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Aus dem Gerichtssaal
Nach Beil-Angriff im Regionalzug: Gutachter sollen für Klarheit sorgen

Cottbus. Ob der Mann auf einem Überwachungsvideo tatsächlich der 23-jährige Angeklagte aus Hohenbocka ist, müssen nun Experten des Landeskriminalamtes herausfinden. Von Hannelore Grogorick

Ein Fall aus dem Raum Senftenberg beschäftigt das Landgericht in Cottbus. Dabei soll ein Mann in einem Regionalzug einen anderen Fahrgast mit einem Beil bedroht haben. Angeklagt ist ein 23 Jahre alter Mann aus Hohenbocka wegen versuchter räuberischer Erpressung. Die Beweisführung gestaltet sich kompliziert. Nun haben vom Gericht bestellte Gutachter jedoch erste Ergebnisse zur Täterwahrscheinlichkeit vorgelegt.

In dem Regionalexpress von Cottbus nach Ruhland hatte eine Überwachungskamera im Februar 2017 einen Mann mit einer Kapuze über dem Kopf und einem Schal ums Gesicht gefilmt, der mit einem Beil in der Hand herumfuchtelte und einen jungen Mann in einem ansonsten leeren Abteil bedrängte. In der Verhandlung vor drei Wochen hatte der Fahrgast vor Gericht erklärt, er habe  auch einen leichten Schlag auf den Hinterkopf bekommen. Der Angreifer habe Geld und Handy gewollt, aber nicht bekommen.

Der Beschuldigte bestreitet, dass er die Person im Zug ist. Ins Rollen geraten war der Fall durch einen Hinweis der Bundespolizei. Diese hatte drei Videos von Straftaten in diesem Zeitraum ausgewertet und sei zu dem Schluss gekommen, dass es sich dem äußeren Erscheinungsbild zufolge um ein- und dieselbe Person handelt – ein in Hohenbocka lebender 23-jähriger Mann. Bei einem Fall soll der Angeklagte zu sehen sein, wie er, ebenfalls in einem Zug, ein Feuer gelegt hat. Auf einem anderem Video sei er außerdem zu erkennen, wie er in einem Senftenberger Supermarkt wahllos Produkte einsteckt, ohne dafür zu bezahlen.

Bei der Verhandlung am Dienstag kamen nun zwei Sachverständige vom Landeskriminalamt Brandenburg zu Wort. Sie hatten die Videoaufnahmen aus dem Zug einerseits und Kleidungsstücke, ein Beil und erkennungsdienstliche Fotos der Polizei vom vermutlich Tatverdächtigen andererseits verglichen. Eine Gutachterin hat untersucht, ob die schwarzen Schuhe und die blau-schwarze Jeans, die ihr als Kleidungsstücke des Angeklagten vorlagen, mit der Kleidung des Täters im Video übereinstimmen könnten. Detailliert schilderte sie, wie sie Gruppen- und Individualmerkmale verglichen hat. Bei den schwarzen Schuhen sei eine Übereinstimmung durch gleiche Firmenzeichen, Sohle und weißem Laufsohlenrand nicht auszuschließen. Die Hose allerdings habe verschiedene Passformen, andere Hoseneingriffe und eine andere Vernietung an den Hosentaschen.

Ein zweiter Gutachter hatte Statur und Gesichtszüge des Tatverdächtigen sowie das Beil zu begutachten. Seinen Ermittlungen zufolge, konnten bei Statur, Augenabstand, Form der Nasenwurzel Ähnlichkeiten festgestellt werden. Zum Vergleich lagen ihm erkennungsdienstliche Fotos der Polizei sowie vergrößerte Abschnitte aus Standbildern des Videofilms vor. Der Täter hatte sein Gesicht mit einem Schal weitgehend verhüllt. Das Beil, das dem Gericht als Aservate vorliegt, wurde als Tatwerkzeug identifiziert. Dabei berief sich der Gutachter vor allem auf Abnutzungen an der Bohrung auf dem Beilkopf. In der schwarzen Lackierung sei eine irreguläre Abnutzung zu erkennen, die als individuelles Merkmal übereinstimme.

Um sich ein vollständigeres Bild von der Täterwahrscheinlichkeit machen zu können, beauftragte das Gericht die Gutachter erneut, auch die Überwachungsvideos von der Brandstiftung im Zug und dem Diebstahl im Supermarkt auf übereinstimmende Tätermerkmale zu untersuchen. Sie sollen zur nächsten Verhandlung am 27. Februar vorliegen.