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Tödlicher Baum-Unfall
Schutzengel bei tragischem Baum-Unglück

Brigitta Müller aus Grünewalde hat das Unglück  auf dem Radweg miterlebt. Die Wunde an ihrem Kopf musste genäht werden.
Brigitta Müller aus Grünewalde hat das Unglück auf dem Radweg miterlebt. Die Wunde an ihrem Kopf musste genäht werden. FOTO: Rasche Steffen
Grünewalde/Senftenberg. Nach dem Baum-Unfall mit einer getöteten Rentnerin aus Grünewalde ist die Kreisstraße zwischen Lauchhammer und Tettau seit Freitagmittag wieder freigegeben. Der am Kopf verletzten mit 84 Jahren ältesten Mitfahrerin aus der Seniorengruppe geht es inzwischen wieder gut. Von Andrea Budich

Eine Woche nach dem schweren Baum-Unglück auf dem Radweg zwischen Lauchhammer und Tettau, bei dem eine Seniorin aus Grünewalde von einer entwurzelten Eiche erschlagen wurde, ist die Kreisstraße Freitagmittag für den Verkehr wieder freigegeben worden. Weil alle Gefahrenbäume beräumt sind, konnte der Weg wieder als sicher eingestuft werden. Das bestätigt der Büroleiter des Landrates, Stephan Hornak. Ein beauftragter Sachverständiger hatte rund 30 Bäume gekennzeichnet, die vor der Freigabe der voll gesperrten Straße zu fällen waren. Gleichzeitig hatten mehrere private Waldbesitzer ihre Bestände auf Standsicherheit der Bäume am Radweg kontrolliert. Die letzten umsturzgefährdeten Bäume waren noch am Freitagvormittag beseitigt worden.

Das Drama auf dem Radweg miterlebt hat Brigitta Müller aus Grünewalde. Mit 84 Jahren ist sie die älteste Mitfahrerin der Grünewalder Radlertruppe. Bei dem Unglück wird sie vom Rad gerissen und verletzt sich dabei schwer am Kopf. Die Wunde muss später im Krankenhaus in Elsterwerda genäht werden. Von dem Drama zeugt heute nur noch eine blutverklebte Stelle am Kopfhaar, die Fäden der Naht werden am Montag in der Grünewalder Arztpraxis gezogen. Das Erlebte aber lässt die rüstige Herren-Schneidermeisterin nicht los. Sie weiß noch genau, dass sie am Ende der 20-köpfigen Radlertruppe unterwegs war. „Es war windstill und ein herrlicher Tag zum Radeln. Wir wollten zum Kaffeetrinken ins Tettauer Gasthaus“, erinnert sie sich. Als wie aus heiterem Himmel plötzlich eine Sturmböe über die Baumspitzen donnert, hat keiner der Gruppe eine Chance zu reagieren. Brigitta Müller kann sich nur noch an ein dumpfes Brummen erinnern. „Einen Augenblick später krachte es schon“, erzählt sie, wie sie von Ästen weggepeitscht vom Rad gerissen wird. Sie fällt aber weich auf das Blätterwirrwarr der Birkenäste. „Meiner dicken Lederjacke habe ich wohl mitzuverdanken, dass ich so glimpflich davon gekommen bin“, sagt sie. Beim Sturz zieht sie sich mehrere blaue Flecken an beiden Handrücken, an der Schulter, an Hüfte und Schienbein zu. „Meinem Schutzengel muss ich wohl sehr dankbar sein“, ist sie eine Woche nach dem Unglück schon wieder deutlich erleichtert. Das Geschehene hakt sie als Schicksalsschlag ab. Bei der nächsten Radtour am 16. November zur Triftschänke nach Gorden will Brigitta Müller auf jeden Fall wieder mit dabei sein. „Da bin nicht feige“, sagt sie und kann dabei schon wieder lachen. Ihr leicht demoliertes Rad hat ihr Sohn dafür schon wieder in Schuss gebracht. Eingedellt war nur der Gepäckträger. Einen neuen Rückspiegel hat er auch anbauen müssen.

Nicht nur an der Unglücksstelle  mussten entlang des Radweges  zahlreiche  umsturzgefährdeten Bäume beseitigt werden. Ein Gutachter hat 30 Bäume dafür markieren lassen.
Nicht nur an der Unglücksstelle mussten entlang des Radweges zahlreiche umsturzgefährdeten Bäume beseitigt werden. Ein Gutachter hat 30 Bäume dafür markieren lassen. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen

Das Schreckensszenario mit tödlichem Ausgang für eine Rentnerin ist seit dem Unglückstag Dorfgespräch rund um Tettau. Speziell Autofahrer, die regelmäßig die Kreisstraße benutzen, können die Aussage des Dezernenten Wilfried Brödno aus dem Kreishaus nicht nachvollziehen. Er hatte öffentlich im Kreistag klargestellt, dass es im Vorfeld nicht erkennbar war, dass Bäume nicht standsicher sein könnten. So beteuert Bernd Dietrich (55) aus Lauchhammer, der den Weg täglich zum Bäcker fährt, dass drei Birken schon tagelang nach dem Orkan Xavier in Schräglage an der Unglückseiche anlagen. „Das können viele bezeugen“, erklärt der Elektroingenieur am RUNDSCHAU-Telefon. Es ärgert ihn zutiefst, dass das Unglück jetzt allein auf die Macht der plötzlichen Naturgewalt reduziert wird. Für ihn war der drohende Dominoeffekt schon Tage vorher erkennbar. Dem widerspricht der Büroleiter des Landrates, Stephan Hornak. Er verweist auf die Kontrollfahrt der erfahrenen Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei am Unglückstag um 11 Uhr. „Bei dieser Kontrolle wurden keine straßenbegleitenden Bäume mit Gefahrenpotenzial festgestellt“, erklärt er und untermauert damit die öffentliche Aussage des Dezernenten aus der Vorwoche.