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Start in die neue Karneval-Saison
Narren starten spektakuläre Weltreise

Karnevalsauftakt in Schwarzheide: Am Bürgerhaus haben die Narren des SCC die 39. Session mit dem Motto „So viel Spaß für wenig Geld, der SCC reist um die Welt“ eröffnet.
Karnevalsauftakt in Schwarzheide: Am Bürgerhaus haben die Narren des SCC die 39. Session mit dem Motto „So viel Spaß für wenig Geld, der SCC reist um die Welt“ eröffnet. FOTO: Steffen Rasche
Schwarzheide/Annahütte. Schwarzheider Karnevalisten sorgen für stimmungsvollen Auftakt. Großräschener tanzen das Pflaster des Marktplatzes unterm Zeltdach platt. Guggen bringen ganz Annahütte auf die Beine. Und in Hohenbocka geht die Luzie bei der Geburtstagsparty ab. Von Kathleen Weser, Steffen Rasche und Mirko Sattler

Der närrische Sturm auf das Schwarzheider Bürgerhaus, der am weitgehend arbeitsfreien fröhlichen Sonnabend auch wieder einmal zur karnevalistischen Echtzeit am 11. November um 11.11 Uhr gestartet werden konnte, ist ein hervorragend inszeniertes Spektakel. Einzig allein textsicher ist Stadtoberhaupt Christoph Schmidt (parteilos) aus vollster Brust „Unter den Wolken“ singend über das Dach auf dem Vorplatz des Bürgerbhauses eingeschwebt: als Pfeife rauchender Käpt’n der Gondel des Heißluftballons auf der „Reise um die Welt“, die die heimischen Narren in den nächsten 80 Tagen voller Freude in Angriff nehmen. Musikalisches Talent ist dem Bürgermeister, der auch die unterhaltsamen Herausforderungen liebt, bei dem Auftritt voll umfänglich zu bescheinigen: Christoph Schmidt hält die Melodie des Reinhard Mey-Liedes konsequent auch in schwieriger Lebenslage. Auf den Kran-Dienstleister ist Verlass. Und die Stimmung vor dem Bürgerhaus kann besser nicht sein. Die Damen aus den Amtsstuben haben als märchenhafte Tänzerinnen aus 1001. Nacht in eine Paraderolle gefunden. Und der strenge Rathaus-Chef schwingt mit die Hüften - zur unbändigen Freude der zahlreichen Zuschauer. Die Schwarzheider Narren laufen sichtlich zur Höchstform auf. Die Kinder dürfen die Steinmauer vor der Eingangstür des Bürgerhauses dann stürmen. Die Kleinen bringen die Kunststoff-Barriere spielend leicht zu Fall. Und die Stadtkasse wird wenig später aus dem Haus getragen. Sie ist schwer, raschelt aber mehr als sie klingelt. Denn die Kohle der Stadt ist vorsorglich durch reichlich Kamelle ersetzt worden.

Die Guggen haben den närrischen Zug zur Amtsübernahme in der Gemeinde Schipkau angeführt und die Leute in Stimmung gebracht. Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) und Petra Quittel, die gute Seele von Annahütte, sind vom Karnevalspräsidenten, dem Ritter- und Elferrat zu einer geheimen Unterredung ins Rathaus gebeten worden. Mit Nachdruck. Nicht etwa dicke Hefter  und  Bücher werden gewälzt, um die Geschäfte bis Aschermittwoch weiter laufen zu lassen. Nein.  Absprachen bei  Wein, Sekt und Obstler werden getroffen. „Ab sofort haben die Prozente weniger mit Geld zu tun. Bei uns werden sie sogar locker steigen“, scherzt Karnevalspräsident  Mario Weber. Und der Bürgermeister werde in den Urlaub geschickt. „Ich werde mich von den Strapazen der vergangenen Tage erholen“, bestätigt Klaus Prietzel. Dem närrischen Frieden traut er aber offensichtlich auch nicht so ganz. Ein wachsames Auge auf die Vertretung habe er, „damit nicht das ganze Geld aus dem Gemeindesäckel in Hochprozentiges umgesetzt wird“.

