ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 03:03 Uhr

Nächster Halt: Bahnhof Wandelhof

Blick auf den früheren Bahnhaltepunkt Zschornegosda in der Kostebrauer Straße. Heute dient dieses Gebäude als Wohnhaus. Foto: T. Richter/trt1
Blick auf den früheren Bahnhaltepunkt Zschornegosda in der Kostebrauer Straße. Heute dient dieses Gebäude als Wohnhaus. Foto: T. Richter/trt1 FOTO: T. Richter/trt1
Schwarzheide. Ein trauriges Ereignis jährte sich in diesem Herbst zum 50. Mal. Zum 1. September 1962 ist der Personenverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Ruhland und Lauchhammer beendet worden. Die 7,6 Kilometer lange Fahrt dauerte rund 20 Minuten. Torsten Richter / trt1

"Als ich jung war, bin ich öfter in Schwarzheide an der Station Synthesewerk in den Zug gestiegen und über Lauchhammer nach Kostebrau gefahren. Dort gab es gleich am Ortseingang aus Richtung Lauchhammer einen Musikladen, in dem ich meine Mundharmonikas kaufte", erinnert sich das Schwarzheider Urgestein Manfred Günther. Die Station Stellwerk/Synthesewerk war der erste Haltepunkt der Züge, die von Ruhland nach Lauchhammer und weiter nach Kostebrau fuhren. Er war extra für die Arbeiter des Chemiebetriebes eingerichtet worden. Die Haltestelle befand sich zwischen der Brücke der Schipkauer Straße und der Autobahnbrücke über die Bahn.

Manfred Günther (77) wohnt in der Nähe des einstigen Haltepunktes. Den nächsten Stopp legten die Züge damals am Bahnhof Wandelhof ein. Dieser erinnerte zwar eher an eine Baracke, besaß aber einen Fahrkartenschalter sowie einen Aufenthaltsraum. Bis nach der Wende befand sich dort ein schwarz geteertes Häuschen. Später waren nur noch die Grundmauern zu sehen. Immerhin erinnern mehrere Straßen an den Schienenverkehr. Dazu gehören die Eisenbahnstraße, die Bahnhofstraße sowie Am Bahnhof Wandelhof.

Die dritte Station befand sich in der Kostebrauer Straße in Schwarzheide-West. Zwar wurde das Fahrkartenhäuschen der einstigen Haltestelle Zschornegosda bereits in den 1960er-Jahren abgerissen, doch ist das dahinter befindliche Wohnhaus bis heute erhalten. Seit 1965 lebt dort die Familie Sachert. Der Bahnhof in Lauchhammer-Ost existiert ebenfalls noch. Allerdings wurde ein Teil des Güterbahnhofs abgerissen.

Eine Fahrt von Ruhland nach Lauchhammer dauerte dem Fahrplan der Deutschen Reichsbahn aus dem Jahr 1947 zufolge 25 Minuten. Zwölf Jahre später waren es nur noch 20 Minuten. Die Strecke war 7,6 Kilometer lang. Von Lauchhammer verkehrten die Züge entweder weiter nach Kostebrau mit Umstiegsmöglichkeit nach Sallgast oder aber nach Lauchhammer-Nord. Diese Verbindung war auch als Koyne-Bahn, benannt nach dem gleichnamigen Ortsteil, bekannt. "Die Leute nutzten sie für ihre Fahrt in die Blaubeeren", weiß Manfred Günther.

Am 1. September 1962 wurde der Personenverkehr auf der Strecke zwischen Ruhland und Lauchhammer eingestellt. Der Güterverkehr lief jedoch weiter. Manfred Günther zählt heute Tag für Tag zwei Züge, die aktuell zwischen Ruhland und Lauchhammer-Ost verkehren. Ziel ist der dortige Schrottplatz.

Vor zwölf Jahren erfolgte nach Angaben des Kultur- und Heimatvereins Schwarzheide die Stilllegung der Verbindung von Lauchhammer nach Kostebrau. 2002 wurden die Gleise abgebaut. Heute verläuft dort der Radweg zwischen beiden Orten.

Anlässlich der 550-Jahr-Feier von Schwarzheide beziehungsweise Zschornegosda im Juni 1999 fuhr nochmals ein Personenzug zwischen dem Bahnübergang Schwarzer Weg und dem früheren Haltepunkt in der Kostebrauer Straße. Der Kultur- und Heimatverein hatte dieses Spektakel organisiert. "Die Leute sind am Schwarzen Weg eingestiegen. Dafür wurde extra eine Trittstufe gebaut", erinnert sich Vereinschef Michael Quanz. Angetrieben wurde der Zug von einer PS-starken Dampflok.

Die Bahnstrecke von Ruhland nach Lauchhammer war Teilstück eines einstmals dicht verzweigten Schienennetzes. Dieses entstand im Zuge der Industrialisierung des Senftenberg-Lauchhammeraner Braunkohlenreviers. So ging es beispielsweise mit der Schipchenbahn von Senftenberg über Schipkau und Annahütte nach Finsterwalde. In Sallgast bestand Anschluss an den Zug nach Kostebrau.

Längst fährt im Dreieck Senftenberg, Finsterwalde, Lauchhammer gar kein Personenzug mehr. Ursachen sind die sinkenden Fahrgastzahlen sowie die Inanspruchnahme der Gleistrassen durch die Tagebaue Klettwitz und Klettwitz-Nord.

Wer heute auf die Idee kommen sollte, von Lauchhammer nach Finsterwalde per Bahn reisen zu wollen, hat die Wahl zwischen der Verbindung über Falkenberg (Elster) und Doberlug-Kirchhain oder aber über Senftenberg und Großräschen. Zeit sollte allerdings mitgebracht werden. So dauert die Fahrt über Falkenberg eine Stunde und 25 Minuten. Falls die Züge pünktlich sein sollten.