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Nach reibungslosem Start nun erste Kritik an neuer Busflotte

Auf der Senftenberger Stadtlinie fahren zwölf MAN-Niederflurbusse.
Auf der Senftenberger Stadtlinie fahren zwölf MAN-Niederflurbusse. FOTO: VG OSL
Senftenberg. Senftenberger Seniorin beklagt zu hohe Podeste und fehlende Aussteige-Haltegriffe. Jedoch sind die meisten Niederflur-Fahrzeuge barrierefrei. Jan Augustin und Kathleen Weser

Waltraud Kreisel (81) aus Senftenberg beklagt, dass die neuen Stadtbusse zu hohe Podeste haben und die Sitze überall und nicht nur über den Radkästen für ältere Insassen eine Zumutung sind. Zum Aussteigen gebe es auch keine Haltegriffe. In der vergangenen Woche sei an der Linie C 1, die meist alte Leute und Kinder nutzen, eine Dame mit Rollator (87) gefallen. Der Bus halte zu weit vom Gehsteig. Zum Festhalten gebe es nichts, moniert sie am RUNDSCHAU-Telefon. Die Busse vorher seien viel besser und vor allem sicherer gewesen.

Nach dem reibungslosen Start des neuen Betreibers im Regionalbusverkehr am 1. August fährt die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) unter Regie der Verkehrsgesellschaft OSL (VG OSL) seit nunmehr zwei Wochen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Für KVG-Geschäftsführer Alfons Dienel ist es die erste derartige Kritik, die ihm zu Hören gekommen ist. "Ich habe mit vielen Fahrgästen gesprochen, die sich gefreut haben, dass man endlich bequem einsteigen kann", teilt Dienel am Montag auf Nachfrage mit. Podeste oder Stufen in den Fahrzeugen sind jedoch notwendig in den neuen, mit Rollator-Rampen ausgestatteten Niederflurbussen, erklärt Dienel. Motor, Getriebe und Achsen der Fahrzeuge müssen schließlich irgendwo verbaut werden. Alfons Dienel empfiehlt älteren Fahrgästen, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, die zehn Sitze gleich rechts neben dem Einstieg zu nutzen, so müsse auch niemand über Podeste steigen.

Auch die Kritik an fehlenden Festhaltemöglichkeiten ist unberechtigt, findet Alfons Dienel. "An den Türen sind Griffe vorhanden." Die in älteren Modellen gängigen Mittelstangen werden in neuen Bussen meist nicht mehr eingebaut, weil Kinderwagen zuvor nur schwer in den Bus zu tragen waren. Als eine Zumutung, wie es Waltraud Kreisel bezeichnet hat, will Alfons Dienel auch nicht die Aussage über die Qualität der Sitze verstanden wissen. Die Sitze in der Stadtlinie seien im Gegensatz zu den Überlandbussen zwar nur leicht gepolstert. Jedoch sei die Fahrdauer auch deutlich kürzer. Der KVG-Geschäftsführer zieht nach den ersten Tagen jedenfalls ein sehr positives Fazit. "Bisher habe ich nur Gutes gehört. Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Alle Busse waren pünktlich, und ich habe von den Kunden sowie auch von den Fahrern nur positive Rückmeldungen erhalten, was mir persönlich sehr am Herzen liegt", sagt Dienel, der 20 Jahre als Busfahrer gearbeitet hat.

Von den 72 Bussen, die im Regionalbuslinienverkehr sowie in den Stadtverkehren in Senftenberg und Lübbenau zum Einsatz kommen, sind der überwiegende Teil der "weißen Flotte" moderne Neufahrzeuge und 60 der Busse zudem barrierefrei. Ferner sind alle Fahrzeuge mit einer Vollklimatisierung ausgestattet - ein Kriterium, das aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Ausschreibung gefordert war, durch die KVG aber dennoch umgesetzt wurde. Die neuen Betriebshöfe in Senftenberg, Lauchhammer, Lübbenau, Calau und Groß kmehlen haben in den vergangenen Tagen ebenfalls ihre Arbeit aufgenommen.

Derzeit sind insgesamt 69 Mitarbeiter bei der KVG und ihrem Schwester-Unternehmen der OSL Bus GmbH im Landkreis OSL beschäftigt, darunter 56 Personen, die vormals bei der Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft (SBN) tätig waren. Die Zahl der Beschäftigten wird sich in den kommenden Monaten noch erhöhen, besonders Busfahrer werden weiterhin gesucht, bestätigt KVG-Geschäftsführer Alfons Dienel. Für den Norden des Kreises suche die KVG noch etwa fünf Fahrer.

Grit Klug, 1. Beigeordnete und zuständige Dezernentin für den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis, betont, dass sie nach dem Start am 1. August, auch in der folgenden Zeit nach dem Betreiber- und Fahrplanwechsel sehr zufrieden ist. "Ich konnte mich in den letzten Tagen selbst davon überzeugen, dass in den Bussen bis dato alles einwandfrei und zufriedenstellend ablief. Und bin optimistisch, dass auch die Beförderung der Schüler zum Schuljahresbeginn ab dem 4. September ebenfalls ohne Komplikationen ablaufen wird", erklärt sie. In diesem Zuge bedankt sie sich noch einmal bei der KVG und den Mitarbeitern der KVG sowie der VG OSL für die "stets offene Kommunikation mit der Kreisverwaltung und ihrem Engagement, den Regionalbusverkehr im Landkreis zuverlässig auf den Weg zu bringen".

Zum Thema:
Die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck aus Zittau hatte im Dezember 2016 die europaweite Ausschreibung für den Busverkehr im Obersprewald-Lausitz-Kreis sowie in Senftenberg und Lübbenau gewonnen. Die Laufzeit ab 1. August 2017 beträgt zehn Jahre. Der bisherige Betreiber, die Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft (SBN), hatte sich nicht beworben. Die KVG ist 100-prozentige Tochter der Rhenus Veniro, die wiederum eine Tochter des Rethmann-Konzerns ist.