Im äußersten Westen des Oberspreewald-Lausitz-Kreises befindet sich das 266 Hektar große Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Gebiet Seewald. FFH gilt als Naturschutzrichtlinie der Europäischen Union. Der Seewald ist ein großflächiger Komplex aus Bruch- und Moorwäldern sowie Feuchtwiesen zwischen Grünewalde und Plessa. Streng geschützte Arten wie Biber, Fischotter und Arnika sind dort beheimatet. Durch das Gebiet verläuft die Kreisgrenze zwischen Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster. Dem Areal droht jedoch Gefahr. Denn es fehlt an Wasser. Insbesondere bedingt durch die beiden Dürresommer 2018 und 2019 schlagen Experten Alarm und empfehlen zeitnahe Gegenmaßnahmen. Erst im vergangenen Jahr waren Teile des Areals komplett trocken gefallen.

Cottbus

Aktuell stellt das Landesamt für Umwelt (LfU) einen Managementplan für den Seewald auf. Im Entwurf ist von einer gefährdeten Naturausstattung die Rede. Um die Situation zu entspannen, wird insbesondere zum Erhalt eines hohen Grundwasserspiegels geraten. Das kann laut dem Entwurf durch die Verfüllung diverser Abflussgräben geschehen. Darüber hinaus raten die Experten zum Bau zweier neuer Wehre, um den Wasserrückhalt im Gebiet zu verstärken. Sollte es einmal mehr regnen, sind Notwasserüberläufe für den Hochwasserfall vorgesehen.

Keine Fische mehr im Seewaldsee

Darüber hinaus sollen die Gewässer im Gebiet der Natur überlassen werden. So wird langfristig gesehen vom Fischbesatz im Seewaldsee abgeraten, um den Gehalt an Nährstoffen zu begrenzen. Auch sollen keine Maßnahmen gegen die bergbaubedingte Verockerung des Gewässers in die Wege geleitet werden. Der Seewaldsee ist eine frühere Braunkohlengrube.

Auch der besondere Schatz dieses Gebietes, die Bestände von Arnika, bedürfen diverser Maßnahmen. So sollen die entsprechenden Wiesen erst nach der Samenreife des Korbblütlers gemäht werden, um die vollständige Ausbildung der Pflanzen zu gewährleisten. Außerdem wird der Verzicht von Pflanzenschutzmitteln empfohlen.

Die Finanzierung der einzelnen Maßnahmen kann nach Angaben des LfU aus dem Haushalt der Behörde oder über den Vertragsnaturschutz erfolgen. Darüber hinaus stehen Mittel aus dem Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) des Brandenburger Umweltministeriums bereit.

Änderungswünsche bis Mitte Februar möglich

Für das FFH-Gebiet Seewald liegt nach Angaben von LfU-Sprecherin Nora Kremtz der erste Entwurf des Managementplans vor. Er kann auf der Internetseite des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft abgerufen werden. Ein ausgedrucktes Exemplar gibt es zur Einsicht im Naturparkhaus am Bad Liebenwerdaer Markt. Bis zum 18. Februar können Hinweise, Anregungen oder Änderungswünsche elektronisch oder schriftlich eingereicht werden.

Die entsprechenden Pläne für die benachbarten FFH-Gebiete Welkteich und Suden bei Gorden sind bereits vollendet. Diese werden am Donnerstag, 30. Januar, ab 16 Uhr im Sportlereck Gorden (Am Sportplatz 6) präsentiert.

Vom Bergbau überprägt


Der Seewaldsee geht auf den Bergbau zurück. Es handelt sich um ein Braunkohlen-Restloch der Grube Plessa-Lauch (1873-1968). Das Gebiet war laut alten Karten im 18. Jahrhundert eine bewaldete Niederung mit mehreren Gewässern. Die Fischer der Gegend galten als „Kompanie der Fisch- und Aalhändler“. Sie verkaufen ihre Produkte sogar auf dem Kurfürstlich-Sächsischen Hof in Dresden. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann in der Region der Braunkohlenbergbau. Zunächst kleinflächig wurden die Gruben immer größer. Dadurch musste auch die ehemalige Teichwirtschaft Mückenberg südlich von Grünewalde aufgegeben werden. Nach dem Bergbau holte sich die Natur die Gegend nach und nach zurück. Seit 1981 steht der Seewald unter Naturschutz, seit 1998 gehört er zum europäischen Schutzgebietsnetzwerk „Natura 2000“. Benachbart sind die Schutzgebiete Welkteich sowie Suden bei Gorden, die sich von der Struktur her ähnlich präsentieren.