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Nachtwanderung sprengt alle Erwartungen

Nachtwanderung mit Stadtwächter Andreas Peter durch das historische Ruhland.
Nachtwanderung mit Stadtwächter Andreas Peter durch das historische Ruhland. FOTO: sam1
Ruhland. Die erste Nachtwanderung im Elsterstädtchen geht mit einem Erfolg in die Geschichte ein. Rund 120 Ruhlander und Gäste aus der Umgebung kamen trotz Regens zur Postmeilensäule und hörten den Ausführungen des Stadtwächters Andreas Peters aus Guben zu. Mirko Sattler / sam1

Die Idee zu einer nächtlichen Wanderung durch die Stadt stammt von Bürgermeister Uwe Kminikowski. Er hat Nachtwächter Andreas Peters eingeladen, um im Vorfeld des Stadtfestes im kommenden Jahr eine Generalprobe der Nachtwanderung durchzuführen. "Ich habe im Görlitz schon einmal eine Nachtwanderung mitgemacht und war fasziniert davon", erinnert sich das Stadtoberhaupt. Schon damals sagte er sich: So etwas muss doch auch in Ruhland gehen. "Bei Recherchen im Internet bin ich auf Stadtwächter Andreas Peters gestoßen und habe ihn angeschrieben", erzählt Bürgermeister Uwe Kminikowski, der gleichzeitig auch kommissarischer Vorsitzender des Vereines "Wir für Ruhland e.V." ist.

Angelehnt an die alte Ruhlander Stadtchronik, führte der Stadtwächter die Gäste zu gut ein Dutzend historischen Gebäuden im Stadtkern. Darunter waren die Druckerei, die Apotheke, das Denkmal, die Kirche und die Schule. "Im Rahmen der Innenstadtsanierung erhalten 25 Gebäude historische Tafeln, die auch in einem Flyer versehen sein werden", erklärt der Bürgermeister weiter. Konnte man die Besucher und Teilnehmer auf dem Markt bei Regen und Dunkelheit schlecht zählen, so bot sich der Besuch in der Kirche dafür bestens an. "Mit so vielen Leuten haben wir heute nicht gerechnet. Angemeldet waren 17", sagt Pfarrer Hans-Christoph Gille sichtlich überrascht, als die Besucher im Hauptschiff seiner Kirche Platz nahmen.

Hier erzählte der Stadtwächter, der auch großen Wert auf diese Bezeichnung legt, von den Anfängen von Ruhland als Fischerdorf.

"Ich finde solch eine Nachtwanderung sehr gut, obwohl es schon ein bisschen viel zu viele Leute sind", meint Renate Weidelt aus Kroppen und ergänzt: "Für das Wetter kann keiner was, aber ohne Regenschirme würden wir den Stadtwächter auch besser verstehen." Extra aus Senftenberg angereist ist Günter Schüppel. "Ich bin in Ruhland geboren, aber seit 60 Jahren weg von hier. Die Tour finde ich sehr gut. Es ist nur schade, dass sich dafür kein Ruhlander gefunden hat", so der 70jährige Senftenberger.

Nach gut anderthalb Stunden Fußmarsch ging die erste Nachtwanderung im Gutshof beim Heimatverein zu Ende.

Zwischenzeitlich musste der Vereinsvorsitzende Uwe Kminikowski noch mehr Sektflaschen besorgen, damit jeder Teilnehmer am Ende auch ein Gläschen bekommt. Für die zweite Nachtwanderung am 5. November kündigt der Bürgermeister schon jetzt Veränderungen an. Dann soll es eine etwas andere Tour geben und die Teilnehmer müssen sich vorher anmelden. Wer aber wieder dabei sein wird, ist Stadtwächter Andreas Peters. "Ich habe mir das alles allein angeeignet und führe nun schon in Guben seit zehn Jahren Nachtwanderungen durch", sagte der Stadtwächter. "Für die Tour durch Ruhland habe ich mich anhand der alten Ruhlander Chronik belesen", verrät der Stadtwächter, die an diesem Abend traditionell mit Hellebarde und Laterne unterwegs war.