne Frage auch der Hoyerswerdaer Karl-Heinz Noack. „Wenn ich irgendwo an den Start gehe, will ich natürlich auch mein Bestes geben“, sagt der 90-Jährige. Und dafür trainiert er oft drei- und viermal pro Woche auf seinen Lieblingsstrecken von Hoyerswerda zum Scheibesee oder in Richtung Knappensee. Hunderte Wettkämpfe hat Karl-Heinz Noack schon bestritten. Ein Dutzend Pokale hat er dabei als „ältester Teilnehmer“ bekommen. Er nennt das scherzhaft, dass „man mir immer mein Alter unter die Nase reibt“. Platzierungen auf dem Treppchen sind ihm da schon lieber. Als Mitglied des Niederlausitzer Läuferbundes Cottbus sammelt er nämlich bei jedem Wettbewerb ehrgeizig Punkte für die Cup-Rangliste.

Ob er ein Geheimnis für seine Fitness bis ins hohe Alter hat? Der 90-Jährige winkt nur ab. „Sport ist keine Frage des Alters, sondern des Kopfes und der inneren Einstellung“. sagt er. Dabei war Karl-Heinz Noack beim Thema Sport eigentlich ein Spätstarter. Sein sportliches Talent wurde erst entdeckt, als er mit etwa 40 Jahren als Militärmusiker(!) beim Musikcorps der Kamenzer NVA-Fliegereinheit bei den Armee-Meisterschaften plötzlich überall die vorderen Plätze einnahm. Damals begann er, regelmäßig zu trainieren. Und als Noack im Jahr 1979 mit 51 Jahren aus dem Armeedienst ausschied, „blieb das Laufen übrig“, erinnert er sich.

Anfangs lief er mit Laufgruppen. Solch eine gab es zum Beispiel damals schon in Schwarzheide, wo es Karl-Heinz Noack nach seiner Armeezeit zunächst hin verschlagen hatte. Erst nach und nach tastete er sich langsam an Wettbewerbe heran. 1992 lief er seinen ersten Halbmarathon und ein Jahr später seinen ersten Marathon in Berlin. Da war Karl-Heinz Noack aber schon 65 Jahre alt. Seitdem hat er 42 mal die Marathon-Distanz über 42,2 Kilometer absolviert - natürlich auch einige der bekanntesten Marathons: in Athen, Hamburg, Ljubljana, Prag und in Kosice in der Slowakei. Letzterer ist ihm besonders wichtig, „denn das ist ein Lauf für den Frieden“, sagt der Senior. Seinen 40. Marathon ist er zu seinem 80. Geburtstag symbolträchtig in Athen gelaufen. Ein Jahr später wurde er bei der Senioren-WM im finnischen Lahti Dritter im Marathon und Vize-Weltmeister über 10 000 Meter.

Der Lauf um den Senftenberger See gehört indes seit vielen Jahren zu seinen liebgewonnenen Stammveranstaltungen. Etwas 250 bis 300 Sportler gehen hier in der Regel in fünf Distanzen an den Start. Zur 41. Auflage ist auch der Hoyerswerdaer Karl-Heinz Noack wieder in seinem himmelblauen Trikot des Niederlausitzer Läuferbundes Cottbus dabei. Neben der Niederlausitzer Wertung geht der Seelauf in Großkoschen aber auch noch in die Wertung zum Brandenburg-Cup ein. 2015 wurde der Senftenberger Seelauf sogar als der „Beste BB-Cup-Lauf“ des Jahres ausgezeichnet. Ein Lauf, der nun also auch die Altersklasse M 90 aufruft.

Denn Karl-Heinz Noack wird mit 90 Jahren seine Laufschuhe noch längst nicht an den Nagel hängen. Auch wenn das Alter hier und da Tribut fordert: Mit Einlagen in den Schuhen und etwas vorsichtiger als früher kommt er immer noch ans Ziel.

Auf dem Treppchen beim Senftenberger-See-Lauf: Karl-Heinz Noack (r.)
Auf dem Treppchen beim Senftenberger-See-Lauf: Karl-Heinz Noack (r.) FOTO: Mario Vales
Mehrere Hundert Sportler gehen bei der Laufveranstaltung am Senftenberger See an den Start - so wie hier im Jahr 2017.
Mehrere Hundert Sportler gehen bei der Laufveranstaltung am Senftenberger See an den Start - so wie hier im Jahr 2017. FOTO: Lauf- und Ski-Club Großkoschen