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Nach Zugunglück: Ab September rollt's wieder an in Hosena

Hosena. Großer Bahnhof auf dem Unglücksbahnhof Hosena: Das Trümmerfeld ist weitestgehend beräumt, die Arbeiten an der Oberleitung so gut wie abgeschlossen. Am kommenden Montag starten der Gleis- und der Weichenbau. Gut zwei Dutzend Einsatzkräfte arbeiten dann rund um die Uhr, damit ab dem 1. September die Züge erstmals nach dem Unglück wieder in Richtung Ruhland rollen. Andrea Budich

Der neu aufgebaute Kupferdraht der Fahrleitung glänzt in der Mittagssonne. Die bei der Karambolage der beiden Güterzüge vor knapp drei Wochen verzogenen Quertragswerke stehen wieder wie eine Eins. 3500 Meter Oberleitung sind ausgerichtet und teilweise ausgewechselt. Der Anblick ist für Baubetriebskoordinator Nils Sowa beruhigend. "Wir liegen gut im Zeitplan", schätzt er ein.

Mit der Oberleitung will die Bahn am morgigen Donnerstag durch sein. "Punkt 18 Uhr ziehen wir ab", bestätigt der Anlagenverantwortliche Fred Freudenberg nach seinem Kontrollrundgang über die Gleise.

Dann konzentriert sich alles auf den Einbau der Weichen. Durch die Bank sind es Spezialanfertigungen aus dem Weichenwerk Witten. Spezialisten der Bahnbaugruppe bauen die fünf neuen Weichen ab kommendem Montag rund um die Uhr ein.

Der Zeitplan ist eng gestrickt: Ab 1. September sollen die ersten Züge wieder in Richtung Ruhland rollen. Der Notfahrplan wird dann über zwei Gleise abgewickelt. Ob Reisezüge dabei sind, ist derzeit noch nicht entschieden. Das Gleis nach Brieske hingegen wird erst in etwa einem halben Jahr wieder in Betrieb gehen.

Der Wiederaufbau des Bahnhofes Hosena hängt für Notfallmanager Nils Sowa in erster Linie am Stellwerk. Der Bauschutt des komplett zerstörten alten Stellwerkshäuschens ist von der Bildfläche verschwunden. Für den Neubau wird derzeit ein sogenanntes Gleisbild-Stellwerk favorisiert. Die Weichen werden darin vom Stellwärter nicht mehr mechanisch mittels eines Riesenhebels gestellt, sondern einfach per Knopfdruck. "Bis das neue Herz des Bahnhofes wieder schlägt, werden noch vier bis sechs Monate ins Land gehen", erklärt Sowa. Und solange könne es auch nur einen Notbetriebsplan geben.

Nach der Hosenaer Katastrophennacht am 26. Juli, bei der ein Stellwerker ums Leben kam und nach der ein Lokführer noch immer nicht ansprechbar ist, geht die Deutsche Bahn von einem Sachschaden in zweistelliger Millionenhöhe aus. Allein das neue Stellwerk wird mehrere Millionen Euro kosten.

Die umgekippte Lok der privaten Eisenbahngesellschaft ITL liegt nach wie vor neben den Gleisen. Sie ist von der Staatsanwaltschaft Cottbus inzwischen freigegeben und wird derzeit von Versicherungsexperten bis ins kleinste Detail durchforscht. Dabei soll ermittelt werden, ob Teile noch verwertbar sind oder ein Totalschaden vorliegt. Wie die RUNDSCHAU aus sicherer Quelle erfahren hat, soll es noch zwei bis drei Wochen dauern, bis der wie eine Spielzeuglok zerknautschte 60-Tonnen-Stahlberg abtransportiert wird.

Bis die Signale wieder endgültig auf Fahrt stehen und wie vor dem Unglück täglich bis zu 80 Züge in den Hosenaer Bahnhof ein- und ausfahren, wird es noch Monate dauern. Männer wie Nils Sowa und Fred Freudenberg wachen darüber, dass die Reparaturarbeiten und der Wiederaufbau nicht ins Stocken geraten.