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Eisenbahnknoten Ruhland
Nachtschichten für das Bahnhofsfinale

Gearbeitet wird auf dem Bahnhof Ruhland parallel und auf zwei Etagen. Unten werden die Weichen umgerüstet, über den Köpfen wird die Oberleitung neu aufgebaut.
Gearbeitet wird auf dem Bahnhof Ruhland parallel und auf zwei Etagen. Unten werden die Weichen umgerüstet, über den Köpfen wird die Oberleitung neu aufgebaut. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen
Ruhland. Beim 70-Millionen-Euro-Umbau des derzeit voll gesperrten Ruhlander Eisenbahnknotens rotieren Hunderte Monteure, Planer, Prüfer und Ingenieure Tag und Nacht. Am Montag um 4 Uhr morgens wird die Strecke wieder freigegeben. Von Andrea Budich

Großer Bahnhof für den Bahnhof. Auf der millionenschweren Großbaustelle, im Süden Brandenburgs ist es sogar die größte der Bahn, wird am Wochenende zum Finale geblasen. Nachdem sich seit einer Woche kein Rad mehr dreht und weder Personen- noch Güterzüge ein- und ausfahren, schlägt am Montagmorgen, Punkt 4 Uhr, die Stunde der Wahrheit. Dann sollen sie wieder zuverlässig rollen, die Züge nach Leipzig, Dresden, Falkenberg und Cottbus - ab - Montag ferngesteuert vom Fahrdienstleiter, der in der  Betriebszentrale in Leipzig schaltet und waltet.

Für die neue elektronische Stellwerkstechnik wurden in den zurückliegenden Monaten mehr als 50 große Lichtsignale aufgestellt, Gleise, Weichen und Signal- und Sicherungstechnik erneuert.

Damit die letzten Weichen eingebaut und das neue Stellwerk geprüft werden kann, musste der Bahnhof dicht gemacht werden. Neun Tage und eine Nacht haben Hunderte Monteure, Prüfer, Planer und Ingenieure jetzt Zeit, 54 Weichen umzurüsten, 81 Signale und 120 Achszähler zu montieren. Dafür machen sie seit einer Woche die Nacht zum Tage und arbeiten rund um die Uhr. Immer mit dem Ziel vor Augen, dass Montagmorgen alles tipptopp in Ordnung sein muss, damit der erste Zug einfahren kann.

Der gesperrte Bahnhof ist also alles andere als ein Geisterbahnhof. Während an den Gleisen die Weichenschlosser mit den neuen elektronischen Weichenantrieben zu fummeln haben, wird über ihren Köpfen die Oberleitung neu aufgebaut. Parallel läuft der Gleisbau, Signaltechnik muss angepasst und Weichenheizungen eingebaut werden. In der Spur sind auch Spezialisten aus Leipzig, die die neu eingebauten Weichenantriebe Kontakt für Kontakt prüfen. „Das ist alles reine Handarbeit und sehr komplex“, erklärt Bahn-Projektleiter Ulrich Mölke die besondere Herausforderung. Bis Mittwoch war die Hälfte der Weichen umgerüstet. „Wir liegen gut im Zeitplan“, bestätigt Projektingenieur Dirk Schreyer. Heute wollen die Männer mit dem Umbau der 54 Weichen komplett durch sein. Im Anschluss kann das Zusammenspiel zwischen Weichen, Signalen und Achsfühlern geprüft werden.

Der Countdown läuft auch auf den Bahnsteigen. Die Beschilderungsarbeiten sind in vollem Gange, die Fahrgast-Informationsanzeige wird umprogrammiert, die Sitzgruppen mit Windfang montiert. „Das muss alles noch fertig werden, damit die Reisenden ab Montag in den richtigen Zug einsteigen“, gibt Dirk Schreyer den Takt vor.

In der neuen elektronischen Schaltzentrale des Bahnhofes Ruhland laufen indes schon alle Fäden zusammen. „An den abschließenden Tests zum Zusammenspiel wird fieberhaft gearbeitet“, bestätigt Projektleiter Mölke. Weil nicht jeder Fehlerfall zu simulieren ist, wird vor der Freigabe am Sonntag eine Lok sämtliche Fahrwege abfahren. Nach den Probefahrten steht dann der Inbetriebnahme am Montag nichts mehr im Wege. Das neue Herz des Ruhlander Bahnhofes kann anfangen zu schlagen.

Auf den Bahnsteigen läuft der Countdown: Es wird geputzt und gewienert. Bis Montag muss alles fertig sein.
Auf den Bahnsteigen läuft der Countdown: Es wird geputzt und gewienert. Bis Montag muss alles fertig sein. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen