Von Andrea Budich, Verena Ufer und Jan Augustin

Ein beißender Gestank nach verbranntem Gummi hat sich am Donnerstagmorgen wie ein Schleier über Senftenberg gelegt. Blaulichter und Martinshörner begleiten ganztägig die Senftenberger. Einsatzleiter Michael Pfau stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Innerhalb von zwei Wochen erlebt der Senftenberger Feuerwehrmann zwei Brände, die ihn nicht nur zum Schwitzen, sondern zur Weißglut bringen. Das illegale Reifenlager an der Ackerstraße am Stadtrand hat Mittwochnacht wieder lichterloh in Flammen gestanden. Wie beim ersten Brand schrillen die Alarmglocken wieder gegen 22 Uhr. 150 Männer und Frauen kämpfen gegen die Feuersbrunst. 60 Fahrzeuge sind vor Ort. Aus Hoyerswerda rücken die Kameraden mit dem nötigen Schaum an.

„Das ist unverantwortlich. Es ist erschreckend, wie viel kriminelle Energie vorhanden sein muss“, schimpft der hauptamtliche Feuerwehrmann. Denn für ihn steht fest: Die Reifen sind nicht von alleine angebrannt. „Da braucht man nicht viel zu spekulieren.“ Um solch einen Haufen an alten Reifen zum Brennen zu bringen, brauche es eine gewisse Zündenergie. Dass möglicherweise ein altes Glutnest Ursache des Feuers war, schließt der mit 30 Berufsjahren sehr erfahrene Einsatzleiter Michael Pfau aus. Seit dem Brand in dem illegalen Reifenlager vor zwei Wochen haben täglich Kontrollgänge stattgefunden, erklärt er. Anzeichen für alte Glutnester seien eindeutig nicht erkennbar gewesen. Zumal die Feuerschlacht diesmal von einem bisher unberührten Haufen ausging, der beim Brand vor zwei Wochen überhaupt nicht in Flammen stand. Ein dritter Fakt, der gegen eine Selbstentzündung spricht: Kurz vor dem Feuer hat es in Senftenberg fast eine Stunde lang kräftig geschüttet.

Wie vor zwei Wochen ist auch dieses Mal viel Glück im Unglück dabei. Denn der Wind weht wieder stadtauswärts, was ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Wohnhäuser verhindert. Wie dramatisch die Situation ist, schildert Michael Pfau: „Hätte der Wind anders gestanden, hätte das Krankenhaus Senftenberg evakuiert werden müssen.“

Mit ziemlich viel Wut im Bauch ist in der Brandnacht auch Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) zur neuerlichen Feuerschlacht zum Reifenlager geeilt. „Das muss Brandstiftung sein“, lässt das Stadtoberhaupt keine Zweifel aufkommen. Fredrich weiß, dass er sich damit weit aus dem Fenster lehnt, bleibt aber dabei: „Die Reifen können sich kein zweites Mal von allein entzündet haben.“

Die Polizei will sich indes noch nicht auf Brandstiftung festlegen. Die Kriminalpolizei, die bereits seit dem ersten Brandausbruch ermittelt, setzt ihre intensive Ursachensuche fort. Das ist aufgrund der großen Mengen Wasser und Schaum, die zum Löschen notwendig waren, ein schwieriges Unterfangen. Es werde weiterhin in alle Richtungen ermittelt, heißt es bei der Polizeidirektion Süd in Cottbus. Auch Brandstiftung könne nicht ausgeschlossen werden.

Bildergalerie Die verkohlten Reifen werden am Donnerstagmittag umgeschichtet und gründlich abgelöscht.

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