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| 07:20 Uhr

1000 Quarkbällchen als Dank
Bäckerei Günther in Frauendorf wieder eröffnet

 In der Backstube herrscht wieder Betrieb. Dienstag, Punkt 1 Uhr, wurde der neue Backofen angefeuert. Die 20-köpfige Mannschaft von Bäckermeister Axel Günther (Mitte) ist bei der Neueröffnung wieder komplett da. Alle haben während der siebenmonatigen Zwangspause ihrem Chef die Treue gehalten.
In der Backstube herrscht wieder Betrieb. Dienstag, Punkt 1 Uhr, wurde der neue Backofen angefeuert. Die 20-köpfige Mannschaft von Bäckermeister Axel Günther (Mitte) ist bei der Neueröffnung wieder komplett da. Alle haben während der siebenmonatigen Zwangspause ihrem Chef die Treue gehalten. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Frauendorf. Nach dem verheerenden Großbrand Ende 2018 ist die Bäckerei Frauendorf am 23. Juli wieder eröffnet worden. Ein Teil der großen Spendensumme steckt im neuen 100 000 Euro teuren Backofen. Von Andrea Budich

Wie sehr dieses Unglück in der Nacht zum 3. Advent die Menschen in der Region bewegt und wie sehr es die Herzen der Lausitzer geöffnet hat, das war am Dienstag bei der Wiedereröffnung der Traditionsbäckerei von Axel und Michaela Günther zu spüren.

Bäckerei Günther in Frauendorf öffnet wieder FOTO: Mirko Sattler

Die ersten Kunden stehen noch vor 5 Uhr vor der Ladentür Schlange. Die Dorfstraße ist Stoßstange an Stoßstange zugeparkt. Die Leute kommen nicht nur mit Stoffbeuteln und Körben, um das erste noch dampfende Brot mitzunehmen. Sie haben Blumensträuße in der Hand, Sektflaschen unterm Arm, nehmen die komplett versammelte Bäckersfamilie in den Arm. Hier und da fließen vor lauter Freude und Dankbarkeit auch still ein paar Tränen – für die sich an diesem Freudentag niemand schämt.

 Die Bäckersfamilie, hier Tochter Marie (16, r.) sagt Danke mit Quarkbällchen, Sekt und mit  Willkommens-Brötchen, die mit einem Herz verziert sind.
Die Bäckersfamilie, hier Tochter Marie (16, r.) sagt Danke mit Quarkbällchen, Sekt und mit Willkommens-Brötchen, die mit einem Herz verziert sind. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Darauf hat Frauendorf ganze sieben Monate nach der durch einen technischen Defekt ausgelösten verheerenden Brandkatastrophe warten müssen: Der Duft von frischen Brötchen, Zimtschnecken, Butterstreusel und Hefeteig liegt wieder in der Luft. Dabei hatten die Günthers in nur einer Nacht ihre Existenz schon in den Flammen untergehen sehen. Bis auf die Grundmauern war die Backstube von den Flammen aufgefressen worden. Totalschaden. Backofen, Brötchenanlage, Mehlsilo – alles verbrannt und verkohlt bis aufs letzte Kuchenblech. Alles schien verloren – doch mit dem eisernen Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft und zahlloser Spender aus der ganzen Lausitz trotzten Axel und Michaela Günter dem schweren Schicksalsschlag und stürzten sich in den Wiederaufbau.

Das Unglück vor Weihnachten hat Frauendorf ein großes Stück weiter zusammenrücken lassen. Nachbarn, Vereine, Unternehmer, Mitarbeiter – alle haben geholfen, mitangepackt. „Wenn du Torten machen kannst, kannst du auch mauern“, war der Wahlspruch von Bäcker Jan Fiedler, der seinem Chef in der Not auf der Baustelle tüchtig hat unter die Arme gegriffen. Auf das vom Amt Ortrand angelegte Spendenkonto gingen kleinere und größere Beträge aus der ganzen Lausitz ein. „Jeder Cent davon steckt jetzt in der neuen Technik“, erklärt Bäckermeister Axel Günther. Allein der Backofen hat 100 000 Euro gekostet.

Der Neustart nach sieben Monaten hat Bäckermeister Axel Günther dann aber doch ziemlich kribbelig gemacht. Genau wie sein Vater Hans (75) war er unruhig, nervös und konnte nicht schlafen. Punkt ein Uhr Nachts haben sie Licht gemacht in der großen neuen Backstube und den neuen Ofen angeschalten.

Draußen vor dem Laden wird die Wiedereröffnung mit einem kleinen Volksfest gefeiert. Die Kunden-Schlange reißt den ganzen Tag über nicht ab. „Darauf haben wir so lange gewartet. Der Kuchen schmeckt nur hier“, freuen sich Erika und Roland Etzrodt aus Lauchhammer.