Die Ehrenkappe, die Prietzel zum 50. Geburtstag bekommen hatte, trägt er zwar ehrfurchtsvoll. Aber die Schatztruhe der Gemeinde übergibt er mit ganzen zwei Euro und einigen Bonbons. Aber: „Zu jedem Jubiläum bringe ich einer Tradition folgend, einen kleinen Scheck mit. Ich hoffe auch, dass er in diesem Jahr gedeckt ist. Ich habe das Jubiläum zum Anlass genommen, eine Null dran zu hängen“, sagt er. Statt der beantragten neun Millionen Euro, erhalten die Narren im 70. Jahr des Bestehens 700 Euro. Den Rathaus-Schlüssel rückt der Bürgermeister allerdings noch nicht raus. Den gibt es hier erst am 3. Februar im Rahmen des großen Festumzuges durch die Straßen der Gemeinde.
 Schaulustige verfolgen auch hier das Spektakel. Gisela Herrmann ist dabei: „Mir gefällt so, dass alle zusammenhalten und etwas auf die Beine stellen. Deshalb komme ich auch extra aus Sallgast angereist“, sagt die rüstige Seniorin. Mit einer blauen Perücke bekleidet, findet Ulrike Krämer aus Senftenberg den Weg nach Annahütte. „Wir fahren jedes Jahr hierher. Heute vermisse ich zwar die Faschingskinder, doch schön ist es trotzdem. Die Atmosphäre finde ich so toll“, ergänzt die 66-Jährige, die auch regelmäßig zum Karnevalsumzug nach Cottbus fährt.  Nach dem Sturm auf das Annahütter Rathaus macht sie sich mit dem Mann auf die Socken in den  Garten. Hier wird in kleiner Runde mit den Nachbarnweitergefeiert.

Der Bürgermeister kommt über das Dach als Käpt’n eines Heißluftballons zum Spektakel eingeschwebt. Und er schindet auch musikalisch Eindruck mit „Unter den Wolken“, frei nach Reinhard Mey.
Der Bürgermeister kommt über das Dach als Käpt’n eines Heißluftballons zum Spektakel eingeschwebt. Und er schindet auch musikalisch Eindruck mit „Unter den Wolken“, frei nach Reinhard Mey. FOTO: Steffen Rasche
Die Kinder dürfen die Kunststoff-Steinwand vor der Rathaustür zu Fall bringen. Das dauert nur wenige Sekunden.
Die Kinder dürfen die Kunststoff-Steinwand vor der Rathaustür zu Fall bringen. Das dauert nur wenige Sekunden. FOTO: Steffen Rasche
An der Schwarzheider Stadtkasse hat die Garde schwer zu tragen. Die Stadtspitze hat sie allerdings von den Scheinen befreit und mit Kamelle gefüllt.
An der Schwarzheider Stadtkasse hat die Garde schwer zu tragen. Die Stadtspitze hat sie allerdings von den Scheinen befreit und mit Kamelle gefüllt. FOTO: Steffen Rasche
Der Großräschener Carneval Club „Rot-Weiß" ist mit einer Riesensause auf dem Marktplatz in die 39. Session gestartet.
Der Großräschener Carneval Club „Rot-Weiß" ist mit einer Riesensause auf dem Marktplatz in die 39. Session gestartet. FOTO: Steffen Rasche
Die Annahütter Narren übernehmen die Amtsgeschäfte von Bürgermeister und Ortsvorsteher. Sie werden mit Süßem milde gestimmt, damit hier in der fünften Jahreziet trotzdem nicht alles drunter und drüber geht.
Die Annahütter Narren übernehmen die Amtsgeschäfte von Bürgermeister und Ortsvorsteher. Sie werden mit Süßem milde gestimmt, damit hier in der fünften Jahreziet trotzdem nicht alles drunter und drüber geht. FOTO: Mirko Sattler