Von Torsten Richter-Zippack

Täublinge gehören mit rund 750 Arten zu den artenreichsten Pilzgattungen. Sie kommen in verschiedenen Größen und Farben vor. Manche sind beliebte Speisepilze, andere dagegen giftig. Um den Überblick zu behalten, hilft manchmal schon im Wald eine Geschmacksprobe.

Bernhard W. Naber schiebt sich ein winziges Stückchen des Täublings in den Mund. Er kaut keine zwei Sekunden, dann muss er es ausspucken. „Chili ist gar nichts dagegen“, urteilt der Pilzsachverständige während einer Wanderung durch die Frauendorfer Wälder. Wahrscheinlich hat er einen leicht giftigen Spei-Täubling erwischt.

Anders dagegen bei Sigrid Tschirner: Die Brieskerin kostet einen anderen Täubling. „Schmeckt würzig“, sagt sie und legt den Pilz in ihren Korb. „Mein Mann bereitet aus Täublingen vorzügliche Pilzsuppen“ berichtet sie. Das Schöne an diesen Gewächsen sei, dass sich viele Leute an diese nicht heranwagen. „Somit brauchen wir in der Regel nicht lange suchen.“ Mancherorts kämen Täublinge massenhaft vor.

Allerdings sollten Sammler längst nicht jeden Pilz im Wald verkosten. Etwa bei den tödlich giftigen Knollenblätterpilzen könne dies ein böses Ende nehmen. Kurioserweise werden sie von Wildschweinen gern gefressen, ohne das die Schwarzkittel Schaden erleiden.

Indes landet auch der erste Grünling in einem Pilzkorb. Die Sammlerin kündigt an, das Gewächs „selbstverständlich essen“ zu wollen. Pilzsachverständiger Naber muss aber warnen: „In Frankreich und Polen wurden sechs tödliche Vergiftungen nachgewiesen. Dort haben die Leute die Art in größeren Mengen gegessen.“

Naber ist bereits seit 45 Jahren Pilzexperte. Etwa 250 Arten kennt der Schwarzheider aus dem Effeff. „In Brandenburg kommen aber 4000 bis 5000 Pilzarten vor. Ich bin zu den Leuten ehrlich, wenn sie mir ein Gewächs vorlegen, das ich nicht kenne. Wer hingegen behauptet, über sämtliche Pilze Bescheid wissen zu wollen, der lügt.“ Naber fügt an, dass er in seiner langen Dienstzeit noch nie jemanden „ins Krankenhaus beraten“ habe.

Allerdings würde nicht jeder selbst jeden Speisepilz gut vertragen. „Butterpilze empfehle ich immer gut zu kauen. Ansonsten können sie Durchfall verursachen.“ Und auch Riesenboviste gelten zwar als essbar, aber nur solange, wie sich ihr Inneres ganz in Weiß präsentiert. Aus diesem Grund muss auch während der Frauendorfer Pilzwanderung gleich ein stattliches Exemplar entsorgt werden.

Der Frauendorfer Revierförster Carsten Heinze rechnet indes vor, dass er pro Jahr fünf bis sechs Pilzsucher mit Knöllchen ausstatte. „Manche Leute wollen die Gewächse am liebsten gleich vom Auto aus pflücken. Das geht natürlich nicht.“ Je nach Waldbrandwarnstufe richte sich dann die Höhe des zu zahlenden Strafgeldes. Mindestens seien aber 25 Euro fällig. „Wenn ich die Betroffenen antreffe, rede ich zunächst mit ihnen. Ich bin keiner, der sich einfach an die Autos schleicht und dort Strafzettel anbringt“, stellte Heinze klar